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Das kaiserliche „Reform-Libell“ – eine erfolglose Initiative 431
ben von den weiteren Konzilsverhandlungen anzukündigen, wurde bestätigt102.
Indessen dĂĽrfte weniger die wiederholte Bitte Ferdinands bei Philipp II. einen
Sinneswandel bewirkt haben als der Appell der Konzilslegaten an ihn, sich mit
dem Kaiser zu einigen, wobei sie auch auf die angebliche Drohung Ferdinands
verwiesen hatten103. Tatsächlich lenkte der spanische König nunmehr ein. Seine
neue Instruktion mit der wichtigen Erklärung, er wolle sich mit Rücksicht auf
den beharrlichen Widerstand des Kaisers und der Franzosen damit zufrieden
geben, wenn nichts geschehe, was gegen die Kontinuation gerichtet wäre, traf
zwei Tage nach der Session am 16. Juli, in der die Angelegenheit nicht berĂĽhrt
worden war, in Trient ein104. Damit war eine die Konzilsarbeit belastende
Streitfrage, die den kaiserlichen Räten viel Kopfzerbrechen bereitet hatte, end-
lich im Sinne Ferdinands ausgeräumt105.
Das kaiserliche „Reform-Libell“ – eine erfolglose Initiative
Der Inhalt der ersten Konzilsvorlage zur Reform vom 12. März war in Prag
noch nicht bekannt, als dort die Entscheidung fiel, eine ausfĂĽhrliche Darlegung
zu erarbeiten, was nach Auffassung des Kaisers in dieser Hinsicht vom Konzil
zu leisten sei106. Ferdinand erwog schon länger den Gedanken, ein „kurzes
summarium“ aller Mängel für seine Konzilsgesandten zusammenstellen zu
lassen, über deren Behebung sie in Trient „mit etlichen legaten und furnemb-
sten patribus vertrewlich und ad partem“ diskutieren und dabei ausloten soll-
ten, ob die Reform „furderlich und one verzug in dem concilio furgenomen
wurdt“107. Aus dieser zuerst recht vorsichtigen und bescheidenen Zielvorgabe
erwuchs das sogenannte Reform-Libell, Ferdinands groĂźe, in Wahrnehmung
seiner Verantwortung als christlicher Kaiser an die Adresse des Konzils gerich-
tete religionspolitische Initiative. Mit seiner Vorlage zog der Kaiser die Konse-
quenz daraus, daĂź der Papst alle die universale Kirche betreffenden Reformen,
aber auch das Befinden ĂĽber die umstrittenen Konzessionen im Bereich des
positiven Kirchenrechts in die Kompetenz des Konzils gestellt hatte108. Die
allzu allgemeine Begründung, welche die Oratoren im März der Forderung
nach Reformberatungen beigefügt hatten, war vielleicht ein zusätzlicher Impuls,
102 Sickel, Konzil, S. 341ff: F. an Oratoren, 29.6.1562; Basis der Instruktion war der erste Teil des
Gutachtens von Seld (CT 13, S. 686–688); vgl. aber NB II 3, S. 86 Anm.1. Die Weisung wurde
am 12.7.1562 nochmals bekräftigt (HHStA Wien, RelA 8 Konv. Juli, fol 19r-21v).
103 CDI 9, S. 255ff: Legaten an Philipp II., 7.6.1562. Ăśbrigens riet auch Pescara zum Nachgeben
(ebda, S. 124ff).
104 Sickel, Konzil, S. 352f: Philipp II. an Pescara, 6.7.1562; Pastor, Päpste 7, S. 226
105 Ferdinand erfuhr davon via Trient (Sickel, S. 360f); GĂşzman wurde von Philipp II. erst am 19.
Juli informiert und lieĂź sich bis zum 18. August Zeit, die wichtige Entscheidung zu melden
(HHStA Wien, Spanien, Dipl. Korr. 6, fol 221r; vgl. Chudoba, Relaciones, S. 324f).
106 HHStA Wien, RHRP 20b, Eintrag zum 17.3.1562 (zitiert NB II 3, S. 41)
107 F. an Gienger, 24.2.1562 (Sickel, Reformations-Libell, S. 14)
108 So argumentierte Ferdinand selbst in der Begleitinstruktion fĂĽr das Libell (Sickel, Konzil, S.
313).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂĽnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien