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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums440
intervenieren170. Während die Autorität Mantuas und Seripandos ernsthafte
Konzilsarbeit gewährleiste, werde ihr Rücktritt nicht nur Schwierigkeiten, son-
dern letztlich die Auflösung des Konzils zur Folge haben, schrieb Ferdinand an
Arco; die in Aussicht genommenen Nachfolger erregten sein Mißtrauen, denn
sie machten eine noch stärkere Abhängigkeit von der Kurie wahrscheinlich171.
Die kaiserliche Fürsprache – von der Arco abriet – konnte unterbleiben, weil
Pius IV. das Rücktrittsangebot nicht annahm und Mantua die päpstliche Ver-
trauensbekundung akzeptierte172. Gleichwohl hielt es Ferdinand für angezeigt,
unter Berufung auf seine Stellung als Kaiser und katholischer Fürst dem Papst
durch Arco nachdrücklich seine Sorgen wegen der unzureichenden Freiheit des
Konzils vorzutragen, wobei er sowohl die letzten Vorgänge in Trient als auch
den üblen Eindruck bei den Gegnern einschließlich jenes Spottwortes anführte;
der Appell war ihm so wichtig, daß Arco ausdrücklich befohlen wurde, sofort
über die Reaktion des Papstes zu berichten173.
Ferner hatte man von den Tendenzen an der Kurie erfahren, das Konzil zu
suspendieren oder in Kürze zu schließen174, und dafür wollte Ferdinand keine
Handhabe bieten175. Zwar dementierte Pius IV. Suspensionsabsichten, doch
strebte er den Abschluß der Beratungen im Oktober an176. Delfino erhielt im
Juli den Auftrag, bei Ferdinand wegen Vertagung oder Schließung des Konzils
zu sondieren, ersatzweise könne man dann ein Colloquium veranstalten. Um
den Plan schmackhaft zu machen, wurde der gute Wille des Papstes betont,
Ferdinands Reformanliegen zu fördern177. Es war ein Versuch, mit Hilfe des
Kaisers – dem die delikate Aufgabe zugedacht war, das Einverständnis Philipps
II. einzuholen und nach außen die Initiative zu übernehmen – die Kirchenver-
sammlung loszuwerden. Ferdinand aber war strikt dagegen, das Konzil zu be-
enden, ehe es seine wichtigste Aufgabe erfüllt hatte – es dürfe „kein loch gewin-
nen“ –, und mit der Aufforderung, der Papst solle sich dafür einsetzen, „damit
die reformation handlung den dogmatibus furgetzogen“ werde178, wich Ferdi-
nand sogar von seinem Grundsatz ab, die Autonomie des Konzils gegenüber
päpstlichen Wünschen hochzuhalten. Arco setzte bei der Ausführung des Auf-
trages auch das Argument ein, das Konzil dürfe aus Rücksicht auf die Abgewi-
chenen noch nicht geschlossen werden, aber Pius IV. bezweifelte, daß die Hä-
retiker noch kommen wollten, und versprach lediglich die gleichzeitige Be-
170 HHStA Wien, RK RelA 8 Konv. Juli, fol 1r/v: F. an Mantua, 2.7.1562
171 HHStA Wien, RK RelA 8 Konv. Juli, fol 4r-5v: F. an Arco, 5.7.1562 (Konz.)
172 Sickel, Konzil, S. 354f; Jedin, Konzil 4/1, S. 156
173 Sickel, Konzil, S. 356f (nach HHStA Wien, RK RelA 8) hat den Hinweis auf das kaiserliche Amt
weggelassen; Rill, Arco, S. 23.
174 Schon am 16.5. sprach Borromeo in einer Weisung an Delfino davon (NB II 3, S. 50f), ebenso
am 27.6. (ebda, S. 74f). Rill, Arco, S. 26 Anm. 33 erwähnt eine einschlägige Meldung Thurms v.
13.6.1562. Weitere Belege bei Kassowitz, S. 122 Anm. 4
175 So zutreffend Bochetel an Katharina, 23.7.1562 (Meyenhofer, S. 332)
176 Sickel, Röm. Berichte 2, S. 119; auch Arco nannte am 8.7.1562 den Oktober als anvisierte Zeit
für das Konzilsende (Sickel, Konzil, S. 350).
177 NB II 3, S. 99f: Borromeo an Delfino, 22.7.1562
178 NB II 3, S. 111: Verfügung Ferdinands v. 10.7.1562. Die beiden diplomatischen Aktionen
kreuzten sich.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien