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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 442 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums442 Einzelpersonen oder auch bestimmten Regionen gestattet werden könne, von der bekräftigten kirchlichen Praxis des Abendmahls sub una abzuweichen, mit Zustimmung der kaiserlichen Oratoren zunächst ausgeklammert189. Von der Sache her war es folgerichtig, daß die Legaten als nächstes dogmati- sches Problem in der Session vom 16. Juli Artikel zur Lehre vom Meßopfer proponierten, jedoch konnte ihr Schritt auch als Präjudiz für die Fortsetzung angesehen werden, denn diese Thematik war schon während der zweiten Ta- gungsperiode 1552 erörtert worden190. Außerdem war damit die wichtigste Streitfrage zwischen Katholiken und Protestanten – neben der Lehre von der Rechtfertigung – auf die Tagesordnung gesetzt. Aber Ferdinands Beraterstab scheint die Tragweite zunächst nicht erkannt zu haben191, man war wohl noch von den Schließungsplänen und der Sorge um die Freiheit des Konzils absor- biert192. Erst durch eine Demarche Bochetels wurde man auf die Folgen jener Aktion der Legaten für die eigenen Konzilsvorstellungen aufmerksam. Bochetel hatte den Auftrag, seinen Kollegen in Trient, die in Erwartung ihrer geistlichen Landsleute verlangten, bis zu deren Ankunft dürften keine Dekrete mit dog- matischem Inhalt verabschiedet werden, die kaiserliche Unterstützung zu ver- schaffen. Er begründete dieses Anliegen mit dem Hinweis, die Promulgation von Dekreten über die Messe werde bei den Protestanten schweren Anstoß erregen, und sein Rat, stattdessen die Beratung von Reformen zu beschleunigen, war wohlberechnet193. Die daraufhin von Seld entworfene Weisung für die Oratoren in Trient enthielt nochmals die wesentlichen Elemente der ursprüng- lichen Konzilskonzeption Ferdinands. Der Sekretär Singkmoser gab ihr den treffenden Titel: „De promovenda Reformatione ante tractationem dogmatum“. Sie wurde zu einem Brief an die Legaten umgearbeitet, weil vor der Absendung deren Antwort auf Ferdinands Rechtfertigung des Reformlibells eintraf194. Eine freundliche Richtigstellung der einseitigen Interpretation, welche die Legaten seinen Ausführungen gegeben hatten, bildete die Einleitung195. Ferdi- nand erklärte, er habe nie einen anderen Weg gehen wollen, als das Libell erst den Legaten zu zeigen und dann der Synode vorzuschlagen. So waren seine Gesandten ja auch vorgegangen. Das Versprechen, Teile davon bei Gelegenheit vorzulegen, nahm er dankend zur Kenntnis, betonte aber seine Sorge, Refor- men, die für die Kirche im Reich und in seinen Erblanden wesentlich seien, würden länger verzögert, als angesichts der dortigen Notlage tragbar sei. Daß in der Session am 16. Juli zwar Artikel über die Messe, aber keine Reformpunkte aus dem Libell zur Beratung gestellt worden seien, sei im Blick auf Deutschland 189 Jedin, Konzil 4/1, S. 167 u. S. 173 190 Jedin, Konzil 3, S. 339ff 191 Der ersten Meldung am 21.7.1562 (Sickel, Konzil, S. 361) folgte am 27.7. die unkommentierte Nachricht, die Theologen hätten die Beratungen begonnen (ebda, S. 362). 192 Außerdem machte Ferdinand gerade einen mehrtägigen Jagdausflug (Meyenhofer, S. 331: Be- richt Bochetels v. 23.7.1562). 193 HHStA Wien, RK RelA 8 Konv. August, fol 25r: Postskript zur Weisung v. 9.8.1562 an die Konzilsoratoren (von Ferdinand nicht unterzeichnete Reinschrift) 194 Le Plat 5, S. 425ff; Inhaltsreferat bei Bucholtz 8, S. 456f 195 HHStA Wien, ebda, fol 7r-10r: Selds Entwurf v. 4.8.1562. Die Endfassung (datiert auf den 12.8.1562) gedruckt bei Le Plat 5, S. 449ff; vgl. NB II 3, S. 107ff CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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