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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums450
Kontakt mit den kaiserlichen Vertretern und Insistieren auf dem Recht zur
Antragstellung für die Gesandten der weltlichen Mächte.
Philipp erfüllte damit die unerläßliche Voraussetzung für die Verwirklichung
eines Gedankens, dem Ferdinand unlängst nähergetreten war245: Luna zugleich
zum kaiserlichen Orator zu ernennen, um auf diese Weise gleichsam in dessen
Person die parallele Ausrichtung der kaiserlichen und der spanischen Kon-
zilspolitik zu gewährleisten246. Luna hatte in der letzten Zeit viel Verständnis
für Ferdinands Intentionen gezeigt. Für Philipp bot es den Vorteil, daß auf
diese Weise in Trient der leidige Präzedenzstreit mit Frankreich umgangen
werden konnte; die Konzilsarbeit konnte ja nur profitieren, wenn jener Kon-
flikt dort nicht ausgetragen zu werden brauchte.
Ferdinand begrüßte Philipps Anregungen und sprach die Hoffnung aus, alle
Welt möge die zwischen ihnen bestehende „union y verdadera corresponden-
cia“ erkennen. In dem Bemühen, die Gemeinsamkeiten hervorzuheben, spielte
er die bisherigen Differenzen herunter und räumte ein, daß mit einer Teilnahme
der „Häretiker“ am Konzil nicht mehr zu rechnen sei247.
Ob den Absichtserklärungen alsbald effektiveres Zusammenspiel in Trient
oder auch in Rom folgen würde, mußte sich zeigen. Wie der Entwurf der eige-
nen Instruktion für Luna zeigt, sah man in Wien durchaus, welche Probleme
aus der Doppelfunktion erwachsen konnten, jedoch glaubte man, sie durch die
Anweisung beiseite schieben zu können, bei einer Kollision der Interessen solle
Luna, wenn er als Orator des Kaisers auftrete, sich eben an den kaiserlichen
Richtlinien orientieren248. Indessen zögerte Philipp, sein Einverständnis zu
erklären, weil er die Differenzen zwischen der eigenen und der kaiserlichen
Konzilspolitik doch höher bewertete, und Luna vermochte ihn nicht umzu-
stimmen249. So unterblieb seine Ernennung zum kaiserlichen Orator. Im Febru-
ar löste eine Meldung Thurms aus Venedig, Philipp habe für die spanischen
Bischöfe die Richtlinie ausgegeben, sich am Willen des Papstes zu orientie-
ren250, anscheinend neue Unsicherheit über die Absichten des spanischen Kö-
nigs aus, denn Ferdinand sah Veranlassung zu einem eindringlichen Appell an
seinen Neffen als Träger des Titels „Katholischer König“, zugunsten der Frei-
heit des Konzils und der Reformen Luna und die Bischöfe anzuweisen, mit den
Franzosen und den kaiserlichen Vertretern in Trient zusammenzustehen251.
245 Erste Erwähnung am 22.3.1562 (HHStA Wien, RHRP 20b; zitiert NB II 3 , S. 34), was Chu-
doba, Relaciones, S. 325, übersehen hat.
246 CDI 98, S. 353ff: Luna an Philipp, 16.8.1562: S.M. me dixo que ... podria servir á V.M. y á S.M.,
y guiar las cosas en la conformidad y union que convenia tener, pues el fin de ambos esa uno
mesmo“ (S. 357); ebda, S. 370: Luna an Philipp, 20.10.1562.
247 CDI 2, S. 576ff: F. an Philipp, Freiburg, 30.12.1562 (nicht Preßburg); das Zitat S. 581; Auszüge
aus dem lateinischen Konzept bei Sickel, Konzil, S. 412f
248 HHStA Wien, RK RelA 8, Konv. Sept., fol 80r-84v: Entwürfe von Instruktion und Kredenz für
Luna als kaiserlicher Konzilsorator
249 CDI 98, S. 386ff: Luna an Ph., 23.12.1562; NB II 3, S. 222; Jedin, Konzil 4/1, S. 257
250 Überliefert in einem Brief Zasius’ v. 14.2.1563 an Herzog Albrecht (zitiert bei Constant, Légati-
on, S. 15 Anm. 3).
251 CDI 98, S. 398: F. an Philipp, 11.2.1563
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien