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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 451 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Der Kaiser in Innsbruck: Priorität für die Konzilspolitik 451 Durch das Eintreffen der französischen Prälaten am 13. November in Trient war die Gruppe der an Reformen interessierten „Ultramontanen“ an Zahl und „moralischem Gewicht“ verstärkt worden und hatte im Kardinal Charles Guise einen brillanten Wortführer erhalten252. Andererseits hatten die Vertreter Fer- dinands den – durchaus zutreffenden – Eindruck, die Kurie schicke planmäßig immer mehr italienische Bischöfe nach Trient, um die Mehrheit gegenüber den anderen Nationen zu sichern und auf diese Weise durchgreifende Reformvor- schläge verwässern zu können253. Es lag durchaus auf der Linie der Konzilspolitik Ferdinands, wenn seine Oratoren die französischen Prälaten nach ihrer Ankunft in Trient ermunterten, eine eigene Reformdenkschrift einzubringen254. Ferdinand erklärte sich mit ihrer Haltung einverstanden, zumal große Teile mit den Intentionen des eige- nen Libells übereinstimmten255. Noch mehr, die Oratoren verlangten von den Legaten nachdrücklich, sowohl das französische Memorandum dem Konzil vorzulegen als auch gleichzeitig ein – wie sie behaupteten, dem Kaiser und ih- nen selbst gegebenes – Versprechen einzulösen und die wichtigsten Artikel aus dem kaiserlichen Libell ebenfalls zur Diskussion zu stellen. Die Legaten ver- legten sich auf Hinhalten, weil sie die französische Denkschrift zur Begutach- tung nach Rom geschickt hatten. Mit ihren alten Einwänden gegen das Libell provozierten sie die Rückfrage, welche Artikel ihnen anstößig seien256; darauf- hin benannten sie die Punkte, welche die Kurie und den Papst betrafen, weil dadurch die Autorität des letzteren im Verhältnis zum Konzil berührt werde; die vom Kaiser angestrebten Konzessionen dem Konzil zur Beratung vorzule- gen, sei um des kaiserlichen Prestiges willen untunlich, denn ihre Bewilligung durch die Väter sei unwahrscheinlich, wie man an dem an sich am wenigsten schwierigen Beispiel des Laienkelches bereits erfahren habe257. Mit ihrem Insistieren auf Vorlage von Reformartikeln verschärften Franzo- sen und kaiserliche Oratoren die Krise, in die das Konzil wegen der Spannun- gen zwischen der Kurie und dem Konzilspräsidium sowie innerhalb des Lega- tenkollegiums und wegen des wieder aufgeflammten Streites über die Fundie- rung der bischöflichen Residenz geraten war258. Die Situation wurde noch är- ger, als die Franzosen dem Papst den Titel „pastor ecclesiae universalis“ nicht 252 Jedin, Konzil 4/2, S. 225 253 Steinherz, Brus, S. 71: Brus an Erzherzog Ferdinand, 23.11.1562; Kassowitz, S. 140f mit weiteren Belegen. Jedin, Politica, S. 480f erwähnt Aufforderungen Borromeos an Cosimo von Florenz, möglichst viele toskanische Prälaten nach Trient zu schicken. 254 Sickel, S. 418f: Oratoren an F., 5.1.1563; Kuny, S. 35; inhaltliche Würdigung bei Steinruck, S.233; Jedin, Konzil 4/1, S. 254 255 HHStA Wien, RK Rel-A 9, Konv. Jan 1563: F. an Konzilsoratoren, 17.1.1563, größtenteils gedruckt bei Sickel, Konzil, S. 419ff; dazu Delfinos Bericht v. 21.1.1563 (NB II 3, S. 171f). Der Erzbischof von Prag meinte sogar, der größte Teil sei aus dem Reform-Libell Ferdinands über- nommen worden (Steinherz, Briefe, S. 85: Brus an Ehg. Ferdinand, 11.1.1563). 256 HHStA Wien, RK Rel-A 9, Konv. Januar, fol 63r-65v: Schreiben der Oratoren an die Legaten (undatierte Kopie), das die mündlich geführte Verhandlung rekapituliert. Druck bei Šusta 3, S. 169ff, dort auf 14./15.1.1563 datiert; vgl. auch Sickel, Konzil, S. 431 257 HHStA Wien, ebda, fol 47r/v: Antwortnote der Legaten v. 24.1.1563; gedruckt Šusta 3, S. 182f 258 Dazu eingehend Jedin, Konzil 4/1, S. 237ff CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
MĂĽnster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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