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Der Kaiser in Innsbruck: PrioritĂ€t fĂŒr die Konzilspolitik 455
bung der Effizienz der Konzilsarbeit zu prĂŒfen, darunter, was man zur Beile-
gung des Streites ĂŒber die Residenz der Bischöfe beitragen könne; die schon
Monate wĂ€hrende Debatte ĂŒber die dogmatische Fundierung des Bischofsamtes
erschien Ferdinand wenig hilfreich, gelegen war ihm an einem pragmatischen
Beschluà des Konzils, der die Wahrnehmung der bischöflichen Hirtenaufgaben
durch Einhaltung der Residenz sichern sollte. Eine praktikable Empfehlung
fanden die vier Gutachter nicht. Besonderes Gewicht hatte die Frage, ob der
Kaiser sich persönlich zum Konzil begeben solle. Sie wurde von Cordoba be-
jaht, da durch die Anwesenheit des Kaisers die âlibertas proponendi et defi-
niendiâ fĂŒr die VĂ€ter wiederhergestellt und dann die Kirche friedlich reformiert
werde282; Draskovich Ă€uĂerte sich gleichfalls positiv, wĂ€hrend Canisus dagegen
votierte und Barboli Zweifel am Nutzen Ă€uĂerte, wenn der Papst nicht dorthin
kÀme.
Die Anwesenheit Ferdinands in Innsbruck trug insofern sofort FrĂŒchte, als
der Kaiser in ganz anderer IntensitÀt von allen, die durch das Konzil oder auf
dem Konzil etwas bewegen wollten, als ernst zu nehmender Faktor in Ăberle-
gungen und Konsultationen einbezogen wurde. Nur wenige Tage nach dem
Bischof von FĂŒnfkirchen reiste Commendone im Auftrag der Konzilslegaten
nach Innsbruck, um dem Kaiser ihr Verhalten im Konflikt ĂŒber die Vorlage der
Reformenkataloge zu erlÀutern, ihn zu einer propÀpstlichen Stellungnahme im
Streit um die SuperioritÀt und zum Verzicht auf die konziliare Beratung aller
Punkte, die den Papst selbst betrÀfen, zu bewegen283. Commendone trug in
seiner Audienz im wesentlichen dieselben Argumente vor, die Ferdinand aus
den Briefen seiner Oratoren schon kannte, so die angebliche BeeintrÀchtigung
der Rechte des Papstes durch die kaiserlichen Reformforderungen und die
Schwierigkeiten, die angestrebten Konzessionen vom Konzil bewilligt zu er-
halten. Ferdinand hörte geduldig zu, vermied in seiner ersten mĂŒndlichen Er-
widerung jede Festlegung, weil die angesprochenen Fragen der Beratung be-
dĂŒrften, beharrte aber darauf, die âMiĂbrĂ€ucheâ â die er nicht nĂ€her prĂ€zisierte
â mĂŒĂten abgestellt werden, zum einen, um Gott zu besĂ€nftigen, denn sie wĂ€-
ren SĂŒnde, zum anderen sei das ausschlaggebend dafĂŒr, ob der Abfall zu den
HĂ€retikern weitergehen werde oder ob sie zurĂŒckgewonnen werden könn-
ten284. Zu der von den Legaten angeregten eingehenden Besprechung des Re-
form-Libells kam es nicht. In seiner zweiten Antwort betonte Ferdinand ein
paar Tage spÀter, Richtschnur seines Handelns sei stets gewesen und solle es
bleiben, Gott und dem Heiligen Stuhl zu dienen und zu einem glĂŒcklichen
Verlauf des Konzils beizutragen285. Die schriftliche Antwort fĂŒr die Legaten
war ebenso unverbindlich gehalten286.
Commendone war zu frĂŒh gekommen, die Meinungsbildung am Kaiserhof
brauchte noch einige Zeit. Indessen kam er in einer scharfsinnigen Zusammen-
282 fol 129r (s. Anm. 273)
283 Ć usta 3, S. 155 u. S. 184; die Instruktion fĂŒr Commendone v. 28.1.1563 bei Döllinger 3, S. 317ff
284 NB II 3, S. 180ff: Gemeinsamer Bericht Commendones und Delfinos v. 8.2.1563; Ferdinands
Erwiderung S. 184
285 Ebda, S. 191: Commendone an die Legaten, 12.2.1563
286 HHStA Wien, RHRP 20b: Eintrag zum 13.2.1563 (zitiert NB II 3, S. 192)
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂŒnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien