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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums460 Schreibens zu sehen. Mit der Mahnung, das Konzil nicht als Konkurrenz und Gefahr für die Autorität des päpstlichen Stuhles zu betrachten, traf Ferdinand die zentrale Ursache für das ambivalente Verhalten Pius’ IV. Folgerichtig schloß sich daran die eindringliche Bitte, der Papst möge sich persönlich zum Konzil begeben. In einer eigenhändigen Nachschrift wiederholte Ferdinand diesen Wunsch und versprach „yn verbo ymperatoris regis ac bony christiany“, für die Sicherheit des Papstes während der Reise und in Trient einzustehen306. Mit beiden Schreiben forderte der Kaiser den Papst auf, die Prioritäten rich- tig zu setzen. Und sie dokumentieren Ferdinands Führungsanspruch vor den anderen weltlichen Mächten307; er hat weder Spanien vorher konsultiert noch auf das krisengeschüttelte Frankreich Rücksicht genommen. Ohne Zweifel wäre er, wenn sich Pius IV. nach Trient begeben hätte, ebenfalls dorthin gegan- gen. Der „offene Brief“ des Kaisers erregte großes Aufsehen, insbesondere wurde diskutiert, ob die beiden Häupter der Christenheit sich demnächst in Trient begegnen würden308. In Trient tauchte bald darauf ein gefälschter Kaiserbrief mit schärferer Kritik am Papst auf309. Für die Kurie waren vor allem zwei Aspekte beängstigend: Zum einen, daß Ferdinand die Eigenständigkeit des Konzils so stark betont hatte, und das zu einem Zeitpunkt, da in Trient die Superiorität des Papstes von den Franzosen angefochten wurde; zum anderen, daß die drei großen weltlichen Mächte sich anscheinend zu gemeinsamer Oppo- sition zusammenfanden310. In Ferdinands Schreiben wollte Pius IV. „viel vom Kardinal von Lothringen“ wiedererkennen311, und nur wenige Tage später trug der spanische Sondergesandte Avila in Rom die Kritik Philipps II. an den Sus- pensionsabsichten und an der Handhabung des Propositionsrechtes vor312. Es war ein Zufall, daß am Tag vor der Absendung der beiden Briefe in Trient der Kardinal von Mantua verstarb und ihm zwei Wochen später der zweitälte- ste Legat Seripando folgte. Würde der Papst diese unvorhergesehene Situation zu einem Neuanfang im Sinne des Kaisers nutzen? Ferdinand schloß die Möglichkeit nicht aus, daß Pius IV. wegen der die Ku- rie tangierenden Reformforderungen zur abrupten Beendigung des Konzils greifen könnte – die Oratoren in Trient erhielten für diesen Fall vorsorglich Instruktionen313. Sie wurden außerdem angewiesen, in den kritischen Fragen äußerste Zurückhaltung zu wahren, im Kontakt mit Franzosen und Spaniern 306 Ebda, S. 234. Der Deutung von Jedin, Konzil 4/1, S. 263, dieser Brief habe ein persönliches Treffen mit dem Papst ersetzen sollen, kann ich mich nicht anschließen. 307 Luttenberger, Kirchenadvokatie, S. 207, hat diesen Faktor m.E. zu gering bewertet. 308 Vgl. z.B. Hans Jakob Fugger an Panvinius, 13.3. und 14.4.1563 (Maasen, S. 102 u. S. 103); Mi- cheli an Dogen, 29.3.1563 (VD 3, S. 225f) 309 Kassowitz, S. XXXV, Nr. 62 310 Ferdinands Schreiben fand sowohl den Beifall Bochetels (BN Paris, Coll. Dupuy 357 fol 108r/v: Brief v. 8.3.1563 an den französ. Botschafter in Rom) als auch Lunas (CDI 98, S. 407ff: Brief an Philipp v. 9.3.1563). 311 So zu Arco in der Audienz nach der Übergabe der Schreiben (Sickel, Konzil, S. 452). 312 Jedin, Konzil 4/2, S. 4; vgl. CDI 98, S. 412f. Ferdinand, von Luna unterrichtet, beauftragte Arco, die spanischen Gesandten nach Kräften zu unterstützen (Rill, Arco, S. 24). 313 Sickel, Konzil, S. 456ff: Instruktion v. 21.3.1563 (bes. S. 462) CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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