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Der kaiserliche Appell an den Papst 461
mäßigend zu wirken, den Legaten Unterstützung anzubieten und ihnen zu
erklären, zur Zeit wünsche der Kaiser die Vorlage seines Reformlibells nicht,
weil es überarbeitet werde. Zum besseren Verständnis erfuhren sie, welche
Punkte sie im Falle der Lockerung des Antragsrechtes vorbringen und welche
einstweilen aus taktischen Gründen unerwähnt bleiben sollten314. Ferdinand
wollte offensichtlich alles vermeiden, was dem Papst oder den Legaten eine
Handhabe zum Abbruch des Konzils geboten hätte, er wollte ein Ergebnis auf
dem Felde der Kirchenreform erreichen. Den Kardinal Guise ließ er bitten, zur
Beilegung des Präzedenzstreites mit Spanien zu helfen315 – Luna machte sich
jetzt auf den Weg nach Trient. Der Kaiser wollte nicht nur das Konzil von einer
ärgerlichen Beeinträchtigung seiner Arbeitsfähigkeit befreien, sondern auch die
Kooperation der drei Mächte erleichtern.
Das von Pius IV. am 27. März im Konsistorium abgelegte Bekenntnis zur
Weiterführung des Konzils in Gestalt eines Dementis, das Konzil weder auflö-
sen noch suspendieren noch verlegen zu wollen316, war daher ein nicht unbe-
deutendes Ergebnis des kaiserlichen Appells. Pius IV. hatte allerdings nicht die
Absicht, sich selbst nach Trient zu begeben, und er machte umgehend deutlich,
daß er auch einen Besuch Ferdinands beim Konzil nicht wünschte. Stattdessen
schlug er eine Begegnung in Bologna vor317. In die Tat umgesetzt wurde zu-
nächst der schon im Februar erwogene Gedanke, den Konzilspräsidenten mit
Ferdinand konferieren zu lassen – damals allerdings nur aus dem Motiv, den
befürchteten Einfluß des Kardinals von Lothringen zu paralysieren318. Dem
Kardinal von Mantua war die Reise zum Kaiser nicht mehr möglich gewesen.
Jetzt fiel die erheblich gewichtiger gewordene Aufgabe dem zu seinem Nach-
folger berufenen Kardinal Giovanni Morone zu319. Die Nachricht, er werde zur
mündlichen Beantwortung der kaiserlichen Überlegungen alsbald nach Inns-
bruck kommen, traf am 27. März dort ein320. Ferdinand war der Kardinal will-
kommen, denn er schätzte Morone wegen seiner guten Kenntnisse der Verhält-
nisse in Deutschland und seiner Aufgeschlossenheit für die Kirchenreform,
obwohl sie beide keineswegs immer einer Meinung gewesen waren. Es war ein
bedeutender politischer Erfolg Ferdinands, daß er durch seine beiden Briefe den
Papst dazu brachte, die Thematik Konzil und Kirchenreform mit dem Kaiser
persönlich durch den neuen Konzilspräsidenten erörtern zu lassen.
Die Wartezeit bis zur Reaktion des Papstes wurde in Innsbruck genutzt, um
wichtige Fragen weiter zu durchdenken. Aus den Gutachten der Theologen-
kommission und des Kardinals Guise hatte Seld weitere 41 erwägenswerte
314 Sickel, Konzil, S. 456ff: Instruktion v. 21.3.1563; vgl. Jedin, Konzil 4/2, S. 10f, Helle, S. 45ff
315 Sickel, Konzil, S. 446ff: Instruktion v. 3.3.1563
316 Constant, Légation, S. XLIII Anm. 1: Auszug aus der Ansprache des Papstes. Die Leugnung
von Translationsabsichten war nicht ganz ehrlich.
317 Sickel, Konzil, S. 452ff: Bericht Arcos v. 10.3.1563; erstmalig schon am 30.12.1562 (ebda, S.
414f).
318 Šusta 3, S. 224f; vgl. Wojtyska, Cardinal, S. 177
319 Eine moderne Biographie dieses bedeutenden Kirchenpolitikers fehlt nach wie vor. Bester kür-
zerer Versuch: Lutz, Morone, passim. Abgewogene Würdigung bei Jedin, Konzil 4/2, S. 25ff.
320 HHStA Wien, RHRP 20b (zitiert in NB II 3, S. 259). Kuriale Entwürfe für die unterlassene
schriftliche Antwort gedruckt bei Constant, Légation, S. 16ff.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien