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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 462 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums462 Punkte ausgezogen321, von denen einige schon in Ferdinands Briefen berück- sichtigt worden sind, während andere in den nächsten Wochen erörtert oder entschieden wurden. Die erwähnten Weisungen an die Konzilsoratoren waren ein Zwischenergebnis. Bei den Juristen Gienger und Konrad Braun wurden Gutachten zu den vier wichtigsten strittigen konzilsrechtlichen Fragen be- stellt322: (1) Wem steht das Propositionsrecht zu? (2) Wie kann die Freiheit der Rede und Abstimmung ohne kuriale Einmischung gesichert werden? (3) Wie kann einer Majorisierung durch die zahllosen italienischen Bischöfe vorgebeugt werden? (Kardinal Guise und Draskovich hatten Abstimmung nach Nationen angeregt.) (4) Wie kann der überflüssige Streit über die Superiorität vermieden werden, welche Position soll der Kaiser einnehmen, falls eine dezidierte Stel- lungnahme nötig werden sollte, und in welcher Weise sind die Dekrete der Konzilien von Konstanz und Basel dann zu berücksichtigen323? Seit jener Streit in Trient ausgebrochen war, wurde Ferdinand von Delfino gedrängt, eine propäpstliche Stellungnahme abzugeben324, und Pius IV. hatte noch vor dem Eingang der beiden Briefe des Kaisers ein Breve an ihn gerichtet mit der Aufforderung, den Heiligen Stuhl vor Angriffen auf seine Autorität zu schützen325. Aber Ferdinand entschied sich für die salomonische Lösung, „quod Caesar libenter defendet auctoritatem pontificis, modo ne quid tentet contra auctoritatem concilii“326. In diesem Sinne instruierte er seine Oratoren, bei Spaniern und Franzosen in Trient auf Unterlassung der „schädlichen“ Dis- kussion hinzuwirken, damit die für die Konzilsarbeit nötige „concordia et uni- tas“ zwischen Papst und Vätern bzw. Konzil erhalten bleibe327, und auf dieser Linie bewegte sich auch seine Delfino übergebene Erklärung328. Sowohl gegen- über den Oratoren als auch in seiner Antwort an Pius IV. erklärte der Kaiser, ebensowenig wie er als Advokat des Heiligen Stuhls eine Beeinträchtigung der Autorität des Papstes dulden könne, werde er eine Beschneidung der dem Kon- zil von alters her zustehenden Kompetenzen zulassen; Pius IV. empfahl er, seinerseits klarzustellen, daß er Autorität und Kompetenz des Konzils nicht mindern wolle329. Seld warnte Delfino, von Ferdinand mehr zu verlangen, da der Kaiser sehr wohl wisse, daß Karl V. der Ansicht gewesen sei, das Konzil 321 HHStA Wien, RK RelA 9, fol 102r-107v: Eigh. Aufzeichnung (in tergo: Articuli in materia Concilii deliberandi). Die Liste reicht von Nr. 18 bis 58 und schließt damit an die Zählung der 17 Fragen (s. oben Anm. 275) an. Daher ist die Datierung: 22.-25.2.1563 von Constant, Légation, S. 67 einleuchtend. Zu mehreren Punkten hat Seld notiert, was die Gutachter dazu meinen. M. E. gehört das Papier zu seinen Arbeitsunterlagen für den Geheimen Rat. 322 HHStA Wien, RK RelA 9 fol 57r/v u. fol 88r/v: F. an Gienger, 17.3. u. 23.3.1563 (mit Verzeich- nis der Gienger übersandten Akten). Zur Übermittlung an Braun vgl. Rößner, S. 214f 323 HHStA Wien, RK RelA 13, fol 16r/v. Druck bei Constant, Légation, S. 67; referiert bei Sickel, Konzil, S. 493; vgl. (auch zur Datierung) Rößner, S. 214f 324 NB II 3, S. 235f: Delfino an Legaten, 4.3.1563 325 NB II 3, S. 237ff: Breve v. 6.3.1563; vgl. Jedin, Wendepunkt, S. 77 326 Beschluß im Geheimen Rat am 2.3.1563, zitiert VD 3, S. 223 Anm. 2 und NB II 3, S. 237 327 Sickel, Konzil, S. 446ff: Instruktion v. 3.3.1563 328 Durch die von Delfino erbetenen, von Ferdinand genehmigten Korrekturen am Text (vgl. NB II 3, S. 256f) ist diese Tendenz nicht entscheidend verändert worden. 329 Sickel, Konzil, S. 468ff: F. an Pius IV., 23.3.1563 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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