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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums468
und dann der Kommission zur BerĂĽcksichtigung zugeleitet362. Die inhaltliche
Gliederung der schriftlichen Erwiderung des Kaisers wurde von Seld festge-
legt363. Zu beachten ist, daĂź Kaiser und Kanzler neben den Voten der Kommis-
sion von mindestens drei weiteren Seiten Anregungen aufgreifen konnten: (1)
Aus der Instruktion König Philipps, welche die Basis für die Verhandlungen
des spanischen Sondergesandten in Rom Ende März gewesen war; sie stand
zwar in einigen Punkten in diametralem Gegensatz zur Auffassung des Kaiser-
hofes, in anderen aber – Propositionsrecht, Diskussionsfreiheit der Konzilsväter
– konvergierte sie mit der kaiserlichen Haltung und konnte als Ermutigung
gewertet werden364. (2) Aus dem am 29. April eingetroffenen Gutachten Gien-
gers, der den Kaiser offenbar bestärken wollte, seine bisher verfolgte Kon-
zilspolitik beizubehalten; auf die aktuellen Fragen ging der Rat indessen kaum
ein, verwarf allerdings die Translation nach Bologna und empfahl, eventuell den
im Februar unterbreiteten Vorschlag des Kardinals von Lothringen zu befolgen,
bei Versagen des Konzils in der Reformfrage ein besonderes Treffen der drei
katholischen Herrscher mit ihren Bischöfen und frommen gelehrten Laien
zwecks Beratung von Reformen zu veranstalten und die Ergebnisse dem Papst
zur Bestätigung vorzulegen365. Und (3) aus zwei Papieren des Kardinals Guise,
nämlich der schon erwähnten Denkschrift zur Titulatur des Papstes sowie ei-
nem Brief, der den Gedanken befĂĽrwortete, das Konzil in eine deutsche Stadt
zu verlegen366. Fast gleichzeitig war Bochetel von Katharina von Medici, die
nach dem Abkommen von Amboise mit den Hugenotten diese Idee wieder in
die Debatte bringen wollte, beauftragt worden, deswegen vorsichtig bei Ferdi-
nand zu sondieren367.
Da Morone erkrankte, konnte er nicht auf Beschleunigung der Antwort
drängen, versuchte aber, im Zusammenspiel mit Delfino, Mitglieder der Kom-
mission sowohl durch Argumente als auch auf weniger lautere Weise zu beein-
flussen, die kuriale Position zu vertreten368. Seine eigenen Anmerkungen zu fast
allen Fragen Ferdinands, die Morone am 2. Mai nach Rom sandte, wird er den
ihn besuchenden Mitgliedern der Kommission – Braun und Canisius – nicht
vorenthalten haben369. Canisius unternahm sogar, als er in der Kommission
nicht durchdrang, eine Intervention beim Kaiser, um ihn zu ĂĽberzeugen, daĂź
362 Die Darstellung der Genesis bei Sickel, Konzil, S. 495 ist durch Constant, Légation, S. 82 Anm.,
korrigiert und ĂĽberholt.
363 Erhalten ist ein Zettel, auf dem Seld verschiedene Möglichkeiten der Reihenfolge durchgespielt
hat (HHStA Wien, RK RelA 10, Konv. Mai, fol 81).
364 Unvollständiger Druck (es fehlen 3 Punkte) bei Constant, Légation, S. 45 Anm. 4; Seld analy-
sierte sie am 26.4.1563 im Geheimen Rat (HHStA Wien, RHRP 20b).
365 HHStA Wien, RK RelA 10 Konv. April, fol 131r-139r: Gutachten v. 22.4.1563 (AuszĂĽge bei
Sickel, Konzil, S. 492f)
366 Der Brief ist abgängig, der Inhalt ergibt sich aus dem Protokoll des Geheimen Rates zum
7.5.1563, zitiert in NB II 3, S. 302 Anm.; zur Denkschrift s. oben S. 463.
367 Ferrière 2, S. 18ff: Katharina an Bochetel, 20.4.1563
368 NB II 3, S. 280 (Aus Morones Bericht v. 2.5.1563). Es spricht nicht für die Qualität der kurialen
Argumente, wenn man Bestechungen der reformfreudigen Berater Ferdinands Staphylus und
Draskovich fĂĽr angezeigt hielt (Ebda, S. 277 u. S. 263f).
369 Druck bei Constant, Légation, S. 70–74
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂĽnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien