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Die Verhandlung mit Morone 469
die Vorschläge seiner Kollegen der Sache der Kirche eher schädlich als nützlich
wären. Ferdinand hörte den Pater geduldig an, beschied ihn aber ausweichend:
Er wolle fĂĽr Papst und Konzil das Beste, werde alles ĂĽberdenken und fĂĽr Ab-
milderungen in der Antwort Sorge tragen370. Canisius war sich darĂĽber im kla-
ren, kein sachliches Zugeständnis erhalten zu haben, glaubte aber, den modera-
ten Ton der kaiserlichen Antwort auf seine Intervention zurĂĽckfĂĽhren zu dĂĽr-
fen371.
Am 7. Mai überbrachte Kaiser Ferdinand persönlich dem immer noch bettlä-
gerigen Legaten das Antwortschreiben372. Wenn darin einleitend groĂźe Dank-
barkeit des Kaisers fĂĽr die gute Aufnahme seiner Briefe durch den Papst be-
kundet wurde – eine Protokollnotiz belegt die Sorgfalt, die auf den Anfang
verwendet wurde373 –, so war das eine höfliche Umrahmung, denn von seiner
frĂĽheren Kritik nahm Ferdinand im Grunde nichts zurĂĽck374. Dies zeigte sich
besonders in den AusfĂĽhrungen ĂĽber die notwendige Reform der Kirche. Die
Mehrheit in der Kommission bestärkte den Kaiser darin, daß nicht nur die
Glieder, sondern auch das Haupt noch vor der Auflösung des Konzils durch
Zusammenwirken von Papst und Konzil reformiert werden mĂĽsse375. Dement-
sprechend bestand die kaiserliche Antwort auf dieser zentralen Forderung376,
und es folgte eine hart formulierte Aufzählung von Mißbräuchen bei der
Handhabung der geistlichen Jurisdiktion und der päpstlichen Dispenspraxis377.
Der gute Wille des Papstes zur Kurialreform wurde nicht bestritten – die im
Papier der Kommission breit ausgeführte Kritik an den Kardinälen und alle
Zweifel an der Reformwilligkeit der sonstigen Kurienmitglieder waren wegge-
lassen. Auch wurde eingeräumt, der Papst brauche hierbei das Konzil nicht zu
konsultieren. Aber ausgehend von der These der Kommission, seit frĂĽhchristli-
cher Zeit sei die Reform der Universalkirche eine gemeinsame Aufgabe fĂĽr
Papst und Konzil gewesen, denn zu diesem Zweck seien die Konzilien ja einbe-
rufen worden, wurde der Appell wiederholt, die Väter in Trient über alle erfor-
derlichen Reformen beraten zu lassen. Auf Verlangen Ferdinands wurde der
Hinweis eingefügt, wenn die „reformatio universalis“ durch das Konzil gesche-
he, werde sie bei allen Mächten, die durch Gesandte oder ihre Prälaten dort
vertreten seien, ein höheres Gewicht haben und leichter umzusetzen sein378; das
war eine Variante jener Warnung, die Kardinal Guise im Februar in Innsbruck
370 Braunsberger 4, S. 174ff: Canisius an Lainez, 8.5.1563. Er hielt es für nötig, Morone zu bitten,
man möge es die Societas Jesu nicht entgelten lassen, wenn in dem Schriftstück etwas mißfalle.
371 Ebda, S. 182f: Zweiter Brief an Lainez v. 8.5.1563
372 Constant, Légation, S. 81ff, hat nicht die am 7. Mai übergebene Fassung zugrunde gelegt, son-
dern den Morones Änderungswünsche berücksichtigenden Wortlaut vom 12. Mai. Auf die
„Urfassung“ verweist er S. 91f, Anm. 9–11.
373 HHStA Wien, RHRP 20b: Eintrag zum 1.5.1563
374 Wir stellen die kontroversen Punkte voran, weil sie die Auseinandersetzung beherrscht haben.
375 Inhaltsangabe bei Bucholtz 8, S. 545ff (als Anm.); Kassowitz, S. 201ff
376 Zum Folgenden Constant, Légation, S. 90ff
377 AuszĂĽge Selds in Stichworten wurden zur Grundlage (ebda, S. 90 Anm. 8).
378 Der Passus (Constant, Légation, S. 93) wurde am 29.4.1563 beschlossen (HHStA Wien, RHRP
20b).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂĽnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien