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Die Verhandlung mit Morone 475
dem Kardinal Guise und dem Grafen Luna zur Kenntnis gebracht wurde406. Im
Blick auf diese kritischen Leser war zu betonen, der Legat habe zunächst Be-
denken des Kaisers ausgeräumt, danach sei in der Mehrzahl der Punkte Über-
einstimmung erzielt worden, beispielsweise über die Gewährleistung der Un-
abhängigkeit der Konzilsväter von fremden Weisungen und ihre Rede- und
Stimmfreiheit, die Beschneidung der Diskussionen über von den Protestanten
nicht angefochtene Glaubenssätze, eine pragmatisch begründete Verpflichtung
der Bischöfe zur Residenz, den Verzicht auf das Treffen von Kaiser und Papst
in Bologna. Was zu den kontroversen Themen festgehalten wurde, kongruierte
mit den im Brief an Morone eingenommenen Positionen, nur war die Befriedi-
gung des Kaisers über des Papstes Eifer auf alle päpstlichen Reformdekrete
ausgedehnt; Morone wurde durch die Erwähnung eines von ihm gegebenen
Versprechens, die Reform mit entsprechenden Vorlagen beim Konzil fördern
zu wollen, mit in die Pflicht genommen.
Die sowohl von König Maximilian als auch von Kardinal Guise geübte Kri-
tik, zu „weich“ verhandelt und dem Legaten zu viel nachgegeben zu haben,
mochte Ferdinand nicht akzeptieren. Dem Kardinal, der eine offizielle Inter-
pretation des Dekrets der ersten Session zum Propositionsrecht im Sinne einer
Erweiterung für erforderlich hielt, ließ der Kaiser wahrheitsgemäß erwidern, er
habe sich erst nach langen Diskussionen auf jenen schriftlich festgehaltenen
Kompromiß eingelassen, den er nicht so verstehe, daß er entsprechende Bemü-
hungen der anderen weltlichen Mächte nicht mehr unterstützen dürfe407. Ma-
ximilian meinte nach Kenntnisnahme der ihm zugesandten Akten sogar, vom
Konzil sei die Lösung der brennenden Probleme nun nicht mehr zu erwar-
ten408. Offenbar traute er Morone nicht. Ferdinand erklärte dem Sohn, er habe
alle wichtigen Punkte nachdrücklich und unmißverständlich vorgebracht, nichts
zugestanden, was Rechten der Konzilsväter, den anderen Fürsten oder der Kir-
che präjudiziere, und klargestellt, daß es einer Reform an Haupt und Gliedern
bedürfe, auch wenn jene Worte durch eine andere, in der Substanz gleichwerti-
ge, Wendung ersetzt worden sei409. Er fügte hinzu, auf diese Weise habe er
vermeiden können, den ihrem Hause wohlgesinnten Papst zu verletzen und
ihm Anlaß zu geben, bei der Approbation Maximilians als Römischer König
weiter Schwierigkeiten zu machen. Damit erinnerte Ferdinand den Sohn daran,
daß in der Politik manchmal auch persönliche Empfindlichkeiten Gewicht ha-
ben und berücksichtigt werden müssen. Er hatte übrigens mit seiner Interpre-
tation des von Delfino überreichten Morone-Schreibens, der Legat sei nicht
gänzlich zufrieden abgereist, keineswegs unrecht410. Denn Morone verwendete
in seinem abschließenden Bericht viel Mühe darauf darzutun, warum die von
406 Die Weisung v. 15.5.1563, beide Herren zu informieren, bei Sickel, Konzil, S. 504f; die Voll-
zugsmeldung ebda, S. 509.
407 Sickel, Konzil, S. 514ff: F. an Konzilsoratoren, 28.5.1563
408 HHStA Wien, Rom, Varia 3, Konv. 1563, fol 44r-46r und fol 47r/v + 49r/v: Maximilian an F.,
24.5.1563 (gedruckt bei Bucholtz 9, S. 689ff); vgl. Holtzmann, S. 460f
409 Sickel, Konzil, S. 517ff: F. an Maximilian, 2.6.1563
410 „...non omnino contentus et bene satisfactus hinc videatur discesisse, quod scripta eius postrema
non obscure ostendunt.“ (Ebda, S. 518)
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien