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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 481 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Die Reformerwartungen zerrinnen 481 der Papst nicht persönlich dem Konzil beiwohnen wolle oder könne, solle er den Legaten uneingeschränkte Vollmachten geben. Schließlich gehe es nicht nur darum, daß der Papst seine Autorität schütze442. Delfino, der keine Entgegnung gewagt hatte, reduzierte diesen Ausbruch, in dem viel persönliche Frustration Ferdinands zum Vorschein kam, zu einer kurzen Mitteilung, der Kaiser habe davor gewarnt, die Superioritätsfrage anzuschneiden, wenn man nicht mit der Zustimmung aller Väter rechnen könne, und allgemein empfohlen, unnötige Themen zu vermeiden443. Man mag das im Geheimen Rat geahnt haben, denn es wurde beschlossen, sowohl die Oratoren in Trient als auch Arco in Rom einge- hend über die Äußerungen des Kaisers zu informieren444. Hoffnung und Enttäuschung Ferdinands mochten sich etwa die Waage hal- ten, als er am 25. Juni Innsbruck verließ. Er war auch darum so lange dort ge- blieben, weil von mehreren Seiten die Warnung gekommen war, seine Abreise könne leicht zum Anlaß für einen Abbruch des Konzils genommen werden445. Diese Gefahr schien, da Morone eine größere Reformvorlage vorbereiten ließ, gebannt zu sein. Zudem zeigte Luna guten Willen, sich mit dem Kaiser abzu- stimmen, bemühte er sich doch wenige Tage vor dessen Abreise von Trient nach Innsbruck zu Gesprächen über seine neueste Instruktion446. Da er Ferdi- nands Ansichten gut kannte, in vielen Punkten sogar teilte, mochten die Vor- aussetzungen für eine bessere Kooperation zwischen den habsburgischen Mächten nun günstiger erscheinen. Um so mehr mußten Ferdinand die Hiobs- botschaften erschrecken, die kurz nach seiner Ankunft in Wien aus Trient ein- liefen447. Zum einen die Enthüllung des Kardinals Guise, der Papst plane den Abbruch des Konzils448, zum anderen jener Zwischenfall am 29. Juni in der Kirche, der die Franzosen zu schärfster Kritik am Papst provoziert hatte, weil Pius IV. die „Bevorzugung“ des spanischen Gesandten angeordnet hatte; Ferdi- nand war auch irritiert, weil sich die Affaire unmittelbar nach Lunas Rückkehr von seinem Besuch am Kaiserhof ereignet hatte, so daß sogar das Gerücht auf- kam, der Graf habe mit seiner Billigung gehandelt. Seine Oratoren erhielten den Auftrag, alles für eine Lösung aufzubieten, die eine Wiederholung ausschlösse, selbst wenn die Gesandten sämtlicher Mächte auf den Besuch der zum Zeremo- niell gehörenden Gottesdienste verzichten müßten449. Das Konzil sollte unbe- dingt handlungsfähig bleiben! Als flankierende Maßnahme wurde König Phil- 442 Sickel, Konzil, S. 553f: F. an Oratoren, 23.6.1563 443 NB II 3, S. 352ff: Delfino an Borromeo, 20.6.1563, hier S. 353f; Ferdinands neues Argument gab er kurz wieder. 444 HHStA Wien, RHRP 20b: Eintrag zum 21.6.1563 445 Fraknoi 4, S. 498f: F. an Maximilian, 25.5.1563 446 CDI 26, S. 451: Luna an Quadra, Innsbruck, 26.6.1563 447 Zum folgenden die drei Berichte der Oratoren v. 30.6.1563 bei Constant, Légation, S. 472ff und Sickel, Konzil, S. 554ff 448 „De instituto Pontificis abrumpendi concilium“ (HHStA Wien, RHRP 20b: Vermerk zum 5.7.1563). Zum Hintergrund der Enthüllung Jedin, Wendepunkt, S. 82ff 449 Das war eine von mehreren Alternativen, die ihnen anheimgestellt wurden (HHStA Wien, RK RelA 11 Konv. Juli: F. an Konzilsoratoren, 7.7.1563, Konz.; Auszüge bei Constant, Légation, S. 477 Anm. 1). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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