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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 484 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des Tridentinums484 de459. Morone mutete Ferdinand also zu, einen weiteren ihm wesentlichen Teil seiner Erwartungen an das Konzil abzuschreiben, unterbreitete allerdings das Angebot einer Ersatzlösung, um Ferdinand die Zustimmung zu erleichtern. Keinesfalls könne die Synode noch lange fortgeführt werden, denn die finan- zielle Belastung werde für den Papst untragbar460, und außerdem begünstige die lange Abwesenheit der Bischöfe von ihren Diözesen die Ausbreitung der Häre- sie in die noch unberührten Teile Frankreichs und des Nordens sowie nach Italien. Die Bestürzung in Wien war groß. Trotz der ja nie verstummten Gerüchte, daß der Papst nichts sehnlicher wünsche als das schnelle Ende des Konzils, war Morones Ansinnen zu diesem Zeitpunkt ein unerwarteter Stoß. Dabei ist zu beachten, daß man unmittelbar vor der Eröffnung einer Konferenz mit Vertre- tern der führenden katholischen Reichsstände stand, die erörtern sollte, auf welche Partikularreformen und Konzessionen man für das Reich in Trient drängen oder ob einige – so die Kommunion sub utraque – besser später direkt vom Papst zu erbitten wären461. Wenn das Konzil schon mit der nächsten Ses- sion abgeschlossen werden sollte, entfiel die erste Alternative. Die Verblüffung wurde noch vermehrt durch das, was Dudith dem Kaiser vom Kardinal Guise auszurichten hatte und in einer wenige Tage später von Bochetel überreichten Denkschrift des Lothringers näher erläutert wurde462: Weil der Papst das Kon- zil so schnell wie möglich auflösen wolle, werde er jeden sich bietenden Anlaß dazu nutzen, sofern die Verantwortung anderen zugeschoben werden könne – wie beim letzten Zwischenfall beinahe den Franzosen. Die Schließung empfehle sich aber auch, weil dem Konzil die nötige Reform der Kurie doch nicht über- tragen und die Bewilligung von Konzessionen wie Laienkelch und Priesterehe von den spanischen und italienischen Bischöfen verhindert würde. Zum Aus- gleich habe Pius IV. ihm – Guise – die Würde eines ständigen Legaten in Frank- reich mit gewissen Reformvollmachten angeboten463. War – so mußte man sich fragen – der führende Kopf der französischen Prälaten bereits auf den Kurs der Kurie eingeschwenkt464? Die Einschätzung Ferdinands und seiner Berater be- schrieb Seld in einem Brief an Herzog Albrecht sicher zutreffend: „Sovil wir diser zeit von dem Concilio haben, so halt ich entlich darfür, es werdt genntz- lich zerstieben, dann es haben weder die Italianer noch Franzosen, fürnemlich aber der Babst selbst khainen lust meer darzue, allein die Spanier halten darwi- der und wellen kurtz, das man dasselb auffziehe, so lang alß immer müglich. 459 Sickel, Konzil, S. 564: „Summarium“ über den Vortrag des Bischofs von Czanad am 24.7.1563 (zur Datierung Constant, Légation, S. 196 Anm. 4). Morone hatte den Emissär nur mündlich in- struiert. Sein ergänzendes Schreiben v. 20.7.1563 teilweise bei Raynaldus 34, S. 414, das Fehlende bei Sickel, ebda, S. 563. Ich fasse die Argumentation zusammen. 460 Schon im April hatte Arco gemeldet, in Rom werde über die finanziellen Aufwendungen für das Konzil geklagt, die man sonst für eine Expedition gegen die Türken gebrauchen könne (Con- stant, Légation, S. LIV Anm.). 461 Näheres dazu unten S. 505ff 462 Sickel, Konzil, S. 565f, dessen Zweifel am Autor durch Steinherz in NB II 3, S. 385 Anm. 3 ausgeräumt wurden. 463 Guise fragte, ob der Kaiser ihm zur Annahme raten würde. 464 Dazu Jedin, Wendepunkt, S. 92ff; ders., Konzil 4/2, S. 69 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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