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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums486
Der Kaiser habe kein Verständnis dafür, daß der Papst und andere auf allen
möglichen Pfaden danach strebten, die Synode schnellstens zu beenden, und er
bedauere, wie sehr sich menschliche und private Interessen mit den göttlichen
Angelegenheiten vermischten und die Entscheidungen beeinflußten470.
Nach dem Zeugnis eines Beobachters in Trient hat Ferdinands Brief den Le-
gaten zu denken gegeben471. Gleichwohl kann Morone schwerlich überrascht
gewesen sein. Es stellt sich die Frage, ob er Ferdinand provozieren wollte, die
Maxime: „weitreichende Reformen jetzt und durch das Konzil“ noch einmal
ganz hart zu formulieren, quasi als unwiderlegliche Bestätigung für das, wovon
der Konzilspräsident die Kurie zu überzeugen versuchte, damit man in Rom
begriffe, daß ein kurzfristiges Ende unmöglich sei: „Sooft wir ihnen [den Ge-
sandten der weltlichen Mächte] auch versichert haben, daß der Papst zu einer
guten und mutigen Reform im rechten Augenblick nicht nur geneigt, sondern
auch fest entschlossen ist, haben sie uns keinen Glauben geschenkt; sie wollen
ein Pfand in Händen haben und die Reformkapitel sehen“472. Wenn dem so
gewesen ist, haben Ferdinand und seine Berater diese Funktion der Aktion
Morones nicht durchschaut.
Am 25. Juli erhielten die Oratoren der weltlichen Fürsten endlich Gelegen-
heit, die von den Legaten vorbereitete Reformvorlage zu studieren473, deren
Inhalt bis dahin vor ihnen geheim gehalten worden war. Die Autoren hatten die
Reformdenkschriften der Nationen, darunter das Libell des Kaisers, als Materi-
al zu Rate gezogen und letzteres war, wie aus einer etwas später angefertigten
Konkordanz hervorgeht, bei neun Artikeln berücksichtigt worden474. Dennoch
fanden Ferdinands Vertreter es befremdlich, daß die Legaten für die Erarbei-
tung nur einige Kanonisten, nicht aber Vertreter der Nationen herangezogen
hatten. Brus und seine Kollegen stellten bei der Durchsicht der – wie sie klagten
– wegen geringer Systematik unübersichtlichen Vorlage475 etliche Lücken fest.
Ohne Rückfrage in Wien übergaben sie zum einen einen Katalog mit fünfzehn
Änderungsvorschlägen zu einzelnen Kapiteln476, zum anderen eine Liste von
acht Gesichtspunkten, die zusätzlich berücksichtigt werden müßten477, darun-
ter die Reform des Konklaves, aber auch die der Universitäten und Gymnasien.
Außerdem behielten sie sich vor, von der gerade in Wien stattfindenden Konfe-
470 Le Laboureur 2, S. 335f: F. an Kardinal Guise, 30.7.1563; der größte Teil auch (nach dem Kon-
zept im HHStA Wien, RK RelA 11) bei Sickel, Konzil, S. 570f. Vgl. auch Bochetels Bericht über
seine Audienz beim Kaiser (Le Laboureur 2, S. 442).
471 Zitiert bei Constant, Légation, S. 197 Anm. 4
472 Legaten an Borromeo, 31.7.1563 (Šusta 4, S. 149ff, zitiert in der Übertragung von Jedin, Konzil
4/2, S. 88)
473 Sickel, Konzil, S. 573f: Oratoren an F., 27.7.1563; vgl. Jedin, Konzil 4/2, S. 124.
474 Jedin, Wendepunkt, S. 92 u. S. 295f; Steinruck, S. 239
475 Zwei Exemplare der „42 capita generalis reformationis“ in HHStA Wien, RK RelA 11 Konv.
Juli, fol 51r-68r sowie fol 83r-103v, in letzterem die Buchstaben, die in den „Annotationes“ wie-
derkehren. Inhaltsübersicht bei Kassowitz, S. 234f
476 HHStA Wien, RK RelA 11 Konv. Juli, fol 73r-74v: Annotatio oratorum S.C. Mtis. circa quos-
dam articulos reformationis generalis ...“; einige Proben bei Sickel, Konzil, S. 574, andere bei
Kassowitz, S. XLVf.
477 HHStA Wien, ebda, fol 76r-77r (2. Exemplar fol 78r/v); Druck bei Sickel, Konzil, S. 575
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien