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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 493 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Die Reformerwartungen zerrinnen 493 zise formuliert seien und in Deutschland ein Chaos die Folge sein würde514, denn der Haß der Weltlichen auf die Geistlichen werde dann offen ausbrechen; diesen Sturm wollten die Legaten als einsichtige Leute ja wohl nicht auslösen. Versöhnlich fügte der Kaiser hinzu, er begrüße es sehr, daß in der jüngsten Fassung die „Blitze“ beseitigt worden seien – er meinte die Androhung der automatischen Exkommunikation bei Nichtbefolgung, die durch eine „Ermah- nung“ der Fürsten ersetzt worden war515. Aber daß ihm diese Milderung allein nicht genügte, um seine Ablehnung zu widerrufen, war eindeutig516. Ehe Ferdinands Instruktion und der Brief an Morone in Trient eintreffen konnten, hatte sich das Legatenkollegium auf die zweigeteilte Beratung der Reformvorlage und die Verschiebung der nächsten Session bis in den Novem- ber geeinigt, und so waren zunächst nur 21 Kapitel des Entwurfs offiziell ein- gebracht worden517. Da jedoch den Konzilsteilnehmern der Gesamtentwurf längst bekannt war, erfuhr diese Maßnahme viel Kritik: Der Kaiser wurde an- gegriffen, weil er angeblich die Freiheit des Konzils beschneiden und die Re- form verhindern wolle; den Legaten wurde vorgeworfen, auf diese Weise den Artikel über die Fürstenreform, der nach Ansicht mehrerer Bischöfe eigentlich an die zweite Stelle der Vorlage gehörte, unterdrücken zu wollen. Darum gaben die Legaten in einer stürmischen Sitzung am 11. September das Versprechen ab, innerhalb der nächsten drei Tage den zweiten Teil einschließlich jenes Kapitels ebenfalls zu proponieren518, und nutzten die Sachlage aus, als Ferdinands Ver- treter am 15. September bei ihnen vorstellig wurden, um die Verschiebung der Beratung über die Fürstenreform zu verlangen. Sie stellten ihnen anheim, den Wunsch des Kaisers dem Konzilsplenum selbst vorzutragen, weigerten sich indes, das als Präsidium zu tun oder auch nur einen Termin anzubieten, bis zu dem sie mit dem Beratungsbeginn warten würden, mit der Begründung, die Freiheit des Konzils werde dadurch eingeschränkt. Mit Recht hielten die Ge- sandten es für zu geringen Trost, es sei bis zu der in den November verlegten Session noch Zeit genug für Änderungswünsche, und verwiesen auf ihre Voll- macht zum Protest. Das erregte den Zorn der Legaten, die damit drohten, das Konzilsplenum von dieser Pression zu informieren. Die Oratoren waren so beeindruckt, daß sie dem Kaiser zu bedenken gaben, das Konzil könne kein gutes Ende nehmen, wenn die Väter nicht frei über jenes Kapitel entscheiden 514 Das Argument scheint in Morones Umgebung Eindruck gemacht zu haben, wie eine Notiz seines Mitarbeiters Paleotti nahelegt (CT 3, S. 706f: Eintrag zum 28.8.1563). 515 Diese dritte Fassung bei Le Plat 6, S. 227ff (Großdruck) sowie in CT 9, S. 771ff und bei Prosdo- cimi, S. 30ff, in Synopse zur ersten; zu den Änderungen Alberigo, s. 172f 516 Jedins Charakterisierung des Briefes als „beschwichtigend“ (Konzil 4/2, S. 282 Anm. 6) trifft den Tenor nicht. 517 Jedin, Konzil 4/2, S. 128 518 Šusta 4, S. 237f: Legaten an Borromeo, 11.9.1563; Sickel, Konzil, S. 599ff: Oratoren an F., 14.9.1563; vgl. Lecler, S. 507 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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