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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums500
der umgestimmt werden560. Sie waren unbegründet, Ferdinands Entscheidung
war endgültig. Alles Werben des spanischen Gesandten, dessen Agieren durch-
aus die Billigung seines Königs fand, war erfolglos, Ferdinand ließ sich von
seiner schon früher eingenommenen Haltung nicht abbringen, die Opposition
Lunas gegen den Kurs der Konzilsleitung nicht zu unterstützen. Vielmehr
warnte er den Diplomaten davor, zum Protest zu schreiten, weil durch dieses
Rechtsmittel erfahrungsgemäß selten etwas bewirkt werde, außerdem sei das
Risiko groß, dadurch ein abruptes Ende des Konzils zu provozieren, was den
Gegnern der katholischen Religion den wohlfeilen Triumph verschaffen würde,
auf Zwietracht zwischen Kaiser, Papst und den anderen katholischen Herr-
schern zu verweisen561. Die Oratoren in Trient wurden ermächtigt, den Legaten
die Grundzüge der Antwort an Luna mitzuteilen562, und Delfino sorgte dafür,
daß die Haltung des Kaisers anderen an dessen Hof weilenden Diplomaten
bekannt wurde563. Als bald danach ein Schreiben Philipps II. eintraf, der – für
den Entscheidungsprozeß am Kaiserhof wieder einmal zu spät – für die Politik
seines Botschafters Unterstützung beanspruchte564, rechtfertigte Ferdinand
seine Haltung, keine Verzögerung des Konzils mehr zuzulassen, mit einer her-
ben Gesamtkritik, in der viele Aspekte aus jenem anonymen Memorandum und
das Fazit wiederkehren, es wäre besser gewesen, wenn die Synode nie begonnen
hätte, denn so, wie die Dinge dort behandelt würden, seien auch bei jahrelanger
Fortdauer keine Früchte, geschweige denn die Restauration der katholischen
Religion zu erhoffen565.
Auf die ordnungsgemäße Abwicklung legte Ferdinand durchaus noch Wert;
als Luna sich über Unregelmäßigkeiten bei den Abstimmungen über die Re-
formvorlage beschwerte, beauftragte der Kaiser umgehend seine Vertreter, bei
den Legaten auf Abhilfe zu dringen566. Aber inhaltliche Einflußnahme auf die
Arbeit der Synode ist nach der durchgesetzten Entschärfung der „Fürstenre-
form“ nicht mehr zu registrieren, wenn man von der Befriedigung absieht, die
Ferdinand über die promulgierte moderate Fassung des Kapitels äußerte567. Zu
der in Trient noch einmal aufflammenden Diskussion über die Reform der
Kardinäle nahm er nicht mehr Stellung. Obwohl er den Widerstand der spani-
schen Bischöfe gegen eine konkurrierende päpstliche Jurisdiktion – neben der
560 So in seiner Situationsanalyse v. 10.10. (wie Anm. 143); Delfinos Mahnungen zur Eile NB II 3, S.
458ff
561 F. an Luna, 12.10.1563 (CDI 98, S. 445ff, lateinische Fassung ebda, S. 453ff, der letzte Teil auch
bei Sickel, Konzil, S. 631f). Die wesentlichen Argumente hatte Seld zusammengestellt (HHStA
Wien, RK RelA 12 Konv. Okt., fol 78r-79v).
562 Constant, Légation, S. 341 Anm. 5: F. an Oratoren, 12.10.1563
563 VD 3, S. 238ff: Micheli an Dogen, 12.10.1563
564 HHStA Wien, RK RelA 12 Konv. Sept., fol 56r/v (v. 21.9.1563) und fol 69r-70v (v. 22.9.) (ge-
druckt CDI 98, S. 496f u. S. 497ff, kurze Angaben bei Sickel, Konzil, S. 603).
565 HHStA Wien, ebda Konv. Nov., fol 130r-131v: F. an Philipp, lat. Konz., undatiert (Auszüge bei
Sickel, Konzil, S. 633f); span. Fassung (Datum 9.11.1563) in CDI 101, S. 3ff; vgl. Bucholtz 8, S.
623f
566 HHStA Wien, ebda, fol 15r/v: F. an Luna, 6.11.1563; vgl. Constant, Légation S. LII Anm. 4;
Sickel, Konzil, S. 637
567 HHStA Wien, ebda, fol 129r: F. an Oratoren, 30.11.1563
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien