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Bemühungen um Konzessionen neben und nach dem Konzil 505
Problemen aufgeführt, aber die beiden Oratoren geistlichen Standes, Brus und
Draskovich, rieten zur Streichung598.
Ende Juli 1563 traten in Wien Vertreter der drei geistlichen Kurfürsten sowie
Salzburgs und Bayerns mit Räten des Kaisers zusammen599. Die der Konferenz
von Ferdinand ursprünglich zugedachte Funktion war die Vorbereitung einer
gemeinsamen Aktion zur Erlangung der von ihm als unbedingt nötig erachteten
Konzessionen. In der Proposition600 erklärte der Kaiser, aufgrund mehrerer
Gutachten sei für ihn die Frage entschieden, ob der Laienkelch „rathsam und zu
erhaltung der christlichen religion furtreglich oder nit“ sei, doch müsse man
sorgfältig überlegen, ob der Antrag beim Papst oder (nochmals) beim Konzil zu
stellen sei, ob grundsätzlich für alle Katholiken – das hatte er im Frühjahr noch
von sich gewiesen – oder nur für bestimmte Regionen, endlich, welches diplo-
matische Verfahren angebracht sei. Zum zweiten Beratungspunkt, ob eine Lok-
kerung des Priesterzölibats beantragt werden solle, äußerte er zwar keine dezi-
dierte Meinung, ließ aber durchblicken, daß ihm diese Konzession zur Behe-
bung des eklatanten Priestermangels geboten erschien. Als weiteren Punkt
stellte der Kaiser zur Erörterung, wie man wenigstens im katholischen Teil
Deutschlands und in den Erblanden eine allgemeine Reform des Klerus einlei-
ten und durchführen könne, und zwar mit der Begründung, das Konzil habe
viele wichtige Reformfragen bislang nicht behandelt und es sei nicht mehr si-
cher, ob das noch geschehen werde. Man könnte in der Aufnahme dieses
Punktes ein Anzeichen von Resignation im Blick auf das Konzil und einen
ersten Ansatz erkennen, die dringlichsten Reformen dann eben gemeinsam mit
den Bischöfen in eigene Regie zu nehmen. Dem Punkt wuchs unvorhergesehe-
ne Aktualität zu, als Ferdinand nach Festlegung der Grundzüge der Propositi-
on601, kurz vor der Eröffnung der Konferenz, durch den Bischof von Czanad
offiziell von der Absicht Morones unterrichtet wurde, das Konzil in absehbarer
Zeit zu beenden und den Vätern darum nur noch ganz allgemeine Reformen
zur Beratung vorzulegen, während alle Wünsche für einzelne Länder, bei-
spielsweise der Laienkelch, dem Papst zur Genehmigung überlassen werden
sollten602. Schließlich nutzte Ferdinand die Proposition zu einem Appell an die
Metropoliten, das Konzil doch noch zu beschicken, damit dort die Zustände in
Deutschland mit größerer Kompetenz dargelegt werden könnten, zumal man
nach seinen Informationen in Trient geneigt sei, Vertretern der Bischöfe doch
das Votum decisivum einzuräumen603. Noch war Ferdinands Ringen mit der
Konzilsleitung um Reformen, die die religiöse Situation im Reich verbessern
sollten, ja nicht abgeschlossen, und es war mißlich, wenn die kaiserlichen Ora-
598 Sickel, Konzil, S. 520ff, hier S. 522, und S. 530
599 Zur Wiener Konferenz Constant, Concession 1, S. 422ff
600 Druck bei Saftien, S. 73ff; vgl. Bucholtz 8, S. 663
601 Sie erfolgte am 19.7.1563 (HHStA Wien, RHRP 20b).
602 Sickel, Konzil, S. 564: Summarium der vom Bischof von Czanad unterbreiteten Vorschläge
Morones, 24/26.7.1563 (s. oben S. 483f mit Anm. 459); NB II 3, S. 380f; Constant, Concession 1,
S. 466f
603 Dieser Punkt der Proposition auch NB II 3, S. 376 Anm. 1; zur Frage des Votum decisivum vgl.
Jedin, Konzil 4/2, S. 85; Ganzer, Vertretung, S. 62ff, bes. S. 69
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien