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Kapitel 7: Kaiser Ferdinand und die dritte Tagungsperiode des
Tridentinums506
toren weiterhin allein die Dringlichkeit von Reformen und Konzessionen fĂĽr
Deutschland zu verfechten hatten604.
Ferdinand bekundete sein persönliches Interesse an der Konferenz, indem er
während der Eröffnungszeremonie zweimal selbst das Wort nahm, obwohl er –
so jedenfalls der Eindruck des bayerischen Rates Erasmus Fendt – körperlich
sehr hinfällig wirkte605. Er forderte dazu auf, sachorientiert und unter Verzicht
auf die üblichen Modalitäten zu verhandeln606. Welche Ergebnisse er sich
wĂĽnschte, zeigte sich auch in der Auswahl der Mitarbeiter, die in seinem Na-
men an den Gesprächen teilnehmen sollten; es waren neben Seld, Gienger und
Weber, der hier erstmals an einer wichtigen religionspolitischen Beratung teil-
nahm, der Bischof Urban von Gurk, Sitthard und Franz von Cordoba, sämtlich
BefĂĽrworter der Konzessionen607. Den Besuchern fielen ĂĽberdies Bestrebungen
auf, den Jesuiten den Zugang zu den Kanzeln in Wien zu verwehren und damit
die Möglichkeit zu beschneiden, durch Predigten gegen den Laienkelch die
Verhandlungen zu erschweren608.
Ferdinands WĂĽnschen entsprechend wurde nicht nach dem Usus der
Reichstagungen, also Stände versus Kaiser, verfahren, sondern sofort gemein-
sam mit den kaiserlichen Räten diskutiert, wobei deren Vornehmster, der Bi-
schof von Gurk, präsidierte609. Doch fanden die Vorstellungen des Kaisers bei
den Erzbischöfen, insbesondere bei Mainz und Salzburg, wenig Gegenliebe, nur
Trier zeigte sich für seine Vorschläge aufgeschlossen. Zwar wurde man sich
schnell einig, den Laienkelch nicht wieder beim Konzil zu beantragen, aber es
bedurfte eines Geschäftsordnungstricks – das Votum Salzburgs wurde nicht
gewertet, weil der Erzbischof seinen Vertretern keine Vollmacht zur BeschluĂź-
fassung erteilt hatte –, um als Ergebnis einen Mehrheitsbeschluß zugunsten
einer Gesandtschaft an den Papst zu konstatieren610. Sie sollte Gewährung des
Laienkelches allgemein für das Reich erbitten – diese pauschale Fassung war mit
Hilfe Bayerns durchgesetzt worden611. Eine Aufweichung der Bestimmungen
über den Zölibat wollten alle erzbischöflichen Vertreter nicht befürworten612,
doch erklärten sie sich schließlich bereit, dem Kaiser und Bayern freie Hand zu
lassen und zu akzeptieren, was der Papst dazu bewillige. Ferdinand wollte in
diesem Punkt weiter gehen als sein Schwiegersohn, nämlich die Zulassung un-
604 Ob Ferdinand wuĂźte, daĂź Bischof Julius Pflug von Naumburg nach Trient reisen wollte, sobald
sich sein Gesundheitszustand gebessert hätte (Pollet, Corr. 4, S. 533: Pflug an Hosius, 9.7.1563),
muĂź offen bleiben.
605 Constant, Concession 2, S. 908ff: Erasmus Fendt an Simon Eck, 27.7.1563
606 Das ergibt sich aus dem abschlieĂźenden Bericht der bayerischen Vertreter (ebda, S. 926f).
607 Aufzählung im Bericht Delfinos v. 4.8.1563 (NB II 3, S. 373).- Cordoba war in einem Sonder-
votum v. 1.6.1563 u.a. fĂĽr den Laienkelch eingetreten (Ganzer, Reformer, S. 331f).
608 Constant, Concession 2, S. 909 (wie Anm. 605); Krause, S. 104 = Bucholtz 8, S. 664 Anm.:
Mainzer Räte an Erzbischof Daniel, 29.7.1563
609 Gegen Mainzer Einwände setzten die Bayern dieses Verfahren durch (Constant, Concession 2,
S. 923ff: AbschluĂźbericht der bayerischen Vertreter; vgl. Bucholtz 8, S. 664ff).
610 Sickel, Konzil, S. 576: Abschied der Konferenz v. 5.8.1563; Bucholtz 8, S. 672
611 Hierzu und zum Folgenden vgl. den AbschluĂźbericht der bayerischen Gesandten v. 4.9.1563
(Constant, Concession 2, S. 924ff, bes. S. 928 u. 931).
612 Der Mainzer Erzbischof hatte darĂĽber gar nicht verhandeln wollen, denn er befĂĽrchtete als
Folge eine Zersplitterung des kirchlichen Besitzes (Krause, S. 48).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂĽnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien