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Bemühungen um Konzessionen neben und nach dem Konzil 507
bescholtener verheirateter Männer zum Priesteramt zumindest in Gegenden,
wo Priestermangel herrschte, erreichen und ferner Eheerlaubnis für unverhei-
ratete Priester, um das Ärgernis der Konkubinen bekämpfen zu können. Zu
Gesprächen über die allgemeine Kirchenreform hatten die bischöflichen Ver-
treter wenig Neigung, solange das Konzil tagte. Angesichts der soeben von den
kaiserlichen Oratoren in Trient übersandten neuen Reformvorlage wurde be-
schlossen, die Ergebnisse der Konzilsberatungen abzuwarten und sich da, wo
sie unzureichend wären, an der „Formula reformationis“ von 1548 zu orientie-
ren. Eine Instruktion für die Gesandtschaft wurde vorbereitet, in der die Not-
wendigkeit und Zulässigkeit der Konzessionen mit den gleichen Argumenten
begründet wurden wie in den früheren kaiserlichen Reformpapieren613. Jedoch
konnten die erzbischöflichen Vertreter keine Zusage geben, daß ihre Herren
sich beteiligen würden. Insofern erreichte Ferdinand gerade das nicht, was der
Initiative eine neue Qualität hatte geben sollen, nämlich der Kurie die einmütige
Unterstützung durch alle noch zuverlässig katholischen Fürsten im Reich zu
demonstrieren. Einen Alleingang wollte Ferdinand nicht unternehmen.
Der entscheidende Impuls kam ein paar Wochen später von Delfino. Wie
erwähnt hatte Morone unmittelbar vor Beginn der Konferenz durch den Bi-
schof von Czanad Dudith in Aussicht gestellt, der Papst werde, wenn der Kai-
ser der raschen Beendigung des Konzils zustimme, alsbald den zuständigen
Bischöfen Vollmacht erteilen, „ut ipsi et calicem et alia omnia quae positivi juris
sint ad provinciarum utilitatem et necessitatem concedere possint“614 – ein sehr
weitgehendes Angebot, denn was Ferdinand als Fragen des positiven Rechtes
einstufte, mußte Morone seit der kaiserlichen Reformschrift vom Sommer 1560
wissen. Ferdinand hatte in seiner ablehnenden Antwort erklärt, er wolle den
Ergebnissen der Konferenz nicht vorgreifen, und so zugleich die Anerkennung
des päpstlichen Vorranges vermieden615. Es mag sein, daß Delfino seine Voll-
macht überschritt, als er Ende September in Preßburg bei neuen Verhandlungen
über die Schließung des Konzils jenes Angebot wiederholte und dabei neben
dem Laienkelch die Priesterehe ausdrücklich einschloß616. Er erhöhte damit die
päpstlichen Gegenleistungen für die Zustimmung des Kaisers617. Doch wurden
die von Delfino formulierten Erinnerungen, die Arco dem Papst und die Kon-
zilsoratoren Morone vorzutragen hatten, von beiden Adressaten ohne Ein-
schränkung bestätigt. Arco meldete, Pius IV. habe versprochen, „che fara tutto
quello chel C. Morone ha fatto promettere a V. Mta dal vescovo Chanadien-
613 HHStA Wien, RK RelA 11 Konv. August, fol 21r-35v; Inhaltsangabe bei Bucholtz 8, S.672ff
614 Sickel, Konzil, S. 564 (vgl. Anm. 602). Die zitierte Formel ist nur in Texten kaiserlicher Proveni-
enz überliefert; sie steht auch im Brief Ferdinands an Morone (s. folgende Anm.) sowie in späte-
ren Schreiben des Kaisers (z.B. in dem unten Anm. 627 genannten Brief an Maximilian v.
27.1.1564); Morone hat sie nicht dementiert.
615 Constant, Légation, S. 210ff: F. an Morone, 31.7.1563 (bes. S. 213f).
616 Diese These hat Steinherz eingehend erörtert und begründet (NB II 4, S.43f); die Einbeziehung
der Priesterehe ist am klarsten ausgedrückt in dem von Delfino konzipierten Schreiben Ferdi-
nands an Arco v. 14.2.1564 (ebda, S. 37f).
617 Vgl. dazu oben S. 495f sowie Kap. 9, S. 613f.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien