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BemĂĽhungen um Konzessionen neben und nach dem Konzil 509
Papst im Oktober Arco gebeten hatte, die Zusage des Laienkelches vor den
Spaniern geheim zu halten629.
Delfino legte sogar EntwĂĽrfe fĂĽr die an den Papst, Morone und Arco zu
richtenden Briefe vor, die von den kaiserlichen Räten nach sorgfältiger Prüfung
größtenteils akzeptiert wurden630. In sämtlichen Schreiben wurden als Basis des
kaiserlichen Gesuchs ausdrĂĽcklich jene durch Dudith dem Kaiser gemachten
Angebote Morones und ihre spätere Bekräftigung durch Delfino erwähnt; im
Brief an Pius IV. hieß es dazu, Dudiths Mitteilungen seien „nomine Sanctitatis
vestrae“ erfolgt631. Die von Seld an Delfinos Entwürfen vorgenommenen Ände-
rungen dokumentieren, daß man die Konzession des Laienkelchs möglichst
ohne Restriktionen haben wollte, denn alle Erinnerungen an die frĂĽher von
Paul III. gemachten Auflagen wurden gestrichen; eine Ermahnung der unter
beiderlei Gestalt Kommunizierenden, auch im Brot allein werde der ganze
Christus empfangen, wurde als ausreichend erachtet. Das entsprach den Emp-
fehlungen, die Gienger und Staphylus in ihren Gutachten im Herbst 1562 gege-
ben hatten. Arco sollte den Papst dahin bestimmen, die entsprechenden Voll-
machten für die deutschen und ungarischen Erzbischöfe ohne weitere Umstän-
de auszustellen632. Beim Thema „Priesterehe“ hielt der Kaiser an seiner wäh-
rend der Wiener Konferenz vertretenen Position fest, sowohl einen Indult fĂĽr
jene Geistlichen zu empfehlen, die sich sonst um ihrer Partnerin willen von der
Kirche trennen wĂĽrden, als auch zur Abhilfe des eklatanten Mangels in man-
chen Gebieten unbescholtenen verheirateten Männern den Altardienst und
andere priesterliche Funktionen zu gestatten, obwohl Delfino gegen letzteres
Bedenken anmeldete633. War Ferdinand und seinen Beratern nicht klar, daĂź sie
hier eine tragende Säule des römischen Verständnisses von Kirche, die Sonder-
stellung des Priestertums, in Frage stellten? In einer eigenhändigen – ebenfalls
von Delfino konzipierten – Nachschrift bat Ferdinand den Papst um schnelle
Bewilligung; Arco wurde angewiesen, auf Beschleunigung zu drängen, damit
spätestens am 15. März der Bescheid in Wien vorliege634. Ein Grund dafür
dürfte der bevorstehende niederösterreichische Landtag in Wien gewesen sei;
dort mußte mit einer Wiederholung der Forderung der Stände nach religiösen
Zugeständnissen gerechnet werden635.
Es kann hier beiseite bleiben, daĂź Delfino zu seiner Aktion nicht autorisiert
war636. Seine maĂźgebliche Mitwirkung an der kurzfristig modifizierten Initiati-
629 Sickel, Konzil, S. 610
630 NB II 4, S. 36ff: Drei Weisungen an Arco v. 14.2.1564 (mit BerĂĽcksichtigung der EntwĂĽrfe
Delfinos); ebda S. 47 Anm. 5 die von Seld vorgeschlagenen Änderungen; das Schreiben an Mo-
rone bei Constant, Concession 2, S. 943f.
631 F. an Pius IV., 14.2.1564 (Raynaldus 34, S. 476ff, die Stelle S. 477r); nach Constant, Concession
1, S. 493 Anm. 1 stand die Passage nicht im ersten Entwurf.
632 NB II 4, S. 48 Anm. 5 u. S. 39 (2. Weisung an Arco)
633 Ebda, S. 48 Anm. 5
634 NB II 4, S. 38 (1. Weisung)
635 Vgl. Selds Bericht an Herzog Albrecht v. 18.3.1564 (BHStA München, KÄA 4309, fol 114r/v;
zitiert bei Constant, Concession 1, S. 497 Anm. 1)
636 Eingehend erörtert von Steinherz (NB II 4, S. 46ff)
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂĽnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien