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Bemühungen um Konzessionen neben und nach dem Konzil 513
Dieser energische Einspruch bestimmte den Papst dazu, auf die Legation zu
verzichten und die Bevollmächtigungen für die vom Kaiser benannten Erzbi-
schöfe und Bischöfe auszustellen, die Spendung des Abendmahls sub utraque
unter bestimmten Auflagen zu gestatten656. Dagegen setzte er beim Thema
„Priesterehe“ seine hinhaltende Taktik fort. Borromeo schob jetzt als Einwand
vor, jenes Problem sei vom Konzil überhaupt nicht behandelt, mithin auch
nicht zur Entscheidung an den Papst verwiesen worden, daher bedürfe es noch
weiterer Erörterung und zusätzlicher Informationen über die Verhältnisse in
Deutschland657. Die realitätsferne Idee des Papstes, die Bekehrung eines füh-
renden evangelischen Reichsfürsten unter habsburgischer Mitwirkung zur Be-
dingung für die Gewährung zu machen, mag hier auf sich beruhen. Ferdinand
und Maximilian hielten beide Aspekte des Antrages auf Lockerung der Vor-
schriften zum Priesterzölibat in einer am 17. Juni ausgefertigten Instruktion für
Arco uneingeschränkt aufrecht: Aus der eingehenden Begründung sind hervor-
zuheben ein Hinweis auf das Interim von 1548, in dem jene Erleichterungen mit
Billigung Pauls III. gewährt worden waren, und die These, ohne diese schleu-
nigst vorzunehmende Ergänzung werde die Bewilligung des Laienkelchs
fruchtlos bleiben658. Der Bericht des Orators über die unbefriedigende Reakti-
on der Kurie – insbesondere der vom Kaiser in einem eigenen Schreiben um
Unterstützung gebetene Morone stellte sich dagegen – traf erst nach Ferdinands
Tod in Wien ein659.
Pius IV. hatte die Kelchgewährung mit der Mahnung an den Kaiser begleitet,
mißbräuchliche Anwendung zu unterbinden, und die den Bischöfen erteilte
Vollmacht galt jeweils nur für deren eigene Diözese. Die Wiener Politik aber
zielte auf möglichst einheitliche und gleichzeitige Umsetzung im ganzen Reich
und hatte gewichtige Gründe dafür. Zu diesem Zweck hatte Ferdinand Richtli-
nien für die Handhabung des Abendmahls unter beiderlei Gestalt erarbeiten
lassen660, die er in seiner Eigenschaft als erstgeborener Sohn und Advokat der
Kirche in Wahrnehmung seiner Fürsorgepflicht für das Seelenheil der Unterta-
nen zur Gewährleistung fruchtbarer Wirkungen der Konzession durch ein kai-
serliches Dekret vom 14. Juni in Kraft setzte661. Mit Recht hieß es danach in
einem Schreiben an den Papst, nach Bekanntgabe der Konzession in Öster-
reich662 sei es mit Rücksicht auf die Stimmung in Deutschland nicht möglich,
den drei geistlichen Kurfürsten die Breven vorzuenthalten, zumal sie die Ver-
656 Möglicherweise wollte Pius IV. damit auch gegenüber Philipp II. Unabhängigkeit demonstrie-
ren, der ihn wegen des erneut ausgebrochenen Präzedenzstreites mit Frankreich unter stärksten
Druck setzte (NB II 4, S. 86; Pastor, Päpste 7, S. 428f).
657 NB II 4, S. 94ff: Weisung an Delfino v. 19.4.1564
658 NB II 4, S. 141ff
659 NB II 4, S. 148 u. S. 153
660 Die Aufgabe wurde zuerst der gerade tagenden Konferenz von österreichischen und bayerischen
Theologen zugewiesen (NB II 4, S. 124f), die am 15. Mai geschlossen wurde (ebda, S. 132); nach
Saftien, S. 63 hätten Urban von Gurk und Franz von Cordoba zusammen mit Seld und Gienger
die Arbeit zum Abschluß gebracht.
661 Druck (mit falschem Datum) bei Bucholtz 9, S. 720ff; zur Entstehung Saftien, S. 59 u. 63
662 Sie erfolgte am 18. Juni in Wien; der Bischof von Gurk würdigte sie dabei als Beitrag zu größerer
Eintracht (Saftien, S. 65).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien