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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich518
Die habsburgischen Brüder hatten die Institution der Landfriedenseinung in
Gestalt des 1488 gegründeten „Kaiserlichen Bundes in Schwaben“ kennenge-
lernt, der im Südwesten des Reichs jahrzehntelang, zuletzt wiederum in den
zwanziger Jahren des 16. Jahrhunderts, sehr erfolgreich die genannten Funktio-
nen erfüllt hatte4. Den Zerfall, der einerseits durch die neuen konfessionellen
Gegensätze zwischen verschiedenen Mitgliedern, andererseits dadurch verur-
sacht war, daß die Habsburger den Bund für den Ausbau ihrer Stellung im
Reich zu instrumentalisieren gesucht hatten5, konnten sie nicht verhindern,
doch blieb der „Schwäbische Bund“ für sie ein geschätztes ordnungspolitisches
Modell. Die von ihnen nach der Auflösung 1534 initiierten Ersatzvereinigun-
gen, die zugleich Gegengewichte zu dem einen neuen Allianztyp darstellenden
Schmalkaldischen Bündnis protestantischer Fürsten und Städte sein sollten,
erlangten jedoch keine vergleichbare Bedeutung6. Eine wesentliche Ursache
dafür mag gewesen sein, daß der Kaiser sich noch mehrere Jahre außerhalb des
Reiches aufhalten mußte, seine Autorität also nicht direkt einsetzen konnte,
während das politische Gewicht des Römischen Königs Ferdinand nur langsam
anstieg. Zu nennen sind der Anfang Februar 1535 zustande gekommene, für
neun Jahre geschlossene „Kayserliche Bund“7 und der 1538 gegründete „Nürn-
berger Bund“, der als dezidiert katholische Einung konzipiert war8. Indessen
blieb das konfessionell ausgeprägte, gegen die Protestanten gerichtete Bündnis
in der Politik Ferdinands eine Episode9.
Ehe noch der Schmalkaldische Bund endgültig bezwungen war, diskutierten
die habsburgischen Brüder über Regelungen zur Sicherung von Frieden und
Recht nach dem Sieg und in diesem Zusammenhang über eine neue kaiserliche
Landfriedenseinung10. Der Anstoß dazu kam von kaiserlicher Seite11. Hier ge-
nügt es, die Position Ferdinands zu skizzieren. Seine zur Stellungnahme aufge-
forderten Räte erachteten eine solche Einung als eine gute Sache, wenn sie auf
Oberdeutschland beschränkt und die Satzung des Schwäbischen Bundes als
Vorbild genommen würde; dagegen beurteilten sie die Absicht Karls, eine
sämtliche Reichsstände umfassende Konföderation zu schaffen, sehr skep-
tisch12. Ferdinand wies selbst darauf hin, dieser Plan werde bei den Reichsstän-
4 Grundlegend immer noch die Monographie von Bock; letzte Würdigung der Leistungen des
Bundes in dem Aufsatz von Carl. Zum Verhältnis der beiden Habsburger zum Schwäbischen
Bund Press, Bundespläne, S. 62ff.
5 Bock, S. 197
6 So auch Carl, S. 46
7 Dazu Endres, Der Kayserliche Bund, passim
8 Baumgarten, Karl V. und der katholische Bund, S. 284ff; Luttenberger, Glaubenseinheit, S. 41ff
9 Schon 1539 verloren die Habsburger das Interesse daran; vgl. Laubach, König Ferdinand, S. 150
mit Nachweisen.
10 Grundlegend Rabe, Reichsbund, passim. Wichtig auch die Überlegungen von Press, Bundesplä-
ne, S. 71–85, S.95f und S. 99ff.
11 Karl an F., 9.1.1547; bester Druck jetzt ARC 5, S. 10–13, vorher Lanz Corr. 2, S. 524–528; mit
gleichem Datum informierte der am Kaiserhof weilende Dr. Gienger seinen Herrn über die ihm
soeben mitgeteilten kaiserlichen Überlegungen (ARC 5, S. 6–9); dazu Rabe, Reichsbund, S.
125f.
12 „...das die kunigl. mt. der kays. mt. furnemmen, ain solhe kayserliche pundtsveraynung zue
handthabung gemains landtfridens und rechtens wolgevallen und doch irer kays. mt. daneben
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien