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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 519 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Ferdinands Erfahrungen mit Landfriedenseinungen bis 1556 519 den auf Mißtrauen stoßen13. Obwohl die österreichischen Räte sich in den Augsburger Verhandlungen loyal für das kaiserliche Projekt einsetzten, ist es bekanntlich gescheitert14. Angesichts des zähen Widerstandes vieler Reichsstände, insbesondere der Kurfürsten, gegen den „Kaiserlichen Bund“ scheint Ferdinand auf die Alterna- tive eines „Partikularbündnisses“ zurückgekommen zu sein15; dafür war bei einflußreichen Reichsständen eher Akzeptanz zu erwarten, wie ein Gutachten Herzog Wilhelms von Bayern vom 1. August 1547 zeigt, das Ferdinand gekannt hat16. Wilhelm argumentierte in mehreren Punkten ähnlich wie Ferdinands Ratgeber: Er empfahl, auf das „weitleuffige pundtnus“ zu verzichten, weil es mehr Schaden als Nutzen bringen werde, und stattdessen eine neue Einung in Oberdeutschland nach dem Vorbild und in der Erstreckung des Schwäbischen Bundes aufzurichten, was dem Kaiser zweifellos „fürtreglicher“ wäre; darüber hinaus regte er an, gegebenenfalls ein gleichartiges Bündnis mit den niederdeut- schen Ständen aufzurichten17. Es mag dahingestellt bleiben, ob die mißlungenen Bemühungen des kaiserlichen Rates Lazarus von Schwendi im Frühjahr 1548, die nordwestdeutschen Stände zu einem regionalen Landfriedensbündnis zu- sammenzubringen, auf diese Anregungen zurückzuführen sind18. Hier sei angemerkt, daß Ferdinand in den verschiedenen ordnungspoliti- schen Konzepten für das Reich keine einander ausschließende Alternativen, sondern sich ergänzende Möglichkeiten gesehen hat. Die von Volker Press an- gestoßene Diskussion, ob Bünde und Einungen als „Alternativen zur Reichs- verfassung in der frühen Neuzeit“ zu begreifen seien, ist fruchtbar, sofern mit- bedacht wird, daß unbeschadet der in letzter Zeit betonten „Verdichtung“ (Pe- ter Moraw) in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts für die Zeitgenossen die Verfassung noch „offen“ erschien. Es war 1547 nicht vorauszusehen, daß der Kaiser mit seinem „Reichsbund“ am Widerstand der Reichsstände scheitern würde – deren Erfolg in dieser Sache blockierte die Möglichkeit zur Aushöh- lung der Kompetenzen des Reichstages durch Übertragung auf Bundesorgane und trug wesentlich zur Verfestigung ständischer Mitbestimmung im Reich auf dem Forum des Reichstages bei. Ebensowenig bedeutete der Mißerfolg Karls, daß die Landfriedenseinung nun als „Auslaufmodell“ betrachtet worden wäre – nicht nur das Gutachten Herzog Wilhelms dokumentiert das Gegenteil. Die berichten lassen, das dise pundtnushandlung nit ain gemaine reichssach seyn, noch mit allen, sonder allain den stenden des schwäbischn, auch fursten und stetten des frankhischen kraiss und dem haus Payrn gehandelt und nach der aylffjarigen pundtsordnung, so ganz wolbedächtlich vervasst ist, reguliert werden muesse. dann was man weyter greiffen und die verrern stend in solhe bundnus ziehen [wurde], wurde es zu ainer confusion missratten und mehr nachtl dann nutzes daraus ervolgen“ (ARC 5, S. 26f: Gutachten der Räte Ferdinands, Ende Januar/Anfang Februar 1547). 13 NB I 9, S. 642ff F. an Karl, 18.1.1547; Rabe, Reichsbund, S. 141 14 Rabe, Reichsbund, S. 273–294; Press, Bundespläne, S. 84 15 Salomies, S. 119 16 Eine Stellungnahme Ferdinands zu dem bayerischen Gutachten liegt nicht vor. 17 ARC 5, S. 60; Press, Bundespläne, S. 78 18 Dazu eingehend G. Schulte, S. 288ff; Nicklas, S. 65f; Schwendis Bericht gedruckt bei Bucholtz 9, S. 443ff, bes. S. 448–450. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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