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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Kapitel 8: Friedenssicherung im Reich520 Interpretation, Karl V. habe „das Rad der Geschichte zurückdrehen [wollen] in die Zeiten vor der Konsolidierung der Reichsverfassung“19, ist überspitzt, und sie ignoriert Karls spanische Erfahrungen in der Ausübung von Herrschaft20: Als König von Kastilien verfügte Karl über fast unbeschränkte legislative Kom- petenzen, die ihm im Vergleich zu dem oft genug von Opposition geprägten Verfahren des Reichstags als der kaiserlichen Würde angemessener und dem Wohl des Reiches dienlicher erschienen sein dürften. Zudem hat Horst Rabe verdeutlicht, daß für Karl V. die Stände verpflichtet waren, zur Festigung der kaiserlichen Autorität beizutragen, und daß er ihre auf dem „Herkommen“ basierenden Ansprüche auf Mitgestaltung der Rechtsverhältnisse im Reich, wenn sie seinen Vorstellungen zuwiderliefen, als Ungehorsam interpretierte21. Darum ist der Versuch, auf dem Weg über die Ordnung des „Reichsbundes“ seine Stellung im Reich zu verstärken, keineswegs als rückwärts gewandt zu sehen, sondern hätte im Erfolgsfall die „Staatswerdung“ des Reiches im moder- nen Sinn vorantreiben können. In modifizierter Form hat Ferdinand den Gedanken, durch etliche Landfrie- denseinungen Ruhe und Ordnung im Reich zu gewährleisten, in der politisch völlig veränderten Situation nach dem Fürstenaufstand aufgegriffen. Das zu lösende Problem lag darin, den Fürsten die Sorge zu nehmen, durch Bünde stärker für die habsburgischen Ziele eingespannt zu werden, nicht zuletzt an diesem Mißtrauen war ja Karls Projekt des Reichsbundes gescheitert. Nahezu gleichzeitig erreichten den König Anfang Dezember 1552 einerseits ein Angebot des Kurfürsten Moritz, mit ihm, dem Kaiser und weiteren mittel- deutschen Ständen eine Liga einzugehen, andererseits Mitteilungen des Kaisers über seine neuen Sondierungen bei etlichen süddeutschen Fürsten und Kurfür- sten wegen einer neuen Einung22. Obwohl Karl als Muster den Schwäbischen Bund angab, erkannten sowohl Herzog Albrecht von Bayern als auch Ferdi- nand in seinen Vorstellungen die Idee des „Reichsbundes“ wieder. Deshalb warnte Albrecht unter Bezugnahme auf das Gutachten seines Vaters vom Au- gust 1547 vor solcher „Weitläufigkeit“, riet stattdessen, nur mit den traditio- nellen Mitgliedern der oberdeutschen Einungen anzufangen, und wiederholte die väterliche Anregung, bei Gelegenheit mit den „niederländischen“ und den „sächsischen“ Ständen einen zweiten Bund aufzurichten23. Ferdinand begrüßte in seiner Stellungnahme die Initiative des Bruders, pflichtete aber den beiden zuerst genannten Argumenten seines bayerischen Schwiegersohns durchaus bei, empfahl überdies eine schnelle Realisierung und erklärte sich bereit, hinrei- chend bevollmächtigte Vertreter zur Gründungsversammlung abzuordnen24. Für das dritte Argument Albrechts hatte Ferdinand nun in dem sächsischen Projekt einen konkreten Ansatzpunkt zu bieten. So nutzte er die Gleichzeitig- 19 So Carl, S. 63 20 Dazu Rabe, Elemente, S. 162ff 21 Rabe, Reichsbund, S. 369f 22 Zum folgenden Laubach, König Ferdinand, S. 172ff (mit der älteren Literatur). 23 Undatierte Kopie im HHStA Wien, RK Rig 16, fol 272r-274v 24 HHStA Wien, RK Rig 16, fol 328r-330r: F. an Karl, Graz, 15.12.1552 (Or., deutsch). Das Kon- zept ebda, fol 325r-326v. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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Ferdinand I. als Kaiser