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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich522
men31, sondern er handelte auch nach seiner Überzeugung und ließ sich von
Karls Unwillen über sein Eingehen auf das Angebot des Wettiners nicht auf-
halten, zumal er seinerseits die Beziehung des Kaisers mit dem Friedensstörer
Albrecht Alkibiades als verhängnisvolle Fehlleistung einschätzte, die sich nach
dem Rückschlag von Metz auch machtpolitisch negativ auswirkte32. Dies bestä-
tigt die Beobachtung, daß Ferdinand nach Passau im Interesse seiner künftigen
Regierung im Reich eine selbständigere Politik zur Sicherung von Frieden und
Recht betrieb und weniger Rücksicht auf Karl nahm als früher, was dieser spä-
ter sehr bitter kritisiert hat33. Doch griff die ältere Forschung zu kurz, wenn sie
meinte, Ferdinands Bedenken gegen ein zu weit ausgreifendes kaiserliches Pro-
jekt und seine Sympathien für den Vorschlag des Kurfürsten Moritz seien vor-
wiegend von territorialpolitischen Interessen bestimmt worden34. Vielmehr
erkannte der König aus den Mitteilungen Karls über seine Sondierungen die
Abneigung vieler Stände gegen den vom Kaiser beabsichtigten und dominierten
Bund. Bei dem mitteldeutschen Projekt lag die Sache anders, weil der Vorschlag
eben von dem sächsischen Kurfürsten ausging. Ferdinands ganzes weiteres
Verhalten gegenüber Moritz bis zur Konferenz von Eger verdeutlicht, daß er
diesen Vorteil auszunutzen gedachte, indem er immer wieder dem Wettiner die
Initiative zuschob35. Sein zügiges Vorantreiben der Verhandlungen mit Moritz
unter Hintanstellung der Abstimmung mit dem Kaiser und sein Verzicht auf
dessen vorherige Genehmigung von Ort und Termin der Gründungskonferenz
in Eger zeigen, daß er Karl die Torpedierung des Projektes unmöglich machen
wollte36.
Bei sämtlichen folgenden Überlegungen und Handlungen Ferdinands war
die von Albrecht Alkibiades ausgehende Gefahr für den Frieden im Reich ein
stets gegenwärtiger Faktor, dessen Gewicht im Laufe der nächsten Monate
anstieg. Die unterschiedliche Beurteilung des Problems belastete neben anderen
Streitfragen zunehmend die Beziehungen der Brüder zueinander und beein-
flußte Ferdinands Bündepolitik erheblich. Das passive und undurchsichtige
Verhalten Karls stieß bei ihm auf wachsende Kritik und veranlaßte ihn zu
Schritten, die wiederum das Mißtrauen des Kaisers gegen ihn schürten. Dagegen
spielte der konfessionelle Aspekt bei der Auswahl der Partner und bei der Ziel-
setzung für die Bünde so gut wie keine Rolle, was Gienger schon in einem Gut-
31 Die Bemerkung steht im Konzept des Schreibens v. 15.12.52 (s. Anm. 24), fol 325v, wurde,
obwohl nicht gestrichen, nicht übernommen, ist stattdessen in der Weisung an Gamiz vom
16.12.1552 enthalten (Druffel 2, S. 838).
32 Dazu Laubach, König Ferdinand, S. 169
33 So in dem Schreiben vom 9.12.1553 (Druffel 4, S. 333, übersetzt bei Lutz, Christianitas, S. 216)
34 So Turba, Beiträge 2, S. 7, S. 52 u.ö.; Salomies, S, 168, S. 190 u.ö.
35 Laubach, König Ferdinand, S. 173 mit Nachweisen
36 Innerhalb eines Monats wurde brieflich zwischen Graz und Dresden das Wesentliche vorbe-
sprochen. Die Korrespondenz in HHStA Wien, RK Rig 18; s. auch Druffel 4, Nr. 5, 42, 48, 62.
Am 2.3.1553 ließ der König den Kurfürsten wissen, daß das erste Treffen ohne vorherige kaiser-
liche Zustimmung stattfinden könne (ebda, fol 19r-20v), tags darauf gab er Anweisung, den Kai-
ser von der Ansetzung zu unterrichten (Lanz, Corr. 3, S. 556: Postskript der Instruktion für
Gúzman zum Vortrag in Brüssel).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien