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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 523 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Ferdinands Erfahrungen mit Landfriedenseinungen bis 1556 523 achten über den süddeutschen Bund angemerkt hat37. Der Passauer Vertrag als vorläufige Regelung der Religionsfrage und die Überweisung der Problematik an den Reichstag wurden respektiert. Um des Kaisers unverhohlene Skepsis38 zu überwinden, trug Ferdinand ihm die Vorzüge seines Konzeptes, gleichzeitig diese beiden Bünde aufzurichten und ihre Leitung innezuhaben, nicht nur einmal vor und drängte ihn, trotz der Unlust des Herzogs von Württemberg und der Kurfürsten von Mainz und Pfalz die Gründung der „Liga in Schwaben“ zügig ins Werk zu setzen39. Ferdi- nand erreichte wenigstens, daß Karl Ende Februar die Einladungen zu einer Tagung in Memmingen an einen Kreis von Ständen ergehen ließ, der enger ge- zogen war als früher beabsichtigt40. Aus den Anweisungen für seine Vertreter bei den Konferenzen in Memmin- gen und Eger41 sowie aus den Briefen an die jeweils wichtigsten Partner – hier der Kaiser, dort Moritz von Sachsen – läßt sich entnehmen, worauf es Ferdi- nand vor allem ankam. Sicher auch wegen der instabilen Situation im Reich und an den Grenzen Ungarns wünschte er, daß die Gründungen umgehend, ohne zeitraubende Rückfragen erfolgen sollten. Darum wollte er lieber mit wenigen Teilnehmern beginnen, wußte er doch, „wo im anfang zu gar vill stenndt zusa- men berueffen werden, zum offtermallen mer unrichtigkhait, weder beschiesli- che fruchtparr hanndlung ervolget“42; darum auch sprach er sich gegen die von Moritz vorgeschlagenen Einladungen an weiter entfernt sitzende norddeutsche Stände aus43. Er selbst wollte jedem Bund nur mit einem Teil seiner Herrschaf- ten angehören. Dagegen wollte er doppelte Mitgliedschaften anderer Reichs- stände – es ging vor allem um Bayern – vermeiden. Beide Einungen sollten möglichst einheitlich organisiert und darum sollte die Satzung des Schwäbi- schen Bundes zur Grundlage der Beratungen gemacht werden. Für das süd- deutsche Projekt war das selbstverständlich. Auch bei Moritz hatte Ferdinand das durchgesetzt, nachdem er einen ersten Entwurf des Kurfürsten als zu kurz und unbestimmt kritisiert hatte44. Indessen wollte er einige für ihn vorteilhafte Änderungen erreichen: Die wichtigste war die Ernennung des Bundeshaupt- manns nach dem Vorbild des neunjährigen Bundes durch den Kaiser oder, falls dieser verzichtete, durch den König; die Bundeshilfe sollte grundsätzlich durch 37 Vgl. Ernst, Entstehung, S. 30 mit Anm. 3 und S. 31; Hartung, Karl V., S. 132 38 Ausgedrückt im Brief v. 12.1.1553 (Lanz, Corr. 3, S. 530ff) 39 Sehr ausführlich in einem Schreiben vom 14.2.1553 (Lanz, Corr. 3, S. 539–541); die Wichtigkeit wurde durch Chiffrierung unterstrichen. In einem gesonderten Brief (ebda, S. 541) forderte Fer- dinand den Kaiser auf, die Ausführungen ganz, nicht nur im Auszug, zu lesen. 40 Karl an F., Brüssel, 27.2.1553 (Druffel 4, S. 48) 41 Auszüge aus den Instruktionen bei Druffel 4, S. 71f (für Memmingen) und S. 109f (für Eger). Vgl. dazu Luttenberger, Landfriedensbund, Teil 1, S. 12f. 42 HHStA Wien, RK Rig 18, fol 19r-20v: F. an Moritz, Graz, 2.3.1553 (Konz.), das Zitat fol 19v 43 Außerdem mochte er befürchten, daß diese Stände die Aufnahme der Türkenhilfe in die Bundes- satzung verhindern würden. 44 F. an Moritz, Graz, 13.2.1553 (HHStA Wien, RK Rig 18, fol 7–11, bes. fol 8r/v; der Auszug bei Druffel 4, S. 35f läßt das nicht erkennen). In einem Schreiben vom 12.4.1553 erinnerte er den Kurfürsten daran und informierte ihn über eigene Abänderungswünsche (ebda, fol 86r-88r, Ko- pie). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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