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Ferdinands Erfahrungen mit Landfriedenseinungen bis 1556 527
berger Vereins zum geplanten Egerer Bund nutzte Ferdinand aus, um seine
Absichten als für des Kaisers Intentionen förderlich darzustellen64.
Ferdinand hütete sich aber, seine Annäherung an den Heidelberger Verein
durch seine – von Herzog Albrecht dringend empfohlene – persönliche Teil-
nahme oder durch die Entsendung seines Sohnes Maximilian zur Heilbronner
Tagung hochzustufen. Maximilian hätte die Reise gern unternommen, aber der
Vater hielt das angesichts der erheblichen Spannungen zwischen Brüssel und
Wien für inopportun65. Seine Kommissare wies Ferdinand an, alles abzuweh-
ren, was am Kaiserhof als Unfreundlichkeit ausgelegt werden könnte, und sich
im übrigen an der Instruktion für die – ausgefallene – Zeitzer Sommertagung zu
orientieren66. Doch war er nicht nur zum Beitritt entschlossen – die Gesandten
sollten sich „so vil möglich, in allen artikeln vergleichen, nicht leichtsam ichts
difficultiren“ –, sondern auch gewillt, in dem Verein den Ton mitanzugeben.
Denn die Vertreter Bayerns und Jülichs, also seiner beiden Schwiegersöhne,
sollten veranlaßt werden, für das Amt des Bundeshauptmanns, das noch nicht
definitiv besetzt worden war, Maximilian vorzuschlagen, der über beachtliche
militärische Erfahrung verfüge – ein Gedanke, der in Brüssel einiges Interesse
fand67. Wenn man bedenkt, daß gleichzeitig Erzherzog Ferdinand für die glei-
che Schlüsselposition beim sächsischen Bund im Gespräch war68, zeichnet sich
eine faszinierende Möglichkeit ab: König Ferdinand hätte daran denken kön-
nen, die Kooperation der beiden Bünde durch seine beiden Söhne in die Praxis
umsetzen zu lassen und sie selbst zu dirigieren.
Es ist nicht dazu gekommen. Zwar wurden in Heilbronn die Weichen für
den Eintritt Ferdinands in den Heidelberger Verein gestellt, aber es gelang sei-
nen Unterhändlern nicht, die wichtigen Wünsche des Königs durchzusetzen69.
Der Krieg gegen Albrecht Alkibiades wurde ebensowenig wie andere aktuelle
Konflikte als Bündnisfall anerkannt und damit ein wesentliches Ziel verfehlt.
Abweichend vom Brauch in früheren Einungen wurde Ferdinand lediglich eine
Stimme zugestanden, weil er nur in seiner Eigenschaft als Herr Tirols und der
österreichischen Vorlande, nicht als Römischer König Mitglied sein sollte. Das
Amt des Bundeshauptmanns übernahm Herzog Christoph; für die Kandidatur
Maximilians haben die Unterhändler anscheinend keine Unterstützung finden
können70. Nur die Zumutung, Ferdinand dürfe sich nicht für eine Aufnahme
des Kaisers einsetzen, konnte eliminiert werden71. So war eigentlich kaum mehr
64 Inhaltswiedergabe seines Schreibens v. 10.9.1553 an Karl bei Druffel 4, S. 257; vgl. Lutz, Chri-
stianitas, S. 215. Ferdinands erster Brief nach seinem Entschluß, v. 6.8.1553 (Druffel 4, S. 235f),
enthält noch keine Mitteilung darüber, doch ließ der König am 5.9.1553 eine Kopie der Instruk-
tion für seine Kommissare in Heilbronn nach Brüssel schicken (ebda, S. 278 Anm. 2).
65 Maximilian hat die Meinungsverschiedenheit mit dem Vater seinem Schwager anschaulich ge-
schildert (Holtzmann, S. 197f. mit Nachweisen).
66 Inhalt der Instruktion für Ferdinands Vertreter in Heilbronn bei Druffel 4, S. 278f.
67 Druffel 4, S. 268: Bericht Pollweilers an Ferdinand v. 26.9.1553
68 Vgl. den Bericht der kaiserlichen Kommissare aus Zeitz v. 21.10.1553 (Lanz, Corr. 3, S. 591).
69 Eingehende Würdigung der Ergebnisse bei Sicken, Verein, S. 367ff
70 Reichenberger, S. 39; Druffel 4, S. 281 Anm. 3
71 Druffel 4, S. 279ff: Österreichisches Protokoll. Die Meinung von Turba, Beiträge 2, S. 52, jene
Zumutung sei aufrechterhalten worden, ist durch Reichenberger, S. 38 Anm. 2, widerlegt. Ge-
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien