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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Page - 533 -
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Page - 533 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Gründung und erste Erweiterung des Landsberger Bundes 533 brecht habe ja soeben in Bayern „ain tollerantz oder gar ain zuelassung der Communio sub utraque specie bewilliget“105. Ihre Anregung, die Teilnehmer auf die Beschlüsse eines Generalkonzils zu verpflichten, lehnte er ab und befahl, den vorgesehenen Hinweis auf den in Augsburg jüngst beschlossenen „gemai- nen unbedingten friden in religion und prophansachen“ zu akzeptieren, der die konfessionelle Neutralität gewährleisten sollte106. Daher wird man sagen dür- fen, daß für Ferdinand der konfessionelle Aspekt hinter dem der Wahrung des Friedens zurückgetreten ist. Ebenso ließ er Herzog Albrecht wissen, er halte jede Verzögerung der Bundesgründung für nachteilig; „vill pesser ist in zeit des fridens zu betrachten, wie und welcher massen [man] sich in furfallenden notten vor unbillichem thätlichem gewalt und beschedigung schutzen und erhalten welle, dan damit bis es die not erfordert zu verziehen“107. Gleichzeitig beauf- tragte er Zasius, die Städte Augsburg und Ulm sowie führende schwäbische Prälaten und Grafen für den neuen Bund zu gewinnen. Dank der Beharrlichkeit Ferdinands lud Herzog Albrecht schon für den 27. Mai ein paar interessierte Stände nach Landsberg am Lech ein108. Die schwankende Haltung des Bayernherzogs einerseits, die Zielstrebigkeit König Ferdinands andererseits erlauben die Erwägung, ob Zasius bei seinen vertraulichen Gesprächen mit dem Wittelsbacher Anfang April den Gedanken an einen neuen Regionalbund so geschickt lanciert hat, daß die Bayern zur Konkretisierung provoziert worden sind109. Zwei Monate später bemerkte Za- sius in einem Brief an seinen Kollegen Georg Ilsung, er habe an jenem Karfrei- tag „auf bevelch der kgl. Mt.“ mit den Bayern beraten110. Wenn Herzog Al- brecht als der Vater des Projektes erschien – eine Rolle, die ihm dann doch nicht behagte111 –, so war das für Ferdinand ebenso ein Vorteil, wie die anvi- sierte Zusammensetzung in seinem Interesse lag. Zasius und der von ihm als- bald ins Vertrauen gezogene Ilsung112 sind sich offenbar sehr sicher über Ferdi- nands bündepolitische Ansichten gewesen; mit Recht, denn der König hat die Schritte und Empfehlungen seines Rates, der ohne konkreten schriftlichen Auftrag agiert hatte, ohne Einschränkung gutgeheißen. 105 HHStA Wien, RK Rig 34, fol 53r-55v: F. an die Regierung in Innsbruck, 22.4.1556 (das Zitat fol 54v) 106 Goetz, Beiträge, S. 33 Anm. 1 107 HHStA Wien, ebda, fol 58r/v: F. an Albrecht, Prag, 7.5.1556 (Kopie); unzulänglicher Auszug bei Goetz, Beiträge, S. 25f 108 Festlegung des Termins im von Zasius und Hundt unterzeichneten Memorial vom 4.5.1556 (HHStA Wien, ebda, fol 63ff; vgl. Goetz, Beiträge, S. 25 Anm. 1). 109 Göttmann, S. 417 Anm. 8 ist wohl zuzustimmen, daß die Frage nach dem „maßgeblichen In- itiator“ nicht mit letzter Sicherheit beantwortet werden kann. Lanzinner, Landsberger Bund, S. 66f, betrachtet „allein“ Zasius und Hundt als Protagonisten. Indessen darf man den habsburgi- schen Rat nicht von Ferdinands Beraterstab isolieren, wie die Wiener Akten zeigen, die von W. Goetz, Beiträge, nur auszugsweise gedruckt sind. Für die weitergehende These, es sei den beiden Räten „auf eine Stärkung der katholischen Position im Reich“ angekommen, ist Lanzinner den Beweis schuldig geblieben. 110 Hopfen, S. 180 111 Vgl. sein Schreiben an Christoph von Württemberg v. 16.5.1556 bei Ernst, Bw 4, S. 71f, in dem er Ferdinand sicher nicht nur aus Bescheidenheit als die treibende Kraft erscheinen läßt. 112 Goetz, Beiträge, S. 17 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
MĂĽnster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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