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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 537 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Gründung und erste Erweiterung des Landsberger Bundes 537 tige Schadenersatzansprüche, und es gelang Ferdinand bis zum Ende des Reichstages nicht, einen Ausgleich herbeizuführen137. Vielmehr sah er sich zu einer ausdrücklichen Warnung an alle Hohenzollern veranlaßt, eigenmächtig gegen die Fränkische Einung vorzugehen138. Gleichsam als Kompensation ver- hinderten seine Vertreter auf der Anfang März nebenher in Regensburg abge- haltenen Tagung des Bundes die Aufnahme der Fränkischen Einung durch die Forderung, die „markgräfliche Sache“ müsse von den Hilfsverpflichtungen ausgenommen werden139. Auf Kosten einer stringenten Fortführung der Bündepolitik gab Ferdinand in den Monaten vor dem Wormser Colloquium und dem zur Absicherung sei- nes Kaisertums erforderlichen Kurfürstentag der Unterlassung von Aktionen Priorität, welche die konfessionelle Polarisierung verschärfen oder Mißtrauen bei Kurfürsten erregen mochten. Infolgedessen kam es zu etlichen Divergenzen mit Bayern über die weitere Ausgestaltung der Liga. Mit drei Argumenten vo- tierte Zasius auf dem nächsten Landsberger Bundestag Ende April wiederum gegen die sofortige und uneingeschränkte Aufnahme der Fränkischen Einung: Die Hohenzollern würden dadurch verstimmt und dem König würde die Beile- gung der schwebenden Streitfrage erschwert; der Bund werde den Protestanten als „Pfaffenbund“ suspekt, so daß man sie nicht mehr zum Eintritt gewinnen könnte; stattdessen könne es sogar zu einem protestantischen Gegenbündnis kommen140. Die vorgetragenen Gründe verloren indessen angesichts der allseits bekannten Abneigung protestantischer Stände, dem Bund beizutreten, und der ersten Fortschritte bei der Schlichtung der „markgräflichen Sache“ an Überzeu- gungskraft, wirkten als Hinhaltetaktik und provozierten bei den bayerischen Partnern Verärgerung. Die Bayern befürworteten die Erweiterung durch die drei fränkischen Stände und betonten die Bedeutung eines größeren und reichspolitisch gewichtigeren Bundes gerade auch für Ferdinands herrscherliche Stellung, was sich letztlich auch an der türkischen Front positiv für ihn auswir- ken werde141. Das waren Überlegungen, die der königlichen Konzeption, Einungen als Instrumente der Friedenssicherung im Reich zu handhaben, ei- gentlich weit besser entsprachen als die taktischen Argumente von Zasius142. Während sich die Innsbrucker Räte von den bayerischen Vorstellungen beein- 137 Akten darüber in HHStA Wien, MEA RTA 43, fol 428ff; vgl. Chr. Bauer, S. 501f 138 Ebda, fol 435ff: Undatierte Resolution Ferdinands, das Erbe des Markgrafen Albrecht betref- fend [Februar 1557] 139 Goetz, Beiträge, S. 60f; vgl. auch seine von den Bamberger Gesandten gemeldete Bemerkung, wenn die „ainungsverwandten mgf. Georg Friderichen sein lant volgen lassen, so werden sie de- sto ehe eingenomen“ (ebda, S. 59). 140 Goetz, Beiträge, S. 63f 141 Zasius’ Referat ihrer Gründe bei Goetz, Beiträge, S. 64 Anm. 1: „das E. Kun. Mt. für sich selbst auch ainiches gehorsambs im reich nicht zu versechen, dise zwo ainungen wurden dan conju- giert und also ain solch vest corpus gemacht und gestörkt, auf welches die widerwertigen im reich ain aufsehen und etwas sorg haben müessen.“ Vgl. auch Albrecht an F. v. 3.5.1557 (ebda, S. 68f). 142 Auf falscher Auslegung einer Bemerkung von Zasius beruht die Behauptung, Bayern habe gedroht, die beim Reichstag beantragte Türkenhilfe nicht zu bewilligen (so Mogge, S. 65, und ihm folgend Göttmann, S. 440). Die Hilfe war längst bewilligt, angedeutet wurde Zurückhaltung der Zahlungen, was rechtlich unzulässig war; Ferdinand hat sich davon nicht beeinflussen lassen. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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