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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich538
druckt zeigten und nun zur Aufnahme der Franken rieten143, folgte Ferdinand
weiter Zasius, der an seiner Meinung festhielt144, und bemühte sich bis zuletzt,
Herzog Albrecht zu verdeutlichen, eine Aufnahme der fränkischen Stände vor
Schlichtung der „brandenburgischen Sache“ werde zur Folge haben, andere
eintrittswillige Stände abzuschrecken, weil sie nicht in Gegensatz zum Hause
Brandenburg geraten wollten, so daß die beabsichtigte Wirkung der Erweite-
rung verfehlt würde: „das eben durch solches, da man der ainigung stergkung
suechte, der selben merere verhinderung verursachte und merere beschwerden
aufliede“145. Gleichzeitig aber signalisierte Ferdinand mit der Weisung, sich auf
jeden Fall mit Bayern zu einigen, Bereitschaft zum Einlenken, zumal er
wünschte, daß Herzog Albrecht weiterhin als Bundeshauptmann fungiere146.
Der Bayer zögerte nicht, seinen Trumpf auszuspielen. Mit der Drohung, an-
dernfalls jenes Amt niederzulegen und sich um den Bund nicht mehr kümmern
zu wollen, zwang er Ende Mai die österreichischen Vertreter zur Kapitulation:
Die fränkischen Stände wurden ohne Einschränkungen aufgenommen147.
Zasius hat in seinen nächsten Berichten über Gespräche mit protestantischen
Fürsten – Christoph von Württemberg und Ottheinrich – behauptet, die Her-
ren hätten sich irritiert über den vergrößerten Bund geäußert148. Ferdinand
beeindruckte vor allem die Meldung, ihm werde von einigen Protestanten un-
terstellt, mit den soeben angeworbenen Truppen ganz andere Absichten zu
verfolgen als Abwehr der Türken; das veranlaßte ihn zu einer eingehenden Zu-
rückweisung der Vorwürfe149. Bewahrheitet haben sich Zasius’ Befürchtungen
nicht, denn weder der Pfälzer noch der Brandenburger Kurfürst bereiteten
deshalb der Übernahme des Kaisertums durch Ferdinand nachhaltig Schwierig-
keiten, und zur Gründung eines protestantischen Gegenbundes kam es auch
nicht. Dennoch zeigte der König in den nächsten Monaten nur wenig Eifer, die
grundsätzlich anvisierte Erweiterung des Bundes durch Werbung weiterer pro-
testantischer Mitglieder zur besseren Austarierung der konfessionellen Neutra-
lität voranzutreiben. Über erste Sondierungen bei den Grafen in der Wetterau
und bei der Reichsstadt Frankfurt – Zasius argumentierte, damit könne der
Bund ein Glacis im Rhein-Main-Gebiet gewinnen150 – kam man bis zum Früh-
jahr 1558 nicht hinaus151.
143 Goetz, Beiträge, S. 68 Anm. 2
144 Ferdinands Instruktion v. 17.5.1557 für den Bundestag in München (HHStA Wien, RK Rig 34,
fol 396r-402v) orientierte sich ganz an Zasius Ratschlag v. 2.5.1557 (Auszug bei Goetz, Beiträge,
S. 66ff).
145 HHStA Wien, ebda, fol 390r/v: F. an seine Kommissare in München, Wien, 20.5.1557
146 Ebda, fol 394r-395v: F. an Albrecht, Wien, 17.5.1557 (Kopie); vgl. Goetz, Beiträge, S. 69 Anm. 1
147 Mogge, S. 76 ; Goetz, Beiträge, S. 73
148 Goetz, Beiträge, S. 77ff u. S. 84ff. Nachdem seine Taktik so kläglich gescheitert war, könnte
Zasius zu seiner Rechtfertigung in diesen Berichten übertrieben haben.
149 Ernst, Bw. 4, S. 350f: Instruktion für Zasius, Preßburg, 26.6.1557
150 Goetz, Beiträge, S. 84 mit Anm. 1
151 Goetz, Beiträge, S. 90
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien