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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Kapitel 8: Friedenssicherung im Reich540 der ja auch zu seinen Räten gehörte, auf, sich bei seiner Gruppe für den kollek- tiven Eintritt einzusetzen160. Wie fragil Frieden und Sicherheit im Reich waren, wurde in greller Weise beleuchtet, als der Würzburger Bischof Melchior Zobel von Giebelstadt am 15.4.1558 durch Helfershelfer Grumbachs ermordet wurde161. Seit Generatio- nen war kein Attentat auf einen Reichsfürsten, geschweige denn einen Bischof, vorgekommen. Ferdinand mag zusätzlich betroffen gewesen sein, denn er hatte noch in Mergentheim dem Bischof den Rat gegeben, auf einen Vergleich mit dem Ritter bedacht zu sein162. Die Untat ließ sehr deutlich werden, wie minimal die exekutiven Möglichkeiten des Kaisers waren: Mit einem allgemeinen Man- dat, in dem er die Fahndung nach den mutmaßlichen Tätern, ihre Verhaftung und Bestrafung anordnete, mußte er sich bescheiden; die Ankündigung, falls ein Stand seine Anordnung nicht befolge, könne er „nit umbgeen ... auf andere geburende mittel und weg zu gedenken“, damit das Verbrechen geahndet wür- de, war eine leere Drohung163. Auf die meisten Reichsstände hatte die Ermordung des Kirchenfürsten je- doch keine Fanalwirkung. Die aus diesem Anlaß während der Maitagung des Landsberger Bundes von Ferdinands Vertretern eingebrachten Vorschläge wurden so reserviert aufgenommen, daß Zasius und seine Kollegen zu dem ernüchternden Fazit kamen, die anderen Bundesmitglieder glaubten sich vom Kaiser überfordert164. Die österreichischen Räte hatten Kritik an der Umset- zung der Exekutionsordnung durch die Kreise geübt und beantragt, die vom Bund ohnehin unterhaltenen Reiter zu ständigen Patrouillen in besonders ge- fährdeten schwäbischen Gebieten einzusetzen, auch wenn sie nicht zum Bund gehörten, und zu bevollmächtigen, notfalls Verhaftungen von Friedensbrechern vorzunehmen, übrigens mit der Begründung, wenn man nichts unternehme, werde die Einung jegliche Reputation verlieren. Das wurde von sämtlichen anderen Mitgliedern, angeführt von Bayern, als Überdehnung der defensiven Bundesaufgaben abgelehnt165. Man befürchtete also, der neue Kaiser wolle die militärische und finanzielle Kapazität des Bundes doch zu weiter gespannten Zielen verwenden. Und auf die Initiative, den schwäbischen Ständen Beitrags- erleichterungen zu gewähren166, hatten besonders die Bayern zurückhaltend, ja mißtrauisch reagiert; Zasius hatte zu melden, Herzog Albrecht habe dahinter die Absicht gesehen, „als täten E. Kais. Mt. sollicher einnemung vielleicht zu irem sondern, ich wais nit was vortl [= Vorteil] nachfechten“167, was er natür- lich in Abrede gestellt hatte. Der habsburgische Rat leugnete mithin die Erfah- rung, daß diese traditionell habsburgischen Klientel zur Verstärkung des öster- 160 Goetz, Beiträge, S.122 161 Chr. Bauer, S. 565ff mit Nachweisen. Grumbach selbst war nicht dabei und hat behauptet, es sei nur eine Entführung beabsichtigt gewesen (Beck 1, S. 440f). 162 Beck 1, S. 439; Chr. Bauer, S. 564 163 HHStA Wien, RK Rig 40, fol 173r-174: undatiertes Mandat [ca. 6.5.1558] 164 HHStA Wien, RK Rig 35, fol 230r-243v: Bericht der österreichischen Vertreter Zasius und Zott von Pernegg an F. über die Bundestagung, Landsberg, 15.5.1558. 165 Goetz, Beiträge, S. 119f 166 Goetz, Beiträge, S. 118 167 Goetz, Beiträge, S. 114: Zasius an F., 3.5.1558 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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