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Aktivitäten zur Friedenssicherung seit 1558 541
reichischen Einflusses beizutragen pflegte. Überdies hatte der Appell der Öster-
reicher an die schwäbischen Stände, ihr Eintritt werde der Mehrung des kaiser-
lichen Ansehens im Reich und der Sicherung des Friedens in Oberdeutschland
dienen168, keinen Erfolg. Sie lehnten sowohl wegen der Kosten als auch unter
Hinweis auf ihre Pflichten gegenüber dem Schwäbischen Kreis ab169, und folg-
lich blieb die erhoffte Sogwirkung auf die kleinen Reichsstädte in Oberschwa-
ben aus. Zwei Monate später scheiterte Österreich mit dem Antrag, die Kriegs-
kasse (den „großen Vorrat“) auf 100000 Gulden aufzustocken170. Durch all
diese Mißerfolge der Österreicher wurden die Grenzen der Belastbarkeit des
Landsberger Bundes deutlich markiert. Die gleichzeitig auf Drängen Bayerns
und mit Ferdinands Zustimmung vorgenommene Satzungsänderung, durch die
das Amt des Bundeshauptmanns auf Dauer an Herzog Albrecht übertragen
wurde, bedeutete, so plausibel die Gründe im einzelnen sein mochten171, eine
weitere Minderung der Instrumentalisierbarkeit für den Kaiser, verlor er doch
die – bislang gegebene, wenn auch absichtlich nicht wahrgenommene – Mög-
lichkeit, selbst oder durch einen seiner Söhne als Bundeshauptmann den Einsatz
der Bundeskräfte zu dirigieren. Die Werbungen um die Wetterauer Grafen,
Frankfurt und anscheinend auch Straßburg endeten gleichfalls negativ.
Ebenso waren die Reaktionen der Reichsstände auf sein Ersuchen172, die
französischen Truppenwerbungen im Reich zu unterbinden, geeignet, dem
neuen Kaiser seinen geringen Einfluß zu demonstrieren: Neben wohlfeilen
Sprüchen, man wünsche nichts mehr als einen Friedensschluß zwischen den
westeuropäischen Königen173, wurde dem kaiserlichen Aufruf die Rechtsbasis
bestritten174, und es gab Klagen über Werbungen Philipps II. im Reich175. In
einem Privatbrief an Herzog Albrecht schien Ferdinand vor dem starken fran-
zösischen Einfluß im Reich verzagen zu wollen: Es sei ihm unverständlich, wie
ein deutscher Fürst sich überhaupt zum Dienst für den französischen König
überreden lassen könne, denn „wer im dient, dient dem Türgken auch, dieweills
punntsgenosen sein“, und der Franzose beabsichtige doch „allain zerspalltung,
krieg unnd vertilgung des heiligen reichs und teutscher nation unsers vatter-
landts“; aber er wisse leider kein Mittel, das zu ändern176. Wichtiger als diese
resignative Äußerung sind indessen Überlegungen des Kaisers, wie man die aus
Frankreich zurückkehrenden Söldnerhaufen überwachen und notfalls bekämp-
fen könnte. Nachdem er den Landsberger Bund nicht dafür hatte gewinnen
können, die unter Sold gehaltenen Kontingente auch außerhalb der Territorien
der Bundesglieder mit Ordnungsaufgaben zu betrauen, wandte er sich im
168 Goetz, Beiträge, S. 118 Anm. 1
169 Goetz, Beiträge, S. 122f
170 Goetz, Beiträge, S. 125
171 Dazu Goetz, Beiträge, S. 120 Anm. 2 u. S. 125 Anm. 2
172 Druck des Schreibens an Kursachsen (Wien, 6.5.1558) bei Heidenhain, Beiträge, S. 178–180
173 Antwort Kursachsens (HHStA Wien, RK Rig 40, fol 159r-160v)
174 So Philipp von Hessen (Heidenhain, Beiträge, S. 44 u. S. 190–192)
175 Schreiben des Bischofs Bernhard von Münster v. 29.5.1558 (HHStA Wien, RK Rig 40, fol 168r-
169v)
176 BHStA München, KÄA 4460, fol 239r: F. an Albrecht, Wien, 8.8.1558 (Eigh. Or.; Kopie ebda,
fol 237r/v)
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien