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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich544
käme, werde das zu einer Schmälerung der kaiserlichen Reputation beitragen192.
Da es den KurfĂĽrsten von Mainz und der Pfalz aber glĂĽckte, die aus Frankreich
abrückenden Söldnerverbände, die tatsächlich von Grumbach geführt wurden,
zum Auseinandergehen zu bewegen, entfiel die Notwendigkeit zu konkreten
AbwehrmaĂźnahmen193.
Im Oktober 1558 konnte der Kaiser endlich den jahrelangen Konflikt zwi-
schen Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach und den drei
Fränkischen Einungsverwandten beilegen und damit eine latente Bedrohung
des Reichsfriedens beseitigen. Er hatte die gespannten Verhältnisse in Franken
selber hautnah erlebt, als es während seiner Anreise nach Frankfurt zwischen
dem von der Stadt NĂĽrnberg gestellten Geleit und Leuten des Markgrafen, der
seinerseits das Geleit beanspruchte, zu Handgreiflichkeiten gekommen war, die
nur durch Ferdinands persönliches Eingreifen geschlichtet worden waren194.
Der Ausgleich gelang, nachdem er sich bereit erklärt hatte, selbst 82000 Gulden
zur Entschädigung des Hohenzollern vorzuschießen, bei seiner chronischen
Geldnot ein respektables Angebot195. Dagegen blieb Niedersachsen ein Unru-
heherd, aus dem selbst im Winter Nachrichten ĂĽber verbotene Truppenwer-
bungen an den Kaiserhof gelangten196. Insofern hatte der – von Österreich an-
geregte – Antrag des Landsberger Bundes an den Kaiser, auf dem bevorstehen-
den Reichstag müsse über die Behebung von Mängeln bei der Wahrung des
Landfriedens beraten werden, seine Berechtigung197. In der Proposition fĂĽr den
Reichstag in Augsburg wurden die Reichsstände aufgefordert, Verbesserungs-
vorschläge zur Exekutionsordnung zu machen, denn es seien etliche Mängel
deutlich geworden, die aber nicht präzisiert wurden198. Tatsächlich wurden
mehrere Änderungen beschlossen, doch erfuhren die kaiserlichen Kompetenzen
dabei keine Verstärkung199. Über konkrete Anträge von kaiserlicher Seite bzw.
durch Österreich ist nichts bekannt. –
Auch der letzte größer angelegte Versuch Ferdinands, den Landfrieden durch
kooperierende regionale Einungen effizienter zu sichern, eine Variante seiner
Konzeption von 1553, blieb erfolglos. Zum einen sollte der Landsberger Bund
durch hochrangige, vor allem protestantische, Reichsstände verstärkt, zum ande-
ren ein zweites RegionalbĂĽndnis am Mittel- und Niederrhein geschaffen werden.
Der Kaiser hat das zweiteilige Projekt ungefähr ein Jahr lang verfolgt, im Herbst
1560 gab er es wegen der ablehnenden Reaktion der eingeladenen protestanti-
schen FĂĽrsten auf, um nicht durch weiteres Beharren auf einer aussichtslosen
Sache des Bundes und sein eigenes Prestige zu beschädigen200.
192 Goetz, Beiträge, S. 138ff
193 Heidenhain, Beiträge, S. 165; Ortloff 1, S. 174f
194 Kircher, S. 108f
195 Bucholtz 7, S. 225; Chr. Bauer, S. 503
196 HHStA Wien RK Rig 40, fol 322r-323v u. 324r-325v. Pikanterweise behauptete der verantwort-
liche Offizier, er werbe im Auftrag des Kaisers!
197 Goetz, Beiträge, S. 139 mit Anm. 3
198 HHStA Wien, RK RTA 42, fol 67r/v
199 Die wichtigsten Änderungen bei Bucholtz 7, S. 524f; vgl. Laufs, Schwäbischer Kreis, S. 314–316
200 Weitere fruchtlose Beitrittseinladungen würden „verclainerung pringen“ (F. an Herzog Al-
brecht, Wien, 16.9.1560 in HHStA Wien, RK Rig 42a, Konz.).
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂĽnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien