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AktivitÀten zur Friedenssicherung seit 1558 547
Niederlanden benachbarten ReichsfĂŒrsten an. Der neue Kaiser belieĂ es bei
einer folgenlosen SympathieerklĂ€rung214. Aus GrĂŒnden der dynastischen Soli-
daritÀt konnte Ferdinand seinem Neffen zwar keine abschlÀgige Antwort ge-
ben; solange jedoch dessen Krieg gegen Frankreich andauerte, konnten Allian-
zen einzelner ReichsstĂ€nde mit ihm als einer kriegfĂŒhrenden Macht die Span-
nungen in Deutschland allenfalls erhöhen.
Am Zustandekommen einer rheinischen Einung nach seinen Vorstellungen
war Ferdinand durchaus interessiert, doch ging er sehr behutsam vor, was in
Anbetracht der wilden GerĂŒchte, die bei den Protestanten ĂŒber schlimme Ab-
sichten der katholischen MĂ€chte kursierten, zweifellos geboten war215. WĂ€h-
rend er es dem Trierer KurfĂŒrsten ĂŒberlieĂ, den Kölner zu gewinnen, erbot er
sich, die Herzöge von JĂŒlich-Kleve und von Lothringen sowie die Stadt Köln
anzusprechen; der Kölner Erzbischof sollte sich dann um den Bischof von LĂŒt-
tich bemĂŒhen216. Den KurfĂŒrsten von Mainz hĂ€tte Ferdinand, weil dessen Ter-
ritorium in Franken an das EinfluĂgebiet des Landsberger Bundes grenzte,
anfangs lieber in diesen gezogen217. Das Interesse des Kaisers erhellt aus seiner
Mahnung, als die Berichterstattung aus Trier auf sich warten lieĂ, er könne âzu
erhaltung frid und rue im heilligen Reich nochmallen bei uns kainen pessern
und fĂŒrtrĂ€glichern weg befinden als das etliche fridliebende chur- und fĂŒrsten in
ainmuetige gewisse verstendtnus mitainander gebracht wurdenâ218. Ein erster
Erfolg schien greifbar, als die drei geistlichen KurfĂŒrsten nach einem Treffen
anboten, sich an einer Vereinigung âvast auf die mainung wie die Landspergisch
istâ zu beteiligen219. Philipp II. wollte sich anschlieĂen, nachdem er sich mit
dem Bischof von Arras, seinem deutschlandpolitischen Berater, verstÀndigt
hatte, daĂ die rheinische Einung eine gute Sache sei220.
Die entscheidende Schwierigkeit war, auch protestantische Mitglieder zu ge-
winnen. Ferdinand hat offenbar schon beim ersten GesprÀch mit Johann von
Trier darauf bestanden, StÀnde beider Konfessionen einzubeziehen221. Jedoch
waren die beiden mĂ€chtigsten zunĂ€chst sitzenden evangelischen FĂŒrsten, Fried-
rich von der Pfalz und Philipp von Hessen, die gegen jede habsburgische Initia-
tive miĂtrauischsten. Die politische Notwendigkeit, sie trotzdem einzuladen,
hat Margarete von Parma in einem Bericht an Philipp II. prÀgnant formuliert:
âafin quâilz ne puissent dire, qui eust seullement requis les princes catholicques,
214 Bericht Oraniens bei Groen van Prinsterer, S. 30f; vgl. dazu Maurenbrecher, HZ 50, S. 53
215 Zu den GerĂŒchten vgl. Heidenhain, Unionspolitik, S. 111 Anm. 16, S. 124 Anm. 49 u. Beilagen
S. 53; Kluckhohn, Briefe 1, S. 129 Anm. 1; Goetz, BeitrÀge, S. 175 Anm. 1 u. S. 179 Anm. 2; s.
auch Kapitel 10, S. 622
216 Goetz, BeitrÀge, S. 172
217 Goetz, BeitrÀge, S. 165f
218 HHStA Wien, RK Rig 42a: F. an KurfĂŒrsten von Trier, Wien, 9.4.1560; erwĂ€hnt bei Goetz,
BeitrÀge, S. 172 Anm. 1
219 Goetz, BeitrÀge, S. 192 (Mitteilung Selds an Herzog Albrecht v. 13.5.1560)
220 Arrasâ Gutachten v. 22.12.1559 und Philipps zustimmende Antwort v. 7.3.1560 bei Weiss Bd. 5,
S.670 und Bd.6, S. 12
221 Heidenhain, Unionspolitik, S. 125 Anm. 49 referiert aus hessischen Akten eine entsprechende
Mitteilung des Erzbischofs an einen EmissĂ€r des Landgrafen; seine Zweifel an ihrer GlaubwĂŒr-
digkeit waren unberechtigt.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂŒnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien