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Aktivitäten zur Friedenssicherung seit 1558 549
es gab schon gegen die von ihm befürwortete Aufnahme des fränkischen Ho-
henzollern hinhaltenden Widerstand232. Dabei war offensichtlich, daß wegen
der anhaltenden Umtriebe Grumbachs Handlungsbedarf bestand. Der Versuch,
zwischen dem Ritter und den fränkischen Ständen, insbesondere dem Bischof
von Würzburg, einen Ausgleich zu vermitteln, war während des Augsburger
Reichstages gescheitert233, der Einfluß Grumbachs auf die nach dem Frieden
von Cateau-Cambrésis beschäftigungslosen deutschen Söldnerführer aber nur
schwer abzuschätzen234. Da Grumbach in engen Beziehungen zu den ernestini-
schen Herzögen stand, nahm man in Wien wohl an, daß Kurfürst August we-
gen seines gespannten Verhältnisses zu seinen sächsischen Vettern beunruhigt
wäre235. Überdies machte der kaiserliche Emissär, der Landvogt der Niederlau-
sitz Bohuslav von Hassenstein, kein Hehl daraus, daß Ferdinand auch hoffte,
der Beitritt Augusts werde den Kurfürsten Joachim dazu bewegen, das Gleiche
zu tun236. Im Zentrum der Argumentation stand aber, den Landsberger Bund
als überkonfessionelle Landfriedenseinung darzustellen. An der Bundesmit-
gliedschaft der Städte Augsburg und Nürnberg sei zu erkennen, „das die stende
der Augspurgischen Confession aus solcher ainung nit ausgeschlossen, wie
dann im grundt dieselb mit der religion nichts zu schaffen, sonder allain zu
erhalltung frid und rue der verainigten stende angesehen“237; und es sei „eyn
grosser unterschid zwischen disen landspergischen und dem gewesenen
schmalkaldischen puntt, dann der landspergisch wyrtt zu erhaldung frydens
gestyfft“, darum trachte der Kaiser danach, „die chur- und fürsten der augspur-
gischen religionsverwandten so wol des andern teils allayn um frydens wegen
yn dis vertreulich verbundnis zu pringen“238. August erkannte die Nützlichkeit
auch an und gab seinerseits dem Landgrafen Philipp zu bedenken, die Teilnah-
me etlicher protestantischer Fürsten an der rheinischen Einung könne vertrau-
ensbildend wirken239. Doch trotz aller Überzeugungsarbeit Hassensteins, der
selbst Protestant war240, scheute der Sachse die engere Bindung, obwohl er
grundsätzlich zur politischen Kooperation mit Ferdinand bereit war, der ja als
König von Böhmen sein Nachbar im Süden war. Die Warnungen, die Philipp
von Hessen an ihn gelangen ließ, im Landsberger Bund gelte das Mehrheits-
prinzip, die Protestanten wären darin aber in der Minderheit, blieben nicht
ohne Wirkung241. Da August nichts getan hatte, um die theologischen Streitig-
232 Mogge, S. 101f
233 Ortloff 1, S. 181ff
234 Dazu Press, Grumbach, S. 400f
235 Eine an beide sächsischen Höfe gerichtete Anfrage aus Wien, was es mit einem Treffen mehrerer
Rittmeister mit Grumbach auf sich habe (HHStA Wien, RHRP 18, fol 5v und 6r: Schreiben
Ferdinands an August, 30.1.1560 und Johann Friedrich, 1.2.1560), verfolgte gegenüber August
zweifellos die Absicht, ihn für die Gefahr zu sensibilisieren und für die folgende Einladung ge-
neigt zu machen.
236 Goetz, Beiträge, S. 180f: Bericht Hassensteins v. 2.3.1560
237 HHStA Wien, RK Rig 42a: Weisung Ferdinands an Hassenstein, Wien. 19.6.1560 (Konz.)
238 Ebda: Bericht Hassensteins an F., Leitmeritz, 22.7.1560
239 Goetz, Beiträge, S. 197; vgl. M. Ritter, August von Sachsen, S. 300
240 Vgl. Mollwo, S. 531; Bahlcke, S. 172
241 Vgl. Mogge, S. 103
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien