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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich550
keiten im evangelischen Lager überwinden zu helfen, und sich seit mehreren
Jahren allen Plänen seiner fürstlichen Glaubensbrüder verschloß, einen neuen
protestantischen Bund zu gründen242, mag er zudem gefürchtet haben, sich
durch einen Beitritt zu isolieren243. Seine im August 1560 schließlich erteilte
Antwort enthielt zahlreiche Bedenken und machte ihre Zurückstellung von
erfolgreichen Werbungen des Kaisers bei mehreren anderen norddeutschen
Ständen abhängig244. Völlig zu Recht interpretierte Ferdinand das als verklau-
sulierte Ablehnung und verzichtete auf die Fortsetzung der Verhandlungen245.
Seld vermutete sogar, die von August geforderte Einbeziehung so vieler Prote-
stanten ziele dahin, „das man auf demselben tail gern wolt die merung der
stimmen haben“246; und Herzog Albrecht schien das einzuleuchten, denn er
kam zu dem Schluß, lieber auf die Hereinnahme weiterer protestantischer Stän-
de zu verzichten, weil sie die Verlängerung des Bundes erschweren und für die
Katholiken nachteilige Änderungen der Bundessatzung anstreben könnten247.
Die katholische Majorität wollte man also unbedingt erhalten, das sah Philipp
von Hessen zweifellos richtig. Der Kaiser akzeptierte die Beurteilung seines
Schwiegersohns248. Zu einer Wiederaufnahme seiner aktiven Bündepolitik ist
Ferdinand nicht mehr gekommen, er hat sie in den letzten Jahren seiner Regie-
rung hinter anderen Gesichtspunkten zurücktreten lassen.
Seit der öffentlichen Ankündigung des Papstes am 3. Juni 1560, er sei zur
Fortsetzung des Trienter Konzils entschlossen, tritt als ein Grundzug der kai-
serlichen Politik das Bestreben hervor, wo immer möglich der Aufladung von
Spannungen im Reich oder auf internationaler Ebene entgegenzuwirken, denn
Frieden im Reich wie in Europa war eine Voraussetzung für das Konzil. Da die
Teilnahme der Protestanten am Konzil zu Ferdinands Zielen gehörte, bezog er
in der Phase der Vorverhandlungen nicht nur ihre Forderungen hinsichtlich der
Modalitäten des Konzils in seine Überlegungen ein, sondern auch ihre politi-
schen Ängste und Drohgebärden.
Allein die Begrüßung des neu gewählten Papstes Pius IV. durch einen Son-
dergesandten des Kaisers hatte genügt, um Gerüchte auszulösen. Ferdinand sah
sich veranlaßt, mehreren Fürsten zu versichern, es liege ihm fern, mit Hilfe des
neuen Papstes und ausländischer Mächte den Religionsfrieden „zu verstören“
242 So z.B. mit Schreiben v. 18.9.1558 an Philipp (HStA Marburg, PA 2809, fol 32v: „weil jetzund
der religions fride aufgericht und die jetzige Kay. Mt. ein friedlicher herr seint, würde ein Bünd-
nis der Protestanten für die anderen Stände ein „seltzam ansehen“ haben. Weitere Nachweise bei
Heidenhain, Unionspolitik, S. 121ff.
243 Dahin deutet seine Bemerkung zu Hassenstein, wenn er sich allein dem Bund anschließe, wür-
den ihn seine Glaubensgenossen behandeln, wie es der Kaiser ihm nicht gönnen werde (Goetz,
Beiträge, S. 200 Anm. 1); vgl. auch Heidenhain, Unionspolitik, S. 187.
244 Goetz, Beiträge, S. 199f; Maurenbrecher, HZ 50, S. 80f
245 Weisung an Hassenstein v. 16.9.1560 (HHStA Wien, RK Rig 42a; ebda. sein gleichzeitiges Re-
sümee gegenüber Herzog Albrecht; beide erwähnt bei Goetz, Beiträge, S. 200 Anm. 1)
246 Goetz, ebda.
247 Goetz, Beiträge, S. 204
248 Ebda, Anm. 1. Die Formulierung von Mogge, S. 133, Ferdinand habe den Bund „zur großen
Vereinigung aller Friedenswilligen im Reich auszubauen versucht“, geht zu weit.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien