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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 554 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 8: Friedenssicherung im Reich554 Glaubensgenossen zu benutzen273. Zeitweise gehörte es auch zur Abwehrstra- tegie, jenes Gerücht einerseits als französische Machenschaft zu diskreditieren und andererseits zu betonen, weder die katholischen Stände noch der Kaiser ließen sich durch die bedrohlichen Kontakte der Protestanten zu Frankreich in ihrer Treue zum Religionsfrieden irre machen274. Außerhalb des Einflußbereiches des Landsberger Bundes mußte Ferdinand sich mit Mahnungen und Erinnerungen an die Landfriedensordnung begnügen; insbesondere Nachrichten von nicht genehmigten Truppenwerbungen im nie- derdeutschen Raum boten ihm wiederholt Anlaß dazu275. Manchmal bewirkte das Ansehen, das er sich bei vielen Reichsfürsten erworben hatte, daß die Kon- fliktparteien einlenkten. Ohne angerufen zu sein, erließ er, wenn er glaubwür- dige Informationen zu haben meinte, daß zwei Fürsten irgendeines Streites wegen gegeneinander rüsteten, Friedensgebote aus kaiserlicher Vollmacht und verlangte, den Rechtsweg oder gütlichen Austrag statt der Gewaltanwendung zu suchen, weil er sich „aus kaiserlichem obligendem ambt schuldig erkenne, alle solche thetliche handlungen so sich im heilligen reich erregen möchten, unsers pesten vermügens aufzuheben und abzuschaffen, auch unsers und des heiligen reichs gemainen landtfriden bey meniglich hoch und nidern standts zu erhalten und handtzuhaben“276. Dennoch kam es besonders in den „königsfer- nen“ Gebieten zu etlichen argen Friedensstörungen, die Ferdinand mangels effizienter Eingriffsmöglichkeiten sich austoben lassen mußte. So zeigten Kaiser und versammelter Reichstag im Sommer 1559 keine Reaktion, als Herzog Adolf von Holstein mit Hilfe Dänemarks, also einer auswärtigen Macht, die Dithmar- scher Bauern gewaltsam seiner Botmäßigkeit unterwarf277. Die Truppenwer- bungen der Fürsten im Norden wurden natürlich mit Sorgen registriert, und es kursierten recht unsinnige Gerüchte über vermeintliche Absichten des Her- zogs278. Doch dann traf gleichzeitig mit dem Beginn des Feldzuges, also zu einem Zeitpunkt, als es für jeden Einspruch zu spät war, ein Bote des Holstei- ners in Augsburg ein, um Kaiser Ferdinand über das Ziel zu informieren279. Einen Monat später, nach den blutigen Niederlagen der Dithmarschen, notierte Wiguläus Hundt in Augsburg, daß kaum jemand Mitleid mit ihnen habe280. Von Ferdinand, der als junger Erzherzog den Bauernkrieg in Tirol erlebt hatte, 273 Ebda, fol 541r-557r: Relation der kaiserlichen Kommissare v. 29.1.1562 (hier fol 551r). Ebenso wurde Karlowitz (s. Anm. 289) gebeten, bei jeder passenden Gelegenheit zu dementieren (ebda, fol 161v: Punkte für die Antwort an Karlowitz). Das klappte auch, wie z.B. der Brief des Kur- fürsten August an Landgraf Philipp v. 16.2.1562 zeigt (Heidenhain, Unionspolitik, Beilagen S. 91). 274 Vgl. z.B. das bei Heidenhain, Unionspolitik, S. 383 Anm. 45 referierte Schreiben von Zasius an Philipp von Hessen v. 1.1.1562; ferner die Äußerungen Maximilians in VD 3, S. 201 275 Vgl. z.B. sein Schreiben an Herzog Adolf von Holstein und andere Fürsten v. 6.2.1560 bei Bucholtz 9, S. 567ff 276 Friedensgebot an Christoph von Württemberg und Philibert von Baden v. 9.12.1560 (HHStA Wien, RHRP 18, fol 51v/52r). In diesem Fall gelang es ihm, eine Vermittlung durch zwei andere Fürsten in die Wege zu leiten (CDI 98, S. 192). 277 Zur Sache Stoob, S. 108 u. S. 126; M. Ritter, Geschichte 1, S. 196f 278 Stevenson 1, Nr. 697, S. 259: Bericht Mundts v. 17.5.1559 279 Ebda, Nr. 735, S. 273: Bericht v. 24.5.1559 280 Mayer, S. 243 (Brief v. 25.6.1559) CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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