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Der Grumbach-Skandal und der Wormser Deputationstag 1564 555
waren keine Sympathien für die Dithmarscher Bauern zu erwarten, zumal die
Rechtslage eindeutig zugunsten des Herzogs zu sprechen schien, den Karl V.
1548 mit Dithmarschen belehnt hatte, wobei er die Ansprüche des Erzbischofs
von Bremen übergangen hatte281. Einen Einspruch des Erzbischofs hat Ferdi-
nand im Mai 1560 an das Reichskammergericht verwiesen282.
Der Grumbach-Skandal und der Wormser Deputationstag 1564
Der letzten großen Störung des Landfriedens in Süddeutschland, mit der Ferdi-
nand konfrontiert wurde, zeigte sich der Landsberger Bund nicht gewachsen.
Das Frühjahr 1563 brachte wiederum viel Unruhe, weil etliche Fürsten rüsteten,
ohne daß man genau wußte, was sie planten283. Am Kaiserhof wurden deshalb
Generalmandate beschlossen, die die Beachtung des Landfriedens einschärfen
und „wider das geurlaubt frantzosisch und ander im reich versamblet kriegs-
volck“ gerichtet sein und an die Kurfürsten sowie die kreisausschreibenden
Fürsten verschickt werden sollten284. Der skandalöse Überfall Wilhelms von
Grumbach auf Würzburg Anfang Oktober 1563 war allerdings unter den da-
maligen Gegebenheiten kaum zu verhindern, obwohl man wußte, daß Grum-
bach, dessen Zwist mit dem Stift noch immer nicht beigelegt war, im Zusam-
menhang mit den französischen Truppenwerbungen im Reich wieder Kontakt
zu seinen früheren Partnern aufgenommen hatte285. Der Ritter hatte den An-
schlag auf Würzburg von langer Hand und unter dem Schutz Johann Friedrichs
von Sachsen vorbereiten können286. Auch kam ihm zugute, daß die Öffentlich-
keit im Reich durch die Spannungen zwischen den nordischen Mächten Schwe-
den und Dänemark287 sowie durch die Aktionen des Herzogs Erich II. von
Braunschweig-Calenberg im Sommer 1563 beansprucht wurde288. Der Plünde-
rungszug, den dieser fürstliche Condottiere gegen das Stift Münster unternahm,
offenbarte die Schwächen der Kreisverfassung in großer Schärfe, und auch ge-
gen seinen Zug nach Osten im August wußte man kein Abwehrmittel289. Zeit-
weilig bestanden sogar Kontakte zwischen Grumbach und dem Calenberger290.
Erst als Erich seine Truppen verlassen hatte und diese von Polen ins Reich zu-
rückkehren wollten, wurden sie von einem Aufgebot des zuständigen nieder-
281 Stoob, S. 110. Die Dithmarschen anerkannten eine lockere Lehnshoheit des Erzbischofs (ebda, S.
108).
282 BHStA München, KÄA 4306, fol 463v: Seld an Herzog Albrecht, Wien, 13.5.1560
283 Vgl. Kugler, Christoph 2, S. 388 Anm. 214; Schneider, Kreis, S. 114
284 HHStA Wien, RHRP 21, fol 46r: Eintrag zum 10.4.1563
285 Kluckhohn, Briefe 1, S. 463
286 Zu den Einzelheiten Ortloff 1, S. 392ff
287 Mehrere Einträge zwischen Juli und September in HHStA Wien, RHRP 21, fol 118v und
132r/v; zur Sache Arnheim, S. 449ff
288 Mogge, S. 137; Goetz, Beiträge, S. 269 Anm. 1
289 Häberlin 5, S. 599f; Gittel, S. 78. Zur Hilflosigkeit der Kreise gegenüber Erichs Truppenwer-
bungen Häfner, S. 22f, Schneider, Kreis, S.115ff. Die vom niedersächsischen Kreis beantragte
Ächtung lehnte Ferdinand Ende August ab, weil er gerade Gesandte an Erich geschickt habe
und das Ergebnis abwarten müsse (HHStA Wien, RHRP 21, fol 132r/v: Eintrag zum 30.8.1563).
290 Ortloff 1, S. 382f
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien