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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich556
sächsischen Kreises aufgelöst291. Der fränkische Kreis versagte gegenüber der
Provokation Grumbachs kläglich, und auch Herzog Albrecht widerrief seine
die Truppen des Landsberger Bundes aufbietenden Befehle, als er erfuhr, daß
das Würzburger Domkapitel sich von Grumbach, der einen Domherrn als Gei-
sel genommen hatte, zu einem die alten Ansprüche des Ritters befriedigenden
Vertrag hatte pressen lassen, worauf jener abgezogen war292. Auf dem für eine
wirksame Aktion viel zu spät terminierten Bundestag herrschte Übereinstim-
mung, daß die Friedensbrecher bestraft werden müßten, indessen sei dafür der
Verein nicht zuständig, vielmehr sei das Aufgabe von Kaiser und Reich293.
Die Reaktionen des Kaiserhofes, der sich zu jener Zeit in Preßburg befand,
wo Maximilian zum ungarischen König gekrönt worden war, auf die ersten
Nachrichten von Grumbachs Überfall zeigten, daß man der Angelegenheit von
Anfang an erhebliche Bedeutung beimaß, auch wenn der Kaiser sich zu einer
demonstrativen sofortigen „Rückkehr ins Reich“ nicht entschließen mochte.
Die Regierung in Innsbruck erhielt Anweisung, alle Vorbereitungen zu treffen,
um auf Anforderung die fällige Bundeshilfe leisten zu können; außerdem sollte
sie zwei Fähnlein Knechte ausrüsten, die als Schutztruppe für die Stadt Regens-
burg fungieren sollten294. Die Markgrafen Hans und Johann Georg von Bran-
denburg wurden aufgefordert, sich ihrer Bestallung gemäß zur Verfügung zu
halten295. Im kaiserlichen Hofrat wurde eine Verwarnung der ernestinischen
Herzöge beschlossen, obwohl keineswegs klar war, ob sie etwas mit dem An-
schlag zu schaffen hatten296. Am wichtigsten aber waren zwei am 13. Oktober
1563 getroffene grundsätzliche Entscheidungen: Zum einen wurde der Erzbi-
schof von Mainz aufgefordert, umgehend einen Reichsdeputationstag einzube-
rufen, weil „die sach keinen verzug leiden wolle“297. Zum anderen wurde ein
allgemeines Mandat des Kaisers ausgearbeitet, in dem festgestellt wurde,
Grumbach und zwei seiner Helfershelfer seien als notorische Friedensbrecher
gemäß den Bestimmungen des Augsburger Reichsabschieds von 1559 der
Reichsacht verfallen, und jedem, der sie künftig unterstütze, die Ächtung ange-
droht wurde. Am 6. November ließ der Kaiser, ohne auf die angstvollen Ein-
wände des Würzburger Bischofs Rücksicht zu nehmen, das vorbereitete Man-
dat zur Exekution der Acht in erweiterter Form – es wurden weitere Beteiligte
als Geächtete namentlich aufgeführt – publizieren298.
Parallel dazu traf Ferdinand die Entscheidung, den Vertrag zwischen Grum-
bach und dem Stift Würzburg nicht anzuerkennen. Bischof und Domkapitel,
die sich daran halten wollten, wurden belehrt, der erzwungene Vertrag könne
„weder in gotlichen noch menschlichen rechten kain bestand, crafft noch macht
haben“ und sei dem Kaiser „als dem haupt, so dardurch hochlich belaidigt,
291 Gittel, S. 79
292 Ritter, Geschichte 1, S. 233f; Mogge, S. 139ff
293 Goetz, Beiträge, S. 273: Protokoll v. 25.10.1563
294 HHStA Wien, RK Rig 35, fol 668v-670v: Weisungen v. 12. und 13.10.1563
295 Ebda, RHRP 21, fol 153r; vgl. Ortloff 1, S. 435
296 Ebda, fol 152v; den Inhalt und die Reaktion der Ernestiner referiert Ortloff 1, S. 437f.
297 Ebda, fol 153r-154r (auch zum Folgenden)
298 Druck bei Ortloff 1, S. 537–540; die Würzburger Bedenken bei Beck 1, S. 455f
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien