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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich558
Landtfriden zulest“308. Mit seinem neuen Gewaltakt, zu dem Grumbach sich
„aus einer immer noch vom Fehderecht geprägten Mentalität“ befugt glaubte309,
entzog er nicht nur einer neuen Initiative des Mainzer Kurfürsten zur gütlichen
Beilegung die Grundlage310, es gab am Kaiserhof jetzt keinen Zweifel mehr, daß
der Ritter sich außerhalb des Reichsrechts gestellt hatte.
Die in den kaiserlichen Verlautbarungen bekundete Entschlossenheit sticht
ab von der sehr zurückhaltenden Instruktion für die wegen jenes Landfriedens-
bruchs von Herzog Albrecht einberufene Versammlung des Landsberger Bun-
des. Zwar sollten von den fränkischen Ständen beantragte konkrete Hilfelei-
stungen befürwortet werden; wenn aber von jenen kein Initiativantrag käme,
sollte von dem „Wagnis“, mit Gewalt gegen Grumbach vorzugehen, abgeraten
werden, auch wegen des finanziellen Aufwandes für den Bund; stattdessen müs-
se der nächste Reichstag erörtern, wie die nachlässige Handhabung der Exeku-
tionsordnung abgestellt werden könne311. Wegen fehlender Kenntnis der Sank-
tionsbestimmungen des Würzburger Vertrages hielten der Kaiser und etliche
Räte es für untunlich, Maßnahmen zu beschließen, die Grumbach zu weiteren
Aktionen provozieren konnten, war doch eine erfolgreiche Durchführung im
Winter wenig wahrscheinlich312. Die Divergenz deutet auf Meinungsverschie-
denheiten am Kaiserhof und kam auch darin zum Ausdruck, daß es die öster-
reichischen Vertreter waren, die auf der Landsberger Bundestagung den Be-
schluß herbeiführten, der Kaiser möge den Vertrag zwischen dem Stift Würz-
burg und Grumbach nicht bestätigen313, während Ferdinand an Herzog Al-
brecht hatte schreiben lassen, er wolle sich von der Meinung der Mehrheit nicht
absondern314. Eine Ursache für die unklare Haltung mag gewesen sein, daß die
körperlichen und geistigen Kräfte Ferdinands spürbar abnahmen, worüber Seld
damals ebenso klagte wie Maximilian; beide attestierten dem Kaiser guten Wil-
len, während sie für sich in Anspruch nahmen, für energischere Maßnahmen
einzutreten315.
Jene Instruktion enthüllt die Absicht, den Fall Grumbach nicht primär als
Angelegenheit des Landsberger Bundes zu behandeln, dessen Mitglied der
überfallene Bischof ja war, sondern ihn zusammen mit der Störung des Land-
308 Vgl. die bei Holtzmann, S. 542f u. S. 544 abgedruckten Briefe Grumbachs v. 25.2.1561 und
Herzog Heinrichs v. 19.5.1561 an Maximilian. Im Dezember 1561 ersuchte Heinrich den Kaiser,
„Grumbach nit zu restitution seiner guetter komen zu lassen, Muelich sey dann auch restitu-
iert“; das wurde als ungehöriger Versuch empfunden, dem Kaiser Vorschriften zu machen
(HHStA Wien, RHRP 19, fol 177v, Eintrag zum 19.12.1561. Zu Muelich vgl. Ortloff 1, S. 150ff).
309 Press, Grumbach, S. 407
310 Krause, S. 32
311 HHStA Wien, RK Rig 35, fol 678r-681r: Instruktion, Preßburg, 18.10.1563 (besieg. Or.). Sie
ersetzte eine noch zaghaftere Ausarbeitung der Innsbrucker Regierung (mit Ungültigkeitsver-
merk ebda, fol 674ff).
312 Das ergibt sich aus der im Reichshofrat besprochenen Antwort auf eine Anfrage Herzog Al-
brechts (ebda, RHRP 21, fol 156r und ergänzend fol 167r).
313 Goetz, Beiträge, S. 273
314 wie Anm. 312
315 Seld an Herzog Albrecht, Preßburg, 12.10. u. 24.12.1563 (Goetz, Beiträge, S. 268 u. S. 277f);
Maximilian an Albrecht, Preßburg, 22.10. u. Prostnitz, 17.11.1563 (BHStA München, KÄA
4461, fol 207 u. fol 213)
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien