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Der Grumbach-Skandal und der Wormser Deputationstag 1564 561
ten Gutachten, das ganz auf den Fall Grumbach konzentriert ist und etliche
erstaunliche Empfehlungen enthält, denen Ferdinand die Zustimmung verwei-
gert hat331. Der unbekannte Autor hat seine Arbeit mit dem Motto „Fiat justitia
aut pereat mundus“ begründet und als beste Maßnahme, der Exekutionsord-
nung Geltung zu verschaffen, die konsequente Bestrafung der Friedensbrecher
bezeichnet. Dazu schlug er Steckbriefe vor und die Ernennung eines Kommis-
sars, der die Fahndung in die Hand nehmen und dazu die Vollmacht erhalten
sollte, gegen verdächtige Schlösser und Ortschaften auch mit Gewalt vorzuge-
hen, was Ferdinand aber zu riskant erschien. Als politisch unklug wies der Kai-
ser den Vorschlag ab, von allen Reichsständen eine feierliche Erklärung einzu-
fordern, daß sie die Exekutionsmandate beachten wollten. Von verdächtigen
Fürsten einen Purgationseid zu verlangen, lehnte er mit der Begründung ab, das
sei nur durchführbar, wenn man genügend Indizien habe. Den problematischen
Rat, den Sohn Grumbachs zu verhaften, um den Vater zur Freilassung seiner
Geisel zu zwingen, bezeichnete der Kaiser als „ungereimt und unthunlich“.
Wenn man bedenkt, daß die beiden kaiserlichen Instruktionen für den De-
putationstag – eine für die Vertreter des Erzherzogs von Österreich als fürstli-
ches Mitglied, eine für die Kommissare des Kaisers als Reichsoberhaupt – sowie
die dort vorgetragene Proposition das Ergebnis mehrwöchiger Überlegungen
waren, erscheinen die Vorschläge zunächst recht bescheiden. Das mag damit
zusammenhängen, daß man sich in Ferdinands Beraterkreis über die begrenzten
Möglichkeiten eines „ordentlichen Deputationstages“ im klaren war. In ge-
schäftlichen Schreiben Ferdinands an seinen Sohn, der für die Veranstaltung
eines Reichstages plädierte, wurde konstatiert, daß der Deputationstag viel
leichter, nämlich ohne zeitraubende Vorverhandlungen mit allen Kurfürsten, zu
erreichen sei, jedoch eingeräumt, daß „auf solchem deputationstag villeicht
nichts entlichs auszurichten sein, sonder der entlich beschluß dises wercks auf
einen gemainen reichstag werde verschoben werden müssen“332; vor allem
dann, wie der Kaiser vier Wochen später präzisierte, wenn es um „newe Con-
stitutiones und satzung, wie in unserem instructions concept vermeldet“ gehe,
weil die Gesandten der Stände wahrscheinlich gar keine Vollmacht zur Be-
schlußfassung hätten333. Darum hatte er zwar nichts dagegen, als Maximilian bei
den beiden ostdeutschen Kurfürsten wegen eines Reichstags sondieren wollte,
ja er genehmigte die Konzession, daß die Herren nicht persönlich zu erscheinen
brauchten334. Auch ließ er die Instruktionen für Worms ergänzen, daß ein
Reichstag dann zu akzeptieren sei, wenn er von anderer Seite vorgeschlagen
würde, und erteilte die Vollmacht, sich über Ort und Termin zu verständi-
331 BHStA München, KÄA 4309, fol 132r-142r. Das undatierte Schriftstück, m.E. eine Kopie,
enthält keine Hinweise auf den Verfasser. Ferdinands Stellungnahmen sind in Randbemerkun-
gen festgehalten; aus ihnen ergibt sich, daß die Proposition für Worms schon fertig war (fol
133v). Ich gebe im folgenden nur ein paar Beispiele, keine erschöpfende Analyse.
332 HHStA Wien, RK RTA 45/3, fol 71r-75r: F. an Maximilian, 25.11.1563; vgl. Neuhaus, Reprä-
sentationsformen, S. 463
333 Ebda, fol 88r-91r: F. an Maximilian, 29.12.1563; vgl. Neuhaus, Repräsentationsformen, S. 463f
334 HHStA Wien, RHRP 21, fol 192r: Eintrag zum 12.12.1563
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien