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Der Grumbach-Skandal und der Wormser Deputationstag 1564 563
mĂĽsse, daĂź aus kleinen Funken ein groĂźes Feuer entstĂĽnde, sei es geboten, bei-
zeiten – eben auf dem Deputationstag – nach Lösungen für die in sechs Punkten
vorgetragenen Probleme zu suchen. Sie lassen sich zu drei Themen zusammen-
fassen: (1) Eine steigende Tendenz zu Gewaltanwendung und Friedensbruch,
der weder der Kaiser noch die Kreise hätten vorbeugen können und die durch
eingehende Schilderungen des Zuges von Herzog Erich und von Grumbachs
Überfall gleichsam veranschaulicht wurde343; (2) „blinde“ Truppenwerbungen
ohne deklariertes Ziel von Offizieren ohne Bestallung; (3) die mit den „ordent-
lichen“ Werbungen für ausländische Herrscher verbundenen Schäden infolge
von TruppendurchzĂĽgen und die Bedrohungen durch das heimkehrende
Kriegsvolk. So sehr dann der Handlungsbedarf betont wurde – die Untertanen
seien so geschädigt und verunsichert, daß manche meinten, in der Türkei lebe
man besser als im Reich, der Kaiser aber habe die Pflicht, „die frommen zu
schutzen und zu schirmen, die bosen zu schrecken und zu straffen“ –, konkrete
Vorschläge folgten nicht, sondern die Versicherung, nach Ansicht des Kaisers
hätten die Reichstage von 1555 und 1559 gute Arbeit geleistet; die dort verab-
schiedete Exekutionsordnung solle „in irem unverruckten wort gentzlichen
pleiben“, wiewohl einzelne Bestimmungen auch nach Ansicht mehrerer Stände
nicht genügten. Waren also nur Ergänzungen und Präzisierungen beabsichtigt?
Die in der Instruktion für die als Vertreter Österreichs344 fungierenden Räte
enthaltenen Konkretisierungen bestätigen diese Annahme. Ihnen war einerseits
aufgegeben, auf konsequenter DurchfĂĽhrung der Mandate gegen Grumbach zu
bestehen, denn wenn solche Leute alles erzwingen könnten, „müsste woll also
mit der zeitt alle justitia im hay. reich zu grundtt und scheittern gehn und das
faustrecht anstat desselben gesetz herrschen“345. Zu den anderen Problemen
sollten sie anregen, daß verdächtige Werbungen dem Kaiser oder König oder
den Kreisen zu melden seien, damit sie unterbunden und bei eindeutigen Ver-
stößen Prozesse gegen die Verantwortlichen angestrengt werden könnten. In
zweifelhaften Fällen sollten auf Ersuchen des Kaisers durch den Reichserz-
kanzler mehrere Stände zur Beratung zusammengerufen werden. Werbungen
für ausländische Potentaten wären am besten ganz zu verbieten, zumindest aber
von einer ausdrücklichen Genehmigung durch Kaiser und alle (!) Reichsstände
abhängig zu machen, erlaube doch kein anderer König auf der Welt seinen Un-
tertanen fremde Kriegsdienste346. An die Durchsetzbarkeit glaubte Ferdinand
jedoch selber nicht; Karl V. hatte einem solchen Verbot keine Dauer verschaf-
fen können347, und Ferdinand selbst war erst 1558 mit diesem Vorschlag bei den
343 fol 41r-42v. Es war zunächst beabsichtigt, nicht ausdrücklich auf die beiden Fälle einzugehen,
denn in der Instruktion fĂĽr die kaiserlichen Kommissare, deren erster Teil sonst mit der Propo-
sition identisch ist, fehlen diese Passagen; vgl. Luttenberger, KurfĂĽrsten, S. 326.
344 Johann Freiherr zu Pollweyler, Georg Speth von Sulzburg und Dr. Christoph Mellinger haben
den Abschied fĂĽr Ă–sterreich unterschrieben.
345 HHStA Wien, RK RTA 45/3, fol 171r-192r: Von Seld korrigierter Entwurf, undatiert (sicher
vor 21.1.1564); das Zitat fol 179r/v
346 Vgl. die anders akzentuierenden Referate bei Lanzinner, Friedenssicherung, S. 26 u. S. 40 (nach
einem anderen Archivale), der die jeweilige Einbeziehung der Reichsstände nicht erwähnt und
deshalb urteilt, das „Programm griff tief in die ständischen Libertäten ein“.
347 Rabe, Reichsbund, S. 302; Lanzinner, Reformversuch, S. 299
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂĽnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien