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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 564 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Kapitel 8: Friedenssicherung im Reich564 Kurfürsten gescheitert. Darum ließ er als Alternative eine Meldepflicht der Obersten vorschlagen, die außerdem für ihre Offiziere und alle Schäden haften sollten. Wie aber bei künftigen Friedensbrüchen wirksamer als bisher gehandelt werden könne, dafür wisse man vorerst kein anderes „remedium“ als Mandate wie jetzt gegen Grumbach. Man muß diese Planung für den Wormser Deputationstag kennen, um die von Carl Erdmann nach Würzburger Akten referierten weitergehenden Vor- schläge der Vertreter Österreichs richtig zu bewerten348. Denn anders als in ihrer Instruktion zunächst stand, wußten sie doch „ein würklich remedium zu addieren“, nämlich die Einstellung von bis zu 2000 Berittenen349 auf Kosten des Reichs, die, auf die Kreisobristen und den Kaiser vereidigt, als eine Art Polizei- truppe neben der ordentlichen Kreishilfe an gefährdeten Punkten nach dem Ermessen des Kaisers (oder des Römischen Königs) eingesetzt werden sollten. Zur Finanzierung wurde angeregt, dafür die Kriegskassen der Kreise heranzu- ziehen oder „auf andere wege bedacht“ zu sein. In Verbindung mit einem Ver- bot, Truppen für ausländische Potentaten zu werben, ergebe sich der Vorteil, daß die Belastungen durch Musterplätze und Truppenzüge entfallen würden. Dabei machten sie aber vorab deutlich, weil „dise ordnungen so man alhie ma- che schon nit in perpetuum binden konden“, sollten sie doch wenigstens bis zum nächsten Reichstag „gellten und approbiert“ werden350. Dieser Vorbehalt sollte verdeutlichen, daß die Beschlüsse der Augsburger Reichstage nicht ange- tastet werden sollten351, und war auch angebracht, denn in den Beratungen ließen fast alle Stände Bedenken erkennen, ob der Deputationstag über die Kompetenz verfüge, dauerhafte Ergänzungen der Exekutionsordnung vorneh- men zu können. In den internen Vorberatungen für Worms hatte Ferdinands Rat Georg Il- sung den Vorschlag, im Reich einen „straiffenden hauffen kriegsvolcks“ aufzu- stellen, vorgebracht352. Für begrenzte Räume, das Gebiet des Landsberger Bun- des oder den Fränkischen Kreis353, war dieser Gedanke in den letzten Jahren von Ferdinand schon vertreten worden, so daß nur die Ausdehnung auf das ganze Reich als neuer Akzent erscheint. Indessen wurde bereits erwähnt, daß Überlegungen, eine kleine „armée ordinaire“ im Reich zu schaffen, bei Ferdi- nand schon viel früher nachzuweisen sind. Auf den Vorschlag Ilsungs war Fer- dinand zunächst nicht eingegangen aus Sorge, „das es bey ettlichen ain scheuhes ansehen haben und allerley verdachts auf ime tragen mocht“354. Er wagte den Vorstoß dann doch, nachdem er von Maximilian informiert worden war, daß 348 Zum Folgenden Erdmann, Ferdinand I., S. 25f. Seine Basis ist StA Würzburg, RTA 46, fol 309r/v + 311r/v (fol 310 ist verbunden, gehört hinter fol 314v). Neuerdings auch Lanzinner, Friedenssicherung, S. 30 349 „zehen, zwölf, funftzehen oder zwentzig hundert“ (fol 309v) 350 fol 309v; diesen Vorbehalt hat Erdmann übergangen. 351 Es ging also nicht um eine Neufassung der Exekutionsordnung, wie Schneider, Kreis, S. 132 behauptet. 352 Das ergibt sich aus Ferdinands Schreiben an Maximilian v. 21.1.1564 (HHStA Wien, RK RTA 45/3, fol 92r-95v). 353 Vgl. Kaufmann, S. 244 354 wie Anm. 352, fol 95r; auch zitiert bei Luttenberger, Kurfürsten, S. 328 CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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