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Der Grumbach-Skandal und der Wormser Deputationstag 1564 565
Landgraf Philipp von Hessen angeregt hatte, 1200 Berittene und die gleiche
Anzahl von Fußknechten als Reichstruppen einzustellen, um den Frieden im
Reich zu sichern355. Wie erwähnt hatte Ferdinand vor dreißig Jahren den Ge-
danken mit Philipp einmal andiskutiert. Wenn der den Habsburgern in der
Regel mißtrauisch gegenüberstehende Landgraf jetzt dafür eintrat, bestand,
zumal er als einziger protestantischer Fürst dem Deputationstag angehörte,
durchaus eine Chance für die Realisierung, die noch zu steigen schien, als Kur-
fürst August zwei Wochen später dem Kaiser eine Variante vorlegte356. Der
Wettiner kam damit in modifizierter Form auf seine Anregungen vom Herbst
1558 zurück. In Worms schlugen seine Vertreter vor, die Kompetenzen der
Kreisobristen zu verstärken sowie auf Kosten des Reichs 1500 Reiter in Bereit-
schaft zu halten, die im ober- und im niedersächsischen Kreis stationiert werden
sollten357. Schon der Vorschlag des Landgrafen bewog Ferdinand, seine Beden-
ken zurückzustellen und seinen Vertretern in Worms in einer Nachinstruktion
den Auftrag zu erteilen, „disen weg fur ainen dardurch handhabung des gemai-
nen fridens zu pessern, neben andern hievor in irer instruction angeregten und
erzelten remediis auch furzuschlagen“358. Die vom sächsischen Kurfürsten ge-
nannte Zahl von 1500 Reitern hielt er für reichlich und meinte, 1200 Pferde
würden auch genügen, doch sollte es ihm recht sein, wenn die größere Truppe
bewilligt würde359.
Ferdinand hatte aus den verschiedenen Mißerfolgen, durch Schaffung von
Instrumenten in kaiserlicher Hand die Sicherung des Landfriedens zu stärken,
gelernt, daß Initiativen zu dieser Frage von den Reichsständen ausgehen muß-
ten. Wenn er den Vorschlag des Kurfürsten August jetzt aufgriff, konnte der
Eindruck eines kaiserlichen Vorstoßes zur Änderung der Reichsordnungen
vermieden werden, auch wenn er zu seinem Vorteil einige Abwandlungen vor-
nahm360.
Die Verhandlungen des Deputationstages brauchen hier nicht im einzelnen
verfolgt zu werden361. Da die Proposition keine konkreten Vorschläge enthielt
und die Vertreter der Kurfürsten durchgesetzt hatten, getrennt von den anderen
Ständen als Kurie zu beraten362, legten die Sachsen dort ihr Konzept vor. Die
Aufstellung der Polizeitruppe stieß jedoch auf breite Ablehnung, die damit
begründet wurde, eine derartige Bewilligung sei außerhalb des Reichstages nicht
möglich und im übrigen nicht nötig, wenn alle Stände die Exekutionsordnung
beachteten. Dagegen gelang es den Österreichern, die Mehrheit der anderen
355 Holtzmann, S. 547: Philipp von Hessen an Maximilian, 5.1.1564
356 Ortloff 2, S. 8. August informierte auch Herzog Albrecht über seine Idee (Goetz, Beiträge, S.
280 Anm. 2).
357 Lanzinner, Friedenssicherung, S. 28; nach Luttenberger, Kurfürsten, S. 330 hat Sachsen 3000
Reiter vorgeschlagen.
358 wie Anm. 352, fol 95r
359 HHStA Wien, RK RTA 45/3, fol 110r: F. an Maximilian, 4.2.1564
360 Ähnlich Luttenberger, Kurfürsten, S. 328, der allerdings die früheren Überlegungen Ferdinands
nicht einbezieht. Lanzinner, Friedenssicherung, S. 40f, betont die Unterschiede zwischen dem
kursächsischen und dem kaiserlichen Konzept sehr stark.
361 Dazu eingehend Lanzinner, Friedenssicherung, S. 29ff; Luttenberger, Kurfürsten, S. 329ff
362 Zur institutionengeschichtlichen Bedeutung vgl. Neuhaus, Repräsentationsformen, S. 444ff.
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien