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Kapitel 8: Friedenssicherung im
Reich566
Stände für den Gedanken zu gewinnen363. So kam es Anfang März zu einem
gespaltenen Votum; die anderen Stände hielten den Kurfürsten entgegen, man
solle sich nicht nur mit einer Erläuterung und Verbesserung der Exekutions-
ordnung begnügen, sondern Nägel mit Köpfen machen, zumal eine solche
einsatzbereite Truppe den Kreisen wahrscheinlich sogar Kosten ersparen
würde364.
Carl Erdmann hat die Sache als einen kaiserlichen Vorstoß von großer ver-
fassungrechtlicher Tragweite dargestellt, durch den Ferdinand „die Kreise un-
schädlich machen und dafür selbst den entsprechenden Machtzuwachs gewin-
nen“ wollte365. Nimmt man aber die Hauptinstruktion für die Vertreter Öster-
reichs als Zeugnis für die kaiserlichen Ziele in Worms und berücksichtigt die
gelegentlichen Kommentare aus Wien zu den Wormser Beratungen, so wird
man Erdmanns Urteil doch korrigieren müssen366. Ferdinand hat in Worms
nicht einen großen Wurf zur Änderung der Reichsverfassung unternommen,
sondern eine Politik der kleinen Schritte zur Steigerung der Effizienz der
Landfriedenswahrung verfolgt367. Die momentane Konstellation war den Ver-
such wohl wert, aber der Widerstand gegen die Eingreiftruppe überraschte
keineswegs, vielmehr beweist Ferdinands Briefwechsel mit Maximilian, daß er
sich über die Brisanz des Vorschlags durchaus im klaren war. Auf unwillige
Kritik am Kaiserhof stieß vor allem die Neigung der Mehrheit im Kurfürsten-
rat, anstelle von energischen Maßnahmen zur Verfolgung Grumbachs nochmals
eine gütliche Einigung anzustreben, was eine Suspension der Exekutionsman-
date zur Voraussetzung hatte368. Für den Kaiser, der soeben eine Gesandtschaft
der fränkischen Ritterschaft, die zugunsten Grumbachs in Wien intervenieren
wollte, abgewiesen hatte369, hätte das einen Verlust an Prestige bedeutet. Auch
im Fürstenrat erregte das Verhalten der Mehrheit im Kurfürstenrat Befremden,
denn eine gütliche Einigung mit Grumbach „nit woll konndte ohne sundere
verkleinerung irer Key. auch Khun. Mat. und des gantzen romischen reichs
teutscher nation reputation geschehen“370. Da man sich am Kaiserhof aber au-
ßerstande sah, die Acht im Alleingang zu vollstrecken, wurde sogar Weisung
363 Auch Hessen hat – dem Würzburger Protokoll zufolge – der Aufstellung vorbehaltlos zuge-
stimmt (wie Anm. 348, fol 313v); anders Lanzinner, Friedenssicherung, S. 31 nach sächsischen
Berichten.
364 NWStA Münster, FML 473/153, fol 48r-64r: Gemeinsame Replik der Stände vom 2.3.1564, bes.
fol 58vff; vgl. Schneider, Kreis, S. 133
365 Erdmann, Ferdinand I., S. 27
366 Während Laufs, Schwäbischer Kreis, S. 353ff, Erdmann vorbehaltlos folgt, ist Neuhaus, Reprä-
sentationsformen, S. 470, vorsichtig und Mally, S. 36, deutlich davon abgerückt.
367 „Es ging dem Kaiser vielmehr vorrangig darum, die Verläßlichkeit der Landfriedens- und Exe-
kutionsordnung durch zweckmäßige Ergänzungen und Korrekturen zu erhöhen“ (Luttenber-
ger, Kurfürsten, S. 327).
368 So Maximilian an August, 13.3.1564 (Perger, S. 202f); Zasius an Herzog Albrecht, 1.3.1564
(Goetz, Beiträge, S. 287f); vgl. auch Holtzmann, S. 515
369 Häberlin 6, S. 25; Beck 1, S. 460
370 Aus der Replik der Stände v. 2.3.1564 (wie Anm. 364, fol 63r)
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien