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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Page - 567 -
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Page - 567 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Der Grumbach-Skandal und der Wormser Deputationstag 1564 567 nach Worms gegeben, sich notfalls zu arrangieren, wenn die kurfürstliche Mehrheit auf ihrer Meinung beharren würde371. Gemessen an den Instruktionen wurde in Worms tatsächlich gar nicht so wenig erreicht372. Es gelang den kaiserlichen Kommissaren nicht nur, den Kur- fürstenrat zum Einlenken in der Behandlung des Falles Grumbach zu bewegen, sondern auch den Grundgedanken der „Polizeitruppe“ zu retten, indem sie den Kompromiß akzeptierten, die Dienstzeit und Finanzierung zu befristen – ihr unbestimmtes „biß auff ferner des reichs stende verordnung“ wurde später präzisiert zu vorerst drei und längstens neun Monaten. Sie konnten dem Kaiser das Recht sichern, über den Einsatz nach seinem Ermessen zu entscheiden und den Befehlshaber (Obersten) zu ernennen, wobei sie betonten, der Kaiser und der Römische König wären doch dafür bekannt, daß sie diese Truppe „nicht anders dan zu handthabung des heilligen reichs abschieden und desselbigen religion und landtfridens gebrauchen werden“373. Die Begründung für die Be- willigung im Abschied des Deputationstages374, „daß neben der Exekutions- Ordnung, bis die auff jetzige Declaration, und disen unsern und des Reichs Abschied, in mehr richtigkeit gebracht, einer zuverläßiger, förderlicher Hülff vonnöthen seyn solt“, lag ganz auf der Linie ihrer Argumentation375. Und wenn es gelang, bis zum nächsten Reichstag positive Ergebnisse durch das Eingreifen dieser Truppe vorzuweisen, bestand immer noch die Möglichkeit der dauern- den Verankerung. Ferner war akzeptiert worden – das hat Erdmann zu gering geachtet –, daß die Meldepflicht der Stände an ihren Kreisobersten und den Kaiser, wenn sie nicht allein mit Truppenwerbungen auf ihrem Gebiet fertig wurden, mit der Sanktion versehen wurde, bei Unterlassung für die Schäden haften zu müssen (Artikel 15). Aus diesen Bestimmungen konnte immerhin für den Kaiser die Möglichkeit erwachsen, künftig die Exekution im Reich leichter zu koordinieren376. Das vollständige Verbot von Truppenwerbungen im Reich war dagegen erwartungsgemäß nicht erreicht worden. Gegen die erweiterte Kompetenz der Kreisobersten, Verstärkungen durch andere Kreise anzufor- dern, hatte Österreich keine Einwände erhoben377. Nicht beachtet haben Erd- mann und seine Nachfolger die Vereinbarung (Artikel 21), durch die der Kaiser ersucht wurde und sich bereit erklärte, in gravierenden Fällen den reichsunmit- telbaren Adel aufzufordern, sich an der Bekämpfung der Ruhestörer zu beteili- gen. Wie Volker Press gezeigt hat, war es Ferdinand in den vierziger Jahren gelungen, im Zusammenhang mit der Heranziehung des Reichsadels zu den als „Gemeiner Pfennig“ ausgeschriebenen Reichssteuern einen unmittelbaren 371 HHStA Wien, RHRP 23, fol 31r/v u. 32v: Eintragungen zum 27.2.1564, betr. Weisungen an die kaiserlichen sowie die österreichischen Kommissare in Worms. 372 Kaufmann, S. 245, sprach von einem „unerwartet hohen Erfolg des Kaisers und seiner Anhän- ger“. 373 Resolution der kaiserlichen Kommissare v. 9.3.1564 (NWStA Münster, FML 473/153, fol 66r- 72v, die Zitate fol 70r u. fol 71r); ebda, fol 72r/v die Feststellung, daß die Kurfüsten sich im Fall Grumbach den übrigen Ständen angeschlossen hätten. 374 Druck in Neue Sammlung 3, S. 201–211 375 Ebda, S. 208 (§ 36). Vgl. die Resolution der kaiserlichen Kommissare (wie Anm. 373, fol 70r). 376 Lanzinner, Friedenssicherung, S. 38 377 Von Schneider, Kreis, S. 133f, als „entscheidende Neuerung“ m.E. überbewertet. CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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