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Vorgeschichte und Problematik des Vorhabens 579
Ferdinand, wie wenig zweckdienlich Hosius’ autoritäres Auftreten gegenüber
Maximilian war, und er zeigte sich sehr verärgert, als ein anderer katholischer
Prediger im August öffentlich taktlose Angriffe gegen seinen Sohn richtete59.
Mehr als das, was infolge der von Maximilian offen zur Schau gestellten Distan-
zierung – Fernbleiben von der Messe und von Prozessionen – jedermann wuß-
te, hat Ferdinand gegenĂĽber der Kurie nicht zugegeben, auch wenn er dessen
Schwanken stets wortreich als seinen größten Kummer bezeichnete.
Die oft erörterte Frage, warum und wann Maximilian eingelenkt hat, mag
hier auf sich beruhen. Noch im April 1561 gab Zasius der Sorge Ausdruck, der
Streit zwischen Vater und Sohn könne die Habsburger die Kaiserkrone ko-
sten60. Zu diesem Zeitpunkt ĂĽberlegte Ferdinand bereits, wie er die KurfĂĽrsten
dazu bringen könne, sich auf eine Königswahl vivente imperatore einzulassen.
AuĂźerdem hatte er schon einen zweiten bedeutsamen Schritt unternommen, um
Maximilians Stellung aufzuwerten: Er beabsichtigte dessen Krönung zum Kö-
nig von Ungarn und führte deswegen im März 1561 eine längere Diskussion mit
mehreren ungarischen Räten über die Modalitäten, wobei wichtige verfassungs-
rechtliche Meinungsverschiedenheiten zutage traten61. Nachdem sich der Kaiser
mit seiner Auffassung durchgesetzt hatte, verpatzte Maximilian den Erfolg
durch seine Erklärung, er sei nicht bereit, während der Krönung die Kommuni-
on sub una zu empfangen und bei der Eidesleistung die Heiligen anzurufen, wie
es das Zeremoniell vorsah62. Der beabsichtigte Termin für den Krönungs-
reichstag in Preßburg ließ sich nun nicht halten – es gab dafür auch noch andere
Gründe63 –, und das macht eine neue Verärgerung Ferdinands begreiflich. Allzu
viel Gewicht ist sodann auf eine Bemerkung Lunas gelegt worden, der Kaiser
habe ihm gesagt, er werde Maximilian nicht als Römischen König vorschlagen,
solange der Sohn sich nicht eindeutig zur katholischen Kirche bekenne64; von
dem Tag jedoch, als Luna diese Äußerung für Philipp II. niederschrieb, datie-
ren die Instruktionen des Kaisers fĂĽr seine Gesandten an die KurfĂĽrsten, in
denen Ferdinand ausdrĂĽcklich die Wahl Maximilians zu seinem Nachfolger
empfahl65. –
Noch aus einem anderen Grund dĂĽrfte es Ferdinand als verfrĂĽht erachtet ha-
ben, schon im FrĂĽhjahr 1558 in Frankfurt mit den KurfĂĽrsten ĂĽber seinen
Nachfolger zu reden: Bei allen Präzedenzfällen für die Königswahl vivente
imperatore hatte der amtierende Kaiser irgendwann vorher vom Papst die Krö-
nung empfangen. Aufgrund seiner eigenen politischen Erfahrungen dĂĽrfte Fer-
dinand das damals noch als Voraussetzung angesehen haben. Er selbst hatte
59 Goetz, Beiträge, S. 202
60 An Herzog Albrecht, Ulm, 26.4.1561 (Goetz, Beiträge, S. 215f.)
61 HHStA Wien, RHRP 20b: Mehrere Vermerke vom März 1561. Grundlegend Gindely, Erb-
rechte, S. 208–231; ferner Turba, Thronfolgerecht, S. 351ff. Quellen bei Fraknói 4, S. 444ff
62 NB II 1, S.238: Meldung Hosius’ v. 2.4.1561; CDI 98, S. 230f: Luna an Philipp II., 18.6.1561.
Hosius wurde wohl darum so umgehend informiert, um Rom zu verdeutlichen, welcher Scha-
den aus der Verweigerung des erbetenen Dispenses entstanden war.
63 Huber, Geschichte 4, S. 222f
64 Luna an Philipp II., 13.10.1561 (Döllinger 1, S. 452f mit falscher Jahresangabe; deutsch Heine, S.
19)
65 Moser, Wahlkapitulation, S. 548–559 : Instruktion v. 13.10.1561 (bes. S. 551)
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- MĂĽnster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien