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Kapitel 9: Die Sicherung der Nachfolge im
Reich596
Die mit der dritten Werbung bei den Kurfürsten angestrebten Ergebnisse
wurden erreicht. Erzbischof Daniel von Mainz kam auf seine Bedenken wegen
der religiösen Haltung Maximilians nicht mehr zurück166. Sein Kölner Kollege
riet von einer Neben-Assekuration ausdrücklich ab, weil sie nicht geheim blei-
ben und nur Unrat bewirken, insbesondere die Protestanten verstimmen wer-
de167. Johann von Trier aber, der den Gesandten des Kaisers zunächst erklärt
hatte, er sei durch die positiven Berichte des Paters Sitthard beruhigt168, brachte
sie beim zweiten Treffen in Verlegenheit, als er wiederholte, der König müsse
unbedingt katholisch sein, und daran zwei Forderungen knüpfte: um ein gutes
Einvernehmen mit Philipp von Spanien zu gewährleisten, solle der Kaiserhof
von diesem eine Befürwortung der Wahl Maximilians beibringen, und es solle
eine geheime Defensiv-Allianz des Kaisers und des zu wählenden Königs mit
den geistlichen Kurfürsten gegründet werden. Mit Mühe konnten Ferdinands
Vertreter ihn dazu bewegen, die Dinge dem Kaiser anheimzustellen169.
Am wichtigsten war indessen das Einlenken Friedrichs III., der seinen Wi-
derspruch gegen den Kurfürstentag aufgab und seine Teilnahme zusagte170. Als
entscheidender Trumpf Kaiser Ferdinands erwies sich hier die Zustimmung der
fünf anderen Kurfürsten zu dem Treffen171. Die in Heidelberg gehegte Hoff-
nung, nicht alle möchten eingewilligt haben172, war nach einer vertraulichen
Anfrage beim Mainzer Kollegen zerronnen, überdies registrierte man mit Ent-
täuschung, daß auch die befreundeten Reichsstände Baden, Hessen und Würt-
temberg für die Wahl des Habsburgers eintraten. So scheute man die Isolierung,
obwohl man erkannte, wenn es zu der Zusammenkunft käme, „sei es gesche-
hen“173. Helfenstein und Zasius beeilten sich, die positive Nachricht dem Kaiser
auf dem schnellstmöglichen Wege zuzusenden174. Heidelberg war die letzte
Station ihrer diplomatischen Reise gewesen. Am 5. Mai 1562 sprach ihnen der
Kaiser seine Anerkennung aus, „nachdem nunmehr Gottlob! die Sachen des
Churfürsten-Tags und desselben Ausschreibens halben richtig“175. Der Weg
zur Wahl Maximilians war endgültig frei.
Am meisten Mühe hatte es die kaiserlichen Gesandten gekostet, mit dem
Reichserzkanzler zur Verständigung über Modus und Formulierung der Einla-
166 Goetz, Wahl, S. 130 Anm. 2; Krause, S. 23
167 Moser, Wahlkapitulation, S. 773
168 HHStA Wien, RK WuKA 3, fol 346r-350r: Helfenstein u. Zasius an F., 7.4.1562; vgl. Goetz,
Wahl, S. 131
169 Moser, Wahlkapitulation, S. 782ff; Goetz, Wahl, S. 134f. Die von Duchhardt, Kaisertum, S. 67,
herangezogenen Quellen decken die Folgerung nicht, der Papst habe die geistlichen Kurfürsten
zugunsten Maximilians beeinflußt.
170 Kluckhohn, Briefe 1, S. 287f
171 Ferdinand gab sich deshalb schon vorher gegenüber Luna sehr zuversichtlich: selbst wenn der
Pfälzer ausbleibe, was er aber nicht glaube, sei das unerheblich (CDI 98, S. 323f: Luna an Phil-
ipp, 20.4.1562).
172 Kluckhohn, Briefe 1, S. 274f
173 Ebda, S. 286f: Protokoll (Regest) der Pfälzer Beratungen nach der Werbung der kaiserlichen
Gesandten, 26./27.4.1562
174 Moser, Wahlkapitulation, S. 778f: Bericht v. 28.4.1562
175 Ebda, S. 796
CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Title
- Ferdinand I. als Kaiser
- Subtitle
- Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
- Author
- Ernst Laubach
- Publisher
- Aschendorff Verlag
- Location
- Münster
- Date
- 2019
- Language
- German
- License
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-402-18044-0
- Size
- 15.5 x 23.0 cm
- Pages
- 786
- Keywords
- Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
- Category
- Biographien