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Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
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Page - 601 - in Ferdinand I. als Kaiser - Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.

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Erfolgreicher Abschluß: Der Kurfürstentag in Frankfurt 601 fürsten in Frankfurt, die Ferdinand eingeladen hatte, als nicht konform mit der Goldenen Bulle beanstandet, weil man einen Wahltag halte. In ihrer Mitteilung an den Kaiser, zur Wahl eines Königs schreiten zu wollen, betonten die Kurfür- sten darum ihre Absicht, sie „ordentlicher Weise ... frey one einige masse oder vorschlag, vermüge angeregter gülden Bulle, alten Herkommens und Churfl. Gerechtigkeit fürzunehmen“207. Im Grunde wurde damit ein Thema wieder berührt, das im Dezember 1530 im Vorfeld der Wahl Ferdinands strittig gewe- sen war, nämlich ob der Kaiser bei der Königswahl vivente imperatore ein Vor- schlagsrecht habe; Karl V. hatte zunächst darauf beharrt und erst nach Inter- vention des Kandidaten, eben Ferdinands, die „freie“ Wahl zugestanden208. Außerdem ersuchten die Kurfürsten den Kaiser um einen Revers, daß die An- wesenheit anderer Fürsten und fremder Gesandte kein von ihnen zu verant- wortender Verstoß gegen das Herkommen sei und daraus kein Präjudiz er- wachsen solle209. In pragmatischer Einschätzung der Lage verzichtete Ferdi- nand darauf, die Diskussion aufzunehmen. Er begrüßte vielmehr die Orientie- rung an der Goldenen Bulle ausdrücklich und versprach den gewünschten Re- vers, vermied aber sowohl in der vorläufigen Antwort als auch in der Urkunde die Definition der freien Wahl im Sinne der Kurfürsten210. Im übrigen wurde die Wartezeit nicht nur mit „greulich sauffen und panke- tieren“ ausgefüllt211, sondern die Kurfürsten berieten mehrere Tage über die Wahlkapitulation, auf die Maximilian vereidigt werden sollte. Als Grundlage diente die Obligation Ferdinands von 1558, die – neben einigen Präzisierungen in einzelnen Artikeln – um sechs Punkte erweitert wurde212. Größere Differen- zen gab es nur über die traditionelle Verpflichtung des Königs gegenüber dem päpstlichen Stuhl, von der die protestantischen Kurfürsten nichts mehr wissen wollten, während die drei geistlichen nicht darauf verzichten wollten213. Wegen dieses Gegensatzes im Kurkollegium fiel Maximilian eine Vermittlerrolle zu. Die engen Beziehungen des Kaiserhofs zu den beiden ostdeutschen Kurfürsten, die durch die „Diener zweier Herren“ Prißmann und Karlowitz214 verkörpert wurden, zahlten sich dabei aus. Es waren Joachim und August, die Maximilian den Weg ebneten, an der letzten Phase der Beratungen über die Wahlkapitulati- on teilzunehmen, zwar nicht als Kurfürst, aber als Eligendus, dem Gelegenheit 207 J. W. Hoffmann 2, S. 329–331, das Zitat S. 331 208 Laubach, Karl V., S. 32; Kohler, Antihabsburgische Politik, S. 173 209 Ganz widerspruchslos (so Luttenberger, Kurfürsten, S. 139) wurde die Anwesenheit anderer Fürsten also nicht hingenommen. 210 J. W. Hoffmann 2, S. 334f u. S. 336f 211 So Zasius in einem Privatbrief (Goetz, Beiträge, S. 253) 212 Druck bei Ziegler, S. 38ff; zu den Beratungen Luttenberger, Kurfürsten, S. 126ff 213 Goetz, Wahl. S. 179f; Luttenberger, Kurfürsten, S. 132ff 214 Zu Karlowitz s. Goetz, Wahl, S. 140 Anm. 1; er versorgte Ferdinand beispielsweise mit Interna über die Naumburger Beratungen und Mitteilungen, was auf einer geplanten Tagung in Braun- schweig besprochen werden sollte (HHStA Wien, RK RelA 6, fol 104r-107v). Zu Prißmann oben S. 584. Schon im Mai hatte Joachim die Frage der Beteiligung Maximilians mit Prißmann erörtert und war zu dem Ergebnis gekommen, man könne ihn von den grundsätzlichen Ent- scheidungen nicht ausschließen (HHStA Wien, RK, WuKA 4, fol 23r-27r: Prißmann an Maxi- milian, 14.5.1562; vgl. Goetz, Wahl, S. 144; Kühne, S. 42–44). CC BY-NC-ND 4.0 | DOI https://doi.org/10.17438/978-3-402-21806-8
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Ferdinand I. als Kaiser Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Title
Ferdinand I. als Kaiser
Subtitle
Politik und Herrscherauffassung des Nachfolgers Karls V.
Author
Ernst Laubach
Publisher
Aschendorff Verlag
Location
Münster
Date
2019
Language
German
License
CC BY-NC-ND 4.0
ISBN
978-3-402-18044-0
Size
15.5 x 23.0 cm
Pages
786
Keywords
Ferdinand I., Karl V., 16. Jahrhundert, Kaisertum, Reformation, Geschichte, Konfession
Category
Biographien
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